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Thüringer Wanderwegekonzeption – Ausblick auf den 117. Deutschen Wandertag in Eisenach

Zum Antrag der Fraktionen DIE LINKE, der SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Drucksache 6/4065

Zum Antrag der Fraktionen DIE LINKE, der SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Drucksache 6/4065


Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren, lassen Sie mich auch zu Beginn Dank sagen an das Ministerium für die Erstellung dieser Wanderwegekonzeption. Ich möchte an dieser Stelle sagen: Was mich an dieser Konzeption derzeit wirklich besonders freut – und das ist ja nicht immer so an Konzeptionen – ist, dass hier nicht nur die positiven Dinge aufgezeigt werden, sondern dass man auch tatsächlich – Kollege Bühl hat es angedeutet – eine schonungslose Analyse rausnehmen kann


(Beifall DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


und aus der Analyse heraus auch tatsächlich neue Entwicklungen sehen kann, wohin es eigentlich gehen muss. Dafür noch mal auch einen herzlichen Dank an das Ministerium und vor allen Dingen auch einen herzlichen Dank an diejenigen, die sich damit beschäftigt haben. Es ist tatsächlich auch ein Gemeinschaftswerk sowohl von hauptamtlich tätigen Touristikerinnen und Touristikern, dem ThüringenForst, dem ich wirklich ausdrücklich danken möchte, auch jetzt schon, für die Erhaltung der Wanderwege. Wenn ThüringenForst nicht wäre, wäre es überhaupt nicht möglich, diese Wanderwege, die derzeitig in Thüringen vorhanden sind, egal ob es Premiumwege sind oder nicht, zu erhalten.


(Beifall im Hause)


Deshalb ein herzliches Dankeschön wirklich auch an dieser Stelle an den ThüringenForst. Aber auch einen Dank an die Ehrenamtlichen aus den ehrenamtlichen Wandervereinen und auch aus den Wanderverbänden, die sich tatsächlich dort eingebracht haben. Das ist, glaube ich, auch eine neue Qualität, die wir hier erreicht haben, dass es eben nicht vom grünen Tisch aus angefertigt worden ist, sondern dass dieses Konzept tatsächlich unter Einbeziehung derjenigen, die sich tatsächlich damit beschäftigen, entstanden ist. Ich kann es nun auch als Präsident des Thüringer Gebirgs- und Wandervereins ganz konkret sagen, mein Hauptwegewart war auch sehr intensiv damit beschäftigt und hat uns als Verein nicht nur einmal, sondern mehrfach damit beschäftigt, damit wir uns insgesamt mit der Entwicklung dieses Konzepts beschäftigen.


Ja, ich habe den Dank gesagt. Kollege Maier hat es angesprochen, er hat im letzten Jahr diese Wanderung des Rennsteigs gemacht. Ich glaube, das ist bei vielen Anbietern dort in der Region sehr gut angekommen,


(Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


dass mal jemand nicht nur vom Tisch aus überlegt, sondern tatsächlich vor Ort kommt und sich das anschaut, wie diese Dinge vor Ort laufen. Ich glaube, Herr Staatssekretär Maier konnte sich sicherlich ein Bild davon machen – und das ist sicherlich hier mit eingeflossen, vor allen Dingen auch in das Zukunftsprojekt „Thüringer Wald“ –, dass wir sehr wohl gute Ergebnisse haben und gute Dinge, aber wir haben auch erheblichen Nachholbedarf – und da brauchen wir gar nicht drum herumreden: Diesen Nachholbedarf müssen wir versuchen, Schritt für Schritt abzubauen. So schwer wie das auch ist.


(Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Ich würde mich freuen, Herr Staatssekretär, wenn Sie auch in den nächsten Jahren wieder wandern. Sie haben es gesagt, Sie wollen alle diese Wanderwege abwandern. Ich hatte mich eigentlich schon darauf gefreut, dass es in diesem Jahr wieder so eine Tour geben würde, weil, ich wäre wieder – zumindest ein Stück – dabei gewesen, Kollege Bühl sicherlich auch, weil es uns ein Anliegen ist, gemeinsam hier auch ein Stück weiterzukommen. Ich hoffe, dass es im nächsten Jahr wieder so eine Tour gibt.


