15. November 2017 SUW

"Das Beste ist für unsere Kinder gerade gut genug"

Blick ins Auditorium

Helmut Holter, Minister für Bildung, Jugend und Sport des Freistaates Thüringen

Knut Korschewsky

Auf Einladung des Landtagsabgeordneten Knut Korschewsky stellte Minister Helmut Holter Schwerpunkte des neuen Kita-Gesetzes und des Konzeptes „Zukunft Schule – Ideen für ein neues Schulgesetz“ in Sonneberg vor und kam mit den Gästen ins Gespräch.

Sonneberg. Gut 100 Gäste waren am Abend des 14. November in die Wolke 14 gekommen zur angekündigten Informations- und Diskussionsveranstaltung mit Helmut Holter, Minister für Bildung, Jugend und Sport des Freistaates Thüringen. Zu Beginn nutzte der Gastgeber die Gelegenheit, mit einer kurzen Fragerunde den Anwesenden die Person Helmut Holter etwas näher zu bringen. Der 64-Jährige aus Ludwigslust wurde am 17. August dieses Jahres offiziell zum Nachfolger der wegen Krankheit zurückgetretenen Bildungsministerin Birgit Klaubert ernannt.

Deutlich wurde bereits mit den ersten Ausführungen, dass Holter in seinem Amt einiges bewegen will. „Ich bin nicht aus Mecklenburg-Vorpommern gekommen, um einen Posten zu besetzen, sondern weil ich in meiner Funktion Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen möchte im Sinne der Bürger des Freistaats. Dabei spielt für mich das Thema Kommunikation eine große Rolle – ich möchte, dass wir miteinander reden, Probleme ansprechen und im konstruktiven Austausch gemeinsam Lösungen finden. Deshalb freut es mich auch, dass sie sich heute die Zeit genommen haben für diese Veranstaltung“, schickte der Gast aus Erfurt eine erste Botschaft an die Besucher. Fachlich konkret wurde der Minister dann mit seinen Ausführungen zum neuen Kita-Gesetz, in denen er die im Entwurf verankerten Verbesserungen aufzeigte. Auch hier verwies Holter auf den Fakt, dass die vergangenen Wochen und Monate getreu seines Kommunikations-Credos genutzt worden waren, sich untereinander auszutauschen. „In das neue Gesetz sind viele Anregungen aus der Praxis eingeflossen, unter anderem auch aus Sonneberg“, bedankte er sich an dieser Stelle stellvertretend bei Bürgermeister Dr. Heiko Voigt. Allerdings wollte es Holter auch erwähnt wissen, dass die von Seiten der Stadt in der Vergangenheit in der Presse gestreuten Informationen bezüglich zu erwartender, finanzieller Nachteile so nicht richtig wären. „Wie Knut Korschewsky schon ausführte, kommen durch das neue Kita-Gesetz keine Mehrbelastungen auf die Kommunen und Träger zu. Wer in diesem Zusammenhang Gebührenerhöhungen als notwendig deklariert und das u.a. mit dem kostenfreien Kitajahr begründet, begeht ein üble Täuschung. Falls Kita-Gebühren in den nächsten Wochen und Monaten erhöht werden, hat dies andere Gründe als die Gesetzesänderungen. Es wäre fair, wenn den Eltern dann die tatsächlichen Gründe für eine Beitragserhöhung offengelegt würden“, fasste Holter als Erwiderung auf die in seinen Augen unbegründete „Panikmache“ zusammen.

