23. Januar 2018 SUW

Ein starkes Hinterland – und kurze Wege für die Bürger

Schwarz-rot konstruktiv: Jürgen Köpper (links) im ausführlichen Erfahrungsaustausch mit Knut Korschewsky (Mitte) und Michael Stammberger

<xml></xml><xml></xml> Der erste Wahlkreistag des Jahres 2018 führte Knut Korschewsky in das Effelder Schloß. Dort empfing ihn Frankenblicks Bürgermeister Jürgen Köpper (CDU) zu einem ausführlichen Gespräch, dem auch Linke-Kreischef Michael Stammberger beiwohnte.

Effelder. Wie nicht anders zu erwarten, kam die kompetent besetzte Herrenrunde schnell auf das Thema „Gebietsreform“. Der Landtagsabgeordnete bemerkte einführend, dass der aktuelle Stand im Hinterland auf Dauer weder für Schalkau noch für Frankenblick haltbar sei. Dazu Jürgen Köpper: „Es ist nicht so, dass wir ein Zusammengehen ablehnen. Das Miteinander funktioniert ja in einigen Bereichen seit längerem gut. Zum Beispiel bei den Schulen, den Feuerwehren, in der Verwaltung. Wir wollen deshalb auf alle Fälle die interkommunale Zusammenarbeit fortsetzen.“ Anknüpfend an diese Aussage hakte Knut Korschewsky nach: „Wenn ihr im Grunde soweit seid, warum geht ihr dann nicht gleich zusammen? Es wird euch irgendwann kaum eine andere Option bleiben. Und aktuell würde euch eine stattliche „Hochzeitsprämie“ zustehen. Es wäre doch schade, das Geld zu verschenken.“

Dem stimmte der Bürgermeister einerseits zu, wollte aber die folgenden Aspekte erwähnt wissen. „Wir haben bereits 2011 ein entsprechendes Angebot unterbreitet. Die Anmerkungen des damaligen Bürgermeisters Reinhard Zehner waren u.a., dass man als Stadt Schalkau 2012 nicht nur 650-jähriges Jubiläum feiere, sondern ebenso einen neuen Bürgermeister wähle.“ Dem Hinweis des Gastes auf eine mögliche Hochzeitsprämie von fast 2 Mio. Euro stellte Jürgen Köpper entgegen, dass alleine der momentane Reparaturstau gut 40 Mio. Euro betrage. „Dann wäre es auch so, dass das Gebilde flächenmäßig noch weiter wächst. Beim Zusammenschluss von Frankenblick sind damals zu den 18 qkm Mengersgereuth-Hämmern über 40 qkm Effelder-Rauenstein dazugekommen. Und schon da stießen und stoßen wir oft an die Grenzen des Machbaren, weil die Aufgaben gewachsen sind. Das merken wir z.B. gerade wieder beim Winterdienst.“ Richtig und wichtig sei es, weitere Bereiche einer Zusammenarbeit zuzuführen. „Konkret denke ich da an die Bauhöfe, die digitale Verwaltung oder die Schwimmbäder. Wenn wir das optimieren, können wir zusammen einiges an Sparpotential entwickeln.  

Die Bürger müssen es wollen

Allerdings gebe es für eine Fusion aus Frankenblicks Sicht zwei Bedingungen. „Das Gebilde muss eine Einheitsgemeinde werden und – es muss Frankenblick heißen. Ich kann meinen gut 6000 Bürgerinnen und Bürgern nicht schon wieder eine Umstellung zumuten.“ Natürlich verstehe er die Schalkauer, dass sie manches etwas anders sehen. Das Stadtrecht könne man ja dennoch behalten. „An mir soll es nicht liegen. Ich denke, das größte Hindernis ist für die Schalkauer der Name. Aber selbst wenn es nicht mehr Schalkau hieße, ein Schalkauer bleibt doch immer ein Schalkauer. So wie es auch jetzt noch die Rauensteiner, Effelder und Mengersgereuther gibt“, fasste Jürgen Köpper zusammen.

„Ihr arbeitet schon länger gut zusammen. Dennoch ist mir klar, dass da viele Emotionen im Spiel sind. Es wäre aber falsch, den Bürgern etwas aufzwingen zu wollen. Das muss von den Menschen vor Ort gewollt sein. In dieser Hinsicht gab es sicher auch Fehler unsererseits. Ein `ihr müsst, ihr müsst` bringt keinen weiter. Das Alles muss die Zeit und Möglichkeit haben, zu wachsen“, formulierte Knut Korschewsky seine Gedanken. Dem pflichtete der Rathauschef sofort bei. „So sehe ich das auch. Wichtig sind dann vor allem kurze Wege für die Bürger, etwa durch Servicebüros z.B. in Schalkau, Effelder und Mengersgereuth-Hämmern. Und du wirst sehen, Knut, in der nächsten Legislatur wächst das zusammen. So gut wie es bereits im Kleinen funktioniert, etwa den Vereinen“, war sich Jürgen Köpper sicher.

Mit Althaus „on Tour“

In Sachen „Straßenausbaubeiträge“ sah man sich ebenfalls auf einer Linie. Der Bürgermeister: „Ich bin dagegen, welche zu erheben. Aber wenn es sein muss, dann bin ich für die einmalige Zahlung. Ich war zu diesem Thema mit dem damaligen MP Dieter Althaus am Tingeln für eine bessere Variante: eine Infrastrukturabgabe. Diese würde bedeuten, dass sich jeder Einwohner ein Mal im Jahr mit einem festen Betrag beteiligt. Denn auch Mieter nutzen ja z.B. die Straßen und Gehwege, für die bisher nur die Immobilienbesitzer per Straßenausbaubeitrag zur Kasse gebeten werden.“ Die rot-rot-grüne Landesregierung habe mit dem neuen Gesetz für Kommunen zumindest die Möglichkeit geschaffen, ab 2019 selbst zu entscheiden, ob sie von den Bürgern die unbeliebten Beiträge kassieren. „Da sind uns die Bayern einen Schritt voraus. Die haben kürzlich die komplette Abschaffung beschlossen“, fügte Knut Korschewsky hinzu.

Als problematisch bezeichnete Jürgen Köpper die anstehende Umsetzung des neuen Kita-Gesetzes. „Nicht, weil wir es nicht wollen, sondern weil schlicht und einfach Fachkräfte fehlen.“ Über eine ungenügende Auslastung der Einrichtungen könne man nicht klagen. Zwar seien die Kitas in Effelder, Rauenstein und Seltendorf voll. Aber in Mengersgereuth habe man vorausschauend etwas größer geplant. „Diesen Puffer brauchen wir auch. Aktuell liegen wir gerade beim Zuzug von jungen Familien im Trend, sogar aus dem bayerischen Raum“, freute sich der Bürgermeister.

Zum Abschluss richteten die Beteiligten ihren Blick auf das zweite Schloss der Gemeinde. Seit September 2016 ist das Neue Schloss in Rauenstein als Museum geöffnet. „Nach der aufwendigen Umgestaltung wird es sehr angenommen. Wir haben die Besucherzahlen fast vervierfacht und liegen bei etwa 4000 im Jahr. Jetzt wollen wir uns verstärkt um den Ausbau der Öffentlichkeitsarbeit kümmern“, so Jürgen Köpper.