(Beifall DIE LINKE)


Ich sage jetzt schon, ich bin dabei. Ich hoffe, dass wir da auch noch wieder einen Schritt weiter kommen.


Was mich auch besonders freut, ist, dass es tatsächlich geklappt hat, diese Wanderwegekonzeption vor dem 117. Deutschen Wandertag fertigzustellen, der vom 27. bis 31.07. in Eisenach stattfindet. Dort werden mehr als 30.000 Besucherinnen und Besucher erwartet – und das nicht nur an einem Tag, sondern täglich. Das ist – glaube ich – etwas, was ganz wichtig ist, hier noch einmal zu sagen: Wir als Land Thüringen sind das erste und einzige Land, was tatsächlich so eine umfassende Wanderwegekonzeption hat. Wir setzen damit auch Maßstäbe in der deutschen Wanderbewegung, liebe Kolleginnen und Kollegen.


(Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Ich glaube, das muss man auch einmal hier herausstellen. Allein wenn vorhin Kollege Bühl angesprochen hat: Konzeptionsministerium. Ja, es sind in der letzten Zeit sehr viele Konzeptionen entstanden. Da gebe ich Ihnen recht, Kollege Bühl. Aber ich will es mal umdrehen: Wie oft ist in der letzten Legislaturperiode der Tourismus überhaupt hier in diesem Plenum erwähnt worden, wie oft hat er stattgefunden? Das war mehr als marginal. Allein wie oft der Tourismus in dieser Legislaturperiode hier schon eine Rolle gespielt hat, macht deutlich, dass der Wirtschaftsfaktor Tourismus auch vom Thüringer Wirtschaftsministerium und von der Landesregierung erkannt wurde, dass Tourismus ein Wirtschaftsfaktor ist und dass wir hier auch noch Entwicklungspotenziale haben, die wir ausweiten können. Deshalb bin ich froh, dass wir die entsprechenden Konzeptionen nun mittlerweile haben und an die Umsetzung der Konzeptionen gehen können. Ich will deutlich sagen: Es ist ja nicht so, dass nichts umgesetzt wurde. Ich will nur mal einige Dinge nennen, die sicherlich nicht ganz unwesentlich sind. Zum Beispiel wird das Badehaus in Masserberg eine Zukunft haben. Das ist unter anderem eine Umsetzung auch aus einer Konzeption heraus. Zum Beispiel die Skiarena in Steinach ist eine ganz wichtige Geschichte, die weitergeführt werden muss. Oder aber – und das sage ich auch ganz deutlich – die Sicherung des RennsteigShuttles. Dass das RennsteigShuttle ab 1. Januar 2018 für zwölf Jahre in den Regelbetrieb übergeht,


(Beifall CDU, DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


ist eine Geschichte, die daraus mit entstanden ist. Es ist also nicht nur so, dass nur was auf dem Papier steht, sondern dass die Umsetzung tatsächlich auch schon im Gange ist – Schritt für Schritt. Vielleicht müssen wir damit manchmal auch ein bisschen offensiver in der Öffentlichkeit umgehen und nicht immer nur die Negativbeispiele suchen, sondern hier auch mit positiven Dingen tatsächlich in der Öffentlichkeit werben.


Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich will auch noch mal ein paar Zahlen nennen. Thüringen ist schon heute ein Wanderland und hat einen Marktanteil im Bundesvergleich – im deutschlandweiten Vergleich – von 9 Prozent, wobei man im eigentlichen Tourismusgewerbe – im Tourismus generell – nur einen Marktanteil von 2,4 Prozent hat. Das bedeutet also, dass viele Menschen nach Thüringen kommen – Touristinnen und Touristen –, die tatsächlich dieses Segment „Wandern“ nutzen wollen. Da haben wir auch noch weitere Entwicklungspotenziale, das auch noch weiter ausbauen zu können. Und ich sage mal, das ist auch noch eine Zahl: Das hat auch nicht unwesentlich mit der Bekanntheit des Thüringer Waldes zu tun. Wir sind mit dem Thüringer Wald auf Platz 7 im bundesweiten Vergleich. 32 Prozent aller Thüringer Urlauberinnen und Urlauber sind potenzielle Wanderer. Wir haben durchaus Chancen, dieses Potenzial weiter zu heben. Ich sagte es so. Wir haben die Möglichkeit, mit einer Verbesserung von Qualität, mit einer besseren Vermarktung – auch da gebe ich Kollegen Bühl recht –, aber diese Veränderung steht im Übrigen auch in der Konzeption drin. Das will ich auch ganz deutlich sagen, dass wir hier einige Veränderungen vornehmen müssen. Dass wir sowohl im Inlandstourismus noch Leute zu uns holen können, aber – und man sollte es nicht unterschätzen – auch die ausländischen Touristinnen und Touristen sind ein wichtiger Marktanteil, dem wir uns noch zusätzlich stellen müssen. Ich sage hier nur: Den größten Marktanteil in Thüringen – wir glauben es immer gar nicht – haben die Niederländer. Aber wir haben hier auch noch Entwicklungspotenziale. Da können wir, glaube ich, noch einen Schritt weiter machen, ich sage hier an dieser Stelle nur, zum Beispiel auch die weitere Entwicklung von Möglichkeiten für Stellflächen für Campinganhänger, Zeltplätze, etc. Gerade auch rund um das Thüringer Meer haben wir, glaube ich, noch große Entwicklungspotenziale. Und wenn ich gerade gestern eine Anfrage bekommen habe, dass es einen Streit zwischen einer Stadt und dem Kreis gibt im Saale-Orla-Kreis, dass dort ein Zeltplatz, der von der Stadt genehmigt wurde, durch den Kreis nicht genehmigt wird, weil die sich nicht einig werden, weil ein Anbieter, der noch nicht mal Fördermittel haben möchte, dort 25 Zeltstandplätze aufbauen will – auf einer Wiese, wo alles vorhanden ist von Elektroanschlüssen etc. –, dann sehen wir, dass die bürokratischen Hürden hier, glaube ich, noch viel zu hoch sind und wir hier noch etwas verändern müssen, damit die Anbieterinnen und Anbieter, die, die wirklich im Tourismusgewerbe tätig sind, auch die Möglichkeit haben. An dieser Stelle, sage ich, haben wir Nachholbedarf.


(Beifall DIE LINKE)


Wir haben im Tourismus generell eine neue Anforderung in der Qualität. Und wir haben vor allem Dingen auch in der Qualität von Wegen neue Anforderungen und wir müssen hier etwas tun, dass diese Qualitätswege auch weiter erhalten werden – Kollege Bühl hat es angesprochen. Ich will es wirklich ganz deutlich sagen: Die schönste Wanderwegekonzeption, die wir haben, nutzt uns nichts, wenn die finanziellen Mittel für eine nachhaltige Bewirtschaftung dieser Wanderwege nicht zur Verfügung gestellt werden. Und wir müssen uns ganz genau angucken, liebe Kolleginnen und Kollegen, auch in dem nächsten Doppelhaushalt, dass dafür die finanziellen Mittel eingestellt werden und dem ThüringenForst wieder zur Verfügung gestellt werden, zumindest in Teilen, damit die Möglichkeit der Bewirtschaftung dieser Mittel über den ThüringenForst auch gewährleistet werden kann.


(Beifall CDU, DIE LINKE, SPD)


Nur dann, wenn auch die Fachleute die Anleitung des Ehrenamts machen, bin ich mir sicher, dass wir diese Qualitätssicherung auch tatsächlich hinkriegen.

Ich will zweitens noch etwas dazu sagen, dass wir, wenn ich von Qualität spreche, nicht nur die Qualität der Wege, die Qualität der Serviceangebote außerhalb der Wege, also sprich, der gastronomischen Einrichtungen, aber natürlich auch des ÖPNV betrachten. Ich will es deutlich sagen, wir müssen die Frage des Wanderns nicht nur einfach damit verbinden, dass man von A nach B kommt, sondern wir müssen auch dafür sorgen, dass wir Wandern mit Events verbinden. Wir müssen Anreize schaffen, dass Menschen zu uns nach Thüringen kommen und an mehreren Tagen Strecken erwandern können, aber auch gleichzeitig die Möglichkeit haben, noch an einem Event teilzunehmen. Auch da haben wir, glaube ich, noch einen riesengroßen Nachholbedarf. Es gibt dort erste Ansätze, aber auch hier sollten wir noch ein Stückchen weitermachen.


