3. April 2017 SUW

„Mein großes Ziel: Tokio 2020“

Steffen Klitschka zeigt Knut Korschewsky die 2 Gold-Medaillen, die er bei den Deutschen Meisterschaften im Februar in Erfurt gewonnen hatte.

Kürzlich empfing Steffen Klitschka, der nunmehr auch im Bereich Behindertensport startet,  den Landtagsabgeordneten Knut Korschewsky zum Erfahrungsaustausch.<xml></xml>

Neuenbau. In Steffen Klitschkas Wohnzimmer erzählen seit Langem Fotos und „Trophäen“ von einem ereignisreichen und überaus interessanten Sportlerleben. Nordkap, Jakobsweg und die Chinesische Mauer sind nur drei von zahlreichen Extrem-Zielen, die der 51-Jährige im wahrsten Sinn des Wortes schon erlaufen hat.

Zu Großprojekten wie diesen, die der sehbehinderte Sportler regelmäßig in Angriff nimmt, gesellen sich seit ein paar Wochen auch Teilnahmen an Wettkämpfen im Behindertensport. „Bisher war es ja meist so, dass ich mir sagte: Ich laufe bei den ‚Gesunden‘ mit und messe mich mit denen. Dabei ging es mir vor allem darum, zu zeigen, zu welchen Leistungen auch Behinderte fähig sind. Ich wollte all jenen Mut machen, die mit einer Behinderung leben müssen“, erklärte der zweifache Familienvater seine Ambitionen. Erst Mitte März hatte sich Steffen für einen Lauf im Rahmen des Saale-Cup angemeldet. Beim 46. Eisenberger Mühltallauf schaffte es Steffen über 15 Kilometer mit Platz 2 in seiner Altersklasse M50 aufs Podest, in der Gesamtwertung belegte er im Feld von mehr als 200 Startern den 23. Rang. Dennoch zeigte sich der Laufenthusiast unzufrieden: „Es gibt Tage, da bleibst du besser morgens gleich im Bett. Das war so einer“, lachte Klitschka, als er dem sportpolitischen Sprecher der Linksfraktion von diesem Ausflug berichtete. 

Knut Korschewsky erfuhr ebenso, dass sein Gegenüber seine Konzentration zukünftig verstärkt auf den Behindertensport legen wird. „Ich bin jetzt in einem Alter, in dem ich auch mal ein paar Titel gewinnen möchte“, scherzte Klitschka. Erste Erfolge diesbezüglich feierte der Neuenbauer Ende Februar bei den Deutschen Meisterschaften in der Halle in Erfurt. Seine Starts über 800 und 1500 Meter in seiner Altersklasse krönte der Langstreckenspezialist jeweils mit dem Titel. „Einerseits war es für mich nicht leicht, weil ich ja eher selten über die kurzen Distanzen starte. Zudem hatte ich in Erfurt einen ganz neuen Guide an meiner Seite, mit dem ich bisher noch keinen Meter gelaufen war. Da blieb nicht viel Zeit, sich kennenzulernen. Aber es hat sehr gut geklappt. Immerhin arbeiten diese Guides sehr professionell“, zeigte er sich beeindruckt. Überhaupt herrsche bei offiziellen Wettkämpfen im Bereich Behindertensport ein hartes Reglement. „Ich war ja im Februar das erste Mal dabei und wirklich überrascht, wie hochwissenschaftlich das Ganze organisiert und durchgeführt wird“, schwärmte der Deutsche Meister und ergänzte: „Der komplette Behindertensport wird immer professioneller, etwa die Hilfsmittel wie Prothesen usw. Das ist wirklich sehr beeindruckend.“

Bereits fest im Terminkalender steht für Steffen am 7. Juni die Teilnahme am 9. RUN - Thüringer Unternehmenslauf als Teil eines Teams von Behindertensportlern, bei dem es über fünf Kilometer durch die Erfurter Altstadt geht. Für September peilt der 51-Jährige den Berlin-Marathon an. „Das wäre für mich eine Möglichkeit, mich international zu qualifizieren. Im erweiterten Deutschland-Kader bin ich ja schon.“ Das bedeute, so Klitschka, zukünftig noch professioneller trainieren zu müssen. Und auch sonst wären einige Umstellungen nötig gewesen, ernährungstechnisch zum Beispiel. „Wenn ich ernsthaft dabeibleiben will, um mich für internationale Wettkämpfe zu qualifizieren, muss ich mein Leben danach ausrichten“, erklärte Klitschka, der in den letzten Monaten einiges an Gewicht abgebaut hat. „Ich möchte das jetzt durchziehen. Kurze Strecken sind zwar nicht so meins, aber ab 10 000 m fühle ich mich wohl. Und mein ganz großes Ziel sind die Paraolympics 2020 in Tokio. Dort den Marathon laufen zu dürfen, wäre schon eine coole Sache.“ Auf diesem Weg wird der Neuenbauer als „Gastläufer“ seit einiger Zeit vom LAC Eichsfeld unterstützt. „Die leisten dort eine hervorragende Arbeit, haben sogar eine eigene Blindenlaufschule. Grade im Vorfeld von Wettkämpfen, das geht von der Zimmerbuchung bis zur Organisation der Fahrt usw., erfahre ich vom LAC tolle Unterstützung. Das wäre ja für meinen Heimatverein in Neuenbau organisatorisch gar nicht zu stemmen“, schickte Klitschka ein großes Lob in Richtung Eichsfeld. Dieses wollte er ebenso weitergeben an den Sonneberger Leichtathletikverein um Kati Nimz, um sich für dessen regelmäßige und unkomplizierte Hilfe zu bedanken.

„Dann bin ich mal gespannt, was wir in nächster Zeit von dir hören und lesen. Und wenn ich irgendwie behilflich sein kann, lass es mich wissen“, zeigte sich Knut Korschewsky beeindruckt von den Leistungen Steffen Klitschkas und wünschte für die anstehenden Vorhaben viel Erfolg. Dann machte sich der 51-Jährige auf zum täglichen Training. „Montags mach ich etwas ruhiger, da sind es nur um die 10 bis 12 Kilometer, am Wochenende dafür insgesamt 50 km, 30 am Samstag und 20 am Sonntag bzw. umgekehrt oder halt 25 km an beiden Tagen. Das Gute ist, diese Strecken vor meiner Tür kenne ich ja seit Jahrzenten und laufe sie sozusagen blind“, verabschiedete sich der Hausherr von seinem Gast.

Text und Foto: SUW