Themenpunkt 2 „Zukunft Schule“ ging der Minister im Anschluss an die konstruktive Diskussion zum Kita-Gesetz an. Er wisse, dass Thüringen nachbessern müsse bei der Entlohnung von Lehrern an Regelschulen. „Wenn wir gutes Personal haben wollen, müssen wir Bewerbern auch ein mit anderen Bundesländern vergleichbares Gehalt bieten.“ Das träfe ebenso zu bei Lehrkräften, die „ohne“ entsprechende Laufbahnstufe bereits als Schulleiter tätig sind. Ebenso wolle man bei der Schulnetzplanung den Verantwortlichen mehr Planungssicherheit geben. „Wir groß soll zukünftig eine Klasse sein? Wie werden besondere Förderbedarfe dabei berücksichtigt? Wie gehen wir im ländlichen Raum mit kleinen Schulen um? Antworten auf diese und weitere Fragen sollen im neuen Schulgesetz verankert werden unter der Maßgabe unseres hohen Anspruchs an Qualität. Deshalb werden wir weiter im Gespräch bleiben mit den vor Ort Beteiligten. Denn mein Ziel ist es, ein Gesetz vorzulegen, das erstens eine breite Mehrheit findet im Landtag - nicht nur bei den Regierungsfraktionen, sondern auch bei der CDU. Zweitens soll es ein Gesetz sein, mit dem wir Planungssicherheit garantieren können über die laufende Legislatur hinaus. Wir wollen ein stabiles Fundament für das Lernen schaffen, das die nächsten 10, 15 oder gar 20 Jahre Bestand hat, egal unter welcher Regierung. Das Beste ist für unsere Kinder gerade gut genug“, formulierte Holter seine Vision von Zukunft Schule. Er zeigte im Nachgang u.a. Ideen auf, wie man den Problemen Unterrichtsausfall und fehlendem Personal begegnen könne. Etwa Quereinsteiger über eine Qualifizierung fürs Unterrichten befähigen, das Beamtenrecht anpassen an die aktuellen Gegebenheiten. Thüringen brauche eine Art „Willkommens-Aktionismus“ für angehende Lehrkräfte. Man müsse zur Not auch neue Wege gehen und ein wirkungsvolles Paket schnüren aus kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen.

„Der Wille von uns Lehrern, etwas leisten zu dürfen, ist weiter ungebrochen. Das können sie uns glauben. Dazu brauchen wir einerseits Beständigkeit, andererseits aber auch den nötigen Freiraum und ein gut ausgestattetes Lernumfeld“, ließ Gymnasiallehrerin Angela Jannusch ihren obersten Dienstherren wissen.

Ein Thüringer Schul-Investitionspaket „forderte“ Landrätin Christine Zitzmann. Die Haushaltsmittel des Landkreises ließen Modernisierungen nur im Schneckentempo zu. Sie sehe das Land viel mehr in der Verantwortung hinsichtlich der besseren Ausstattung der Lehreinrichtungen.

Helmut Holter bedankte sich nach den Ausführungen noch einmal bei den Anwesenden fürs Kommen und Diskutieren, explizit bei der Landrätin, die den Minister im Laufe des Abends zu einem weiteren Informationsaustausch in den Landkreis eingeladen hatte. „Ich freue mich wirklich sehr über ihre Anwesenheit und wir werden auch einen Termin finden, an dem ich ihrer Einladung folgen kann“, kündigte Holter einen weiteren Abstecher in den Süden des Freistaates an.

Ein Dankeschön „im Namen der Besucher“ richtete Elke Kiesewetter zum Schluss des Abends an den Gast aus Erfurt. „Ich denke, ich darf in ihrer aller Namen dem Minister für sein Kommen danken. Oft ist es ja so, dass man denkt: Da kommt wieder einer aus Erfurt, es wird geredet und passieren tut dann doch nichts. Ich hatte heute den Eindruck, dass sie, Herr Minister, nicht nur reden, sondern etwas anpacken, erreichen wollen – gemeinsam mit den Beschäftigten und Verantwortlichen in den Bereichen Erziehung und Bildung. Deshalb wünsche ich mir für das nächste Mal, dass dann alle Stühle hier besetzt sind. Denn wenn man im Vorfeld das Bedürfnis an Beteiligung äußert, sollte man auch Gelegenheiten wie heute zum persönlichen Austausch nutzen.“

Text: SUW
Fotos: CHZ