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Eröffnung durch Bodo Ramelow, Vorsitzender der Fraktion
DIE LINKE im Thüringer Landtag

Meine sehr verehrten Damen und Herren, als Fraktionsvorsitzender der Landtagsfraktion DIE LINKE. darf ich Sie recht herzlich in diesem wunderschönen Ambiente begrüßen. Der Bürgermeister hat uns gestattet, unsere tourismuspolitische Konferenz in diesen wunderschönen Räumen durchführen zu können. Bürgermeister Persike, wir sagen erst mal ein herzliches Dankeschön, hier zu Gast sein zu dürfen und dann schon mit dem Gruß der Stadt, nämlich dem Lavendeltrunk begrüßt zu werden, das hat schon was. Das zeigt, dass dort an einem Image gearbeitet wird, das positiv über die Stadtgrenzen wirken soll und ich glaube, das ist eine Herangehensweise, die wir brauchen.

Welche Maßnahmen sollten, wollten, müssten wir ergreifen, um mehr Tourismus nach Thüringen zu holen und um die Wertschöpfungsketten, die am Tourismus hängen, auch besser aufeinander abzustimmen? Da muss man zuallererst eine Einladung in Richtung Gäste aussprechen, die einladend wirkt. Es gibt nichts Schlimmeres als einen muffligen Kellner oder eine muffelige Begrüßung oder, wie soll ich das sagen, ohne in Betroffenheit zu verfallen, wenn man wandert hier in den wunderschönen Wäldern und dann an einem Wandergasthaus ankommt und feststellt, es ist geschlossen und das mitten in der Ferienzeit. Das sind alles Dinge, die nicht unbedingt hilfreich sind, um es freundlich anzudeuten. Wir wollen, dass mehr Gäste nach Thüringen kommen und wir möchten, dass mehr Gäste dieses wunderschöne Land, diese wunderschöne Gegend, diese wunderschöne Mischung aus Kultur und Natur, aus Innovation und Bewegung nutzen. Wir stehen vor den größten Herausforderungen der nächsten 20, 30 Jahre. Wir müssen Entscheidungen treffen. Wir müssen Entscheidungen vorbereiten.

Vor hunderten von Jahren war entscheidend bei einer Entwicklung einer Stadt, ob dort eine Furt war, also ob dort Menschen durch den Fluss gelangen konnten und ob an dieser Stelle, so die spätere Entwicklung, an einem solchen Ort Märkte abgehalten werden konnten, also Waren ausgetauscht wurden, Informationen und Neuigkeiten. Das war wie Fernseher und Internet auf einmal. Die Via Regia ist eine der zentralen Handelswege, die Thüringen entwickelt hat und entlang der Via Regia haben sich ganz viele Städte wunderbar entwickelt. Heute sind das unsere Kleinode, unsere wunderschönen mittelalterlich geprägten Städte, die wir im Angebot haben. Das, was früher die Via Regia war, wird demnächst das ICE-Drehkreuz in Erfurt sein. Es wird der höchste Umsteigepunkt Deutschlands werden, in einer Dimension, die wir uns noch nicht vorstellen können. Wir diskutieren zurzeit berechtigt, was passiert, wenn Saalfeld keinen ICE-Halt mehr hat und was passiert, wenn Jena und Weimar sich abgehängt fühlen. Es ist notwendig, darüber jetzt zu reden. Richtig ist, wir werden aus europäischer Sicht der Hauptumschlagplatz für Menschen sein: unter drei Stunden von München nach Erfurt, unter zwei Stunden von Berlin. Was bedeutet das? Das bedeutet, dass in Zukunft Großorganisationen, die Konferenzen oder Events planen, Erfurt mit einem ganz anderen Blick sehen. Von Erfurt ausgehend brauchen wir eine neue Konzeption, u.a. auch der bahn- und nahverkehrstechnischen Anbindung ganz Thüringens. Lange hat man so das Gefühl in Thüringen gehabt, was geht uns der Leipziger Citytunnel an. Aber jetzt ist er fertig und das SB-System wird bis Altenburg in einer kurzen Anbindungsphase da sein.

Über all diese Dinge wollen wir im Komplex reden. Deshalb freue ich mich, dass Sie alle da sind. Das Oberthema ist Tourismus, aber wir verbinden es mit Verkehr. Die Entwicklung von Tourismus und Verkehr muss als Gesamtkomplex gesehen werden und dafür müssen Angebote geschaffen werden. Eine letzte Bemerkung: In Erfurt wird gerade groß gestritten, ob die Multifunktionsarena die richtige Antwort auf die notwendige Stadionsanierung ist. Die Frage finde ich verblüffend, weil einerseits muss das Stadion sowieso saniert werden. Dafür müssen Millionen ausgegeben werden. Andererseits brauchen wir alsbald in der Nähe des Hauptbahnhofes ausreichend Kapazitäten, um Menschen aufzunehmen, denen wir ein Angebot machen. Als der ICE-Halt in Kassel geschaffen wurde, hatte man die modernste Verkehrsanbindung Deutschlands dort. Aber fußläufig hatte man in der Nähe keine Infrastruktur, die man hätte nutzen können. Wir wissen, dass das jetzt nach Erfurt und damit nach Thüringen kommt. Deswegen sage ich: das, was wir als Magnetwirkung nach Erfurt bekommen, müssen wir ausstrahlen lassen in das ganze Land. Die Kombination ist das Entscheidende. Wie bekommen wir die schnellen Anbindungen in alle Regionen hinein? - und zwar so, dass wir sie nutzen können für die jeweiligen Nachfrager. Wir werden ja über ein Spezialthema, das hier in der Region eine große Rolle spielt, nachher eine eigene Diskussionsrunde haben. Was wir mit dem Thüringer Meer als ein weiteres Angebot neben vielen anderen eben auch noch entwickeln könnten, da sind viele ungenutzte Ressourcen, über die es sich lohnt, zu reden.

In diesem Sinne seien Sie herzlich willkommen. Ich hoffe auf viele Einsichten, viele Hinweise und Informationen auch in unsere Richtung und in diesem Sinne verstehe ich eine solche Konferenz auch als Politikberatung im besten Sinn. Herzlichen Dank, dass so viele Fachleute da sind, die uns mitnehmen und Einsichten vermitteln. Der Veranstaltung wünsche ich einen guten Verlauf.