Wir haben vieles schon getan für die Frage des Wanderns. Ich bin sehr froh – auch das ist schon ein Ergebnis der konzeptionellen Arbeit –, dass wir seit dem 01.04. bei der TTG einen hauptamtlichen Landeswegekoordinator eingestellt haben. Der braucht aber natürlich die Unterstützung aus den Kreisen, der kann allein nicht diese 27.000 Kilometer Wege ablaufen oder sonst irgendetwas – aber wir haben endlich die Möglichkeit, hier auch jemanden zu haben, der das Qualitätsmanagement weiter voran treiben kann, der die Unterstützung geben kann und muss für die ehrenamtlich Tätigen und für diejenigen, die in den Kreisen hoffentlich auch als hauptamtliche Wegewarte tätig sind.


Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist gesagt worden, wir haben Probleme mit der Nachwuchsgewinnung. Nachwuchs im Wandern gewinnen wir dadurch, dass wir interessante Angebote unterbreiten und diese interessanten Angebote so aufbereiten, dass sie nicht mehr nur für eine bestimmte Klientel oder für eine bestimmte Altersgruppe sind, sondern dass diese Angebote auch junge Menschen erreichen und ich bin – das sage ich ganz deutlich als Wanderfreund – Kollege Bühl, der die Jugendarbeit als Jugendkoordinator übernommen hat, dankbar, denn wir haben im Wanderverband lange gebraucht, jemanden zu finden, der sich dieser Arbeit annimmt.


(Beifall SPD)


Er hat es selbst gesagt, es ist nicht einfach, junge Leute an dieser Stelle tatsächlich institutionell mit einzubinden. Da haben wir, glaube ich, alle noch ein Stück weit mitzuarbeiten, damit wir junge Menschen heranbekommen an die Frage des Wanderns, um sie da auch ein Stück weit mit einzubeziehen.


Alles in allem, meine sehr geehrten Damen und Herren, glaube ich, dass wir mit dieser Wanderwegekonzeption eine gute Grundlage haben, Wandern in Thüringen noch attraktiver zu gestalten, Wandern als ein Event für die Thüringentourismus weiter auszubauen, dass wir damit den Thüringer Wandervereinen eine hervorragende Grundlage geben, sich in die Wegearbeit einzubringen, in die Wegepflege, dass wir den Wegewarten dort eine Richtung gegeben haben, worauf die Thüringer Wandervereine lange, lange gewartet haben. Jetzt geht es darum, hier die entsprechenden Schlussfolgerungen noch weiter einzubeziehen und die entsprechenden Dinge auf den Weg zu bringen.


Lassen Sie mich aber auch über den Alternativantrag der AfD reden. Kollege Bühl hat es nicht gemacht, ich glaube er weiß warum, weil es sich eigentlich gar nicht lohnt. Ich will es trotzdem machen. Ich will hier ganz deutlich sagen, dieser AfD-Alternativantrag, der ist an Peinlichkeit nicht zu überbieten. Er ist wirklich an Peinlichkeit nicht zu überbieten. Er strotzt vor Unkenntnis. Das ist aber auch nicht verwunderlich, denn ich habe kein AfD-Mitglied bei einer dieser Veranstaltungen gesehen, das sich weder eingebracht hat noch überhaupt da mit einbezogen war. Hier wird einfach nur etwas hingeworfen, hingekliert, was absolut von wenig Ahnung der Materie, eigentlich von gar keiner Ahnung der Materie zeugt.


(Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich sage hier an dieser Stelle und damit werde ich mit einem Zitat von Ingo Appelt schließen, wenn ich darf, Frau Präsidentin: „Wenn man von nichts eine Ahnung hat, einfach Fresse halten.“ Frisch auf!


(Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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