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Fazit - Dr. Gudrun Lukin, Verkehrspolitische Sprecherin
DIE LINKE. im Thüringer Landtag

Sehr geehrte Damen und Herren, gestatten Sie mir einige wenige kurze Bemerkung unter der Überschrift "Thüringen mit Bahn und Bus entdecken". Alle, die heute gesprochen haben, haben sich vehement für den ÖPNV ausgesprochen. Alle sind der Meinung, dass wir Touristen damit ins Land holen können. Jetzt ist aber die Frage, warum kommen so wenig Touristen mit Bus und Bahn nach Thüringen herein? Wenn wir selbst mal einen Test machen, dann ist es zum Teil Unkenntnis über hervorragende Bahnverbindungen, es ist zum Teil aber auch die fehlende Infrastruktur. Ich bin heute von Jena mit der Bahn hierher nach Bad Blankenburg gefahren und ich war schneller als google maps die Fahrzeit für ein Auto angegeben hat. Ist das Allgemeingut oder muss man sich selbst darum kümmern oder wird das auch entsprechend vermarktet? Hier würde ich mir einfach wünschen, dass die Potenziale, die der Nahverkehr bietet - also Umweltfreundlichkeit, Bequemlichkeit, Sicherheit u.a. - eine größere Rolle spielen in der Bewerbung. Der ÖPNV selbst bewirbt seine Unternehmen in vielen Fällen ganz hervorragend. Bus und Bahn sind auch Werbung an sich - bspw. die Harzer Schmalspurbahn. Spielt das in der Werbung schon die Rolle? Oder bspw. der Sonderzug zum Thüringen Tag - die Strecke war gesäumt von Fotografen. Das sind dann natürlich auch Werbeträger, die nicht nur die örtlichen Touristiker selbst bewerben sollten, sondern die auch noch eine größere Rollen spielen sollten - also nicht nur der ÖPNV als Dienstleister, sondern selbst als Werbeträger. Hier würde ich mir wünschen neben den hervorragenden Broschüren, dass das noch mehr aufgenommen wird von den anderen Verbänden.

Klar, auch der örtliche Nahverkehr und auch Bahn und Bus haben noch Potenziale. Nehmen wir nur einige wenige Beispiele. Wenn ich mit Bus oder Bahn fahre, finde ich da Hinweise auf örtliche Gaststätten, Wanderwege oder touristische Ziele? - meistens nicht. Wenn ich mir jetzt die Bahnsteige oder Wartehäuschen ansehe, da gibt es ebenfalls wenig Hinweise. Wenn ich mir Tagungsmaterialen ansehe, finde ich da Hinweise, wie ich da mit dem ÖPNV gut hinkommen? - kaum. Wenn ich mir Broschüren ansehe, etwa vom Thüringer Kleinod nationale Kulturlandschaft des Ministeriums für Landwirtschaft, Forst, Umwelt und Naturschutz. Dort wird ausgeblendet, wie man da umweltbewusst in diese Gegend kommt. Da ist die Frage, ob die Infrastruktur fehlt oder ist es nicht im Fokus des Betrachters? Ich denke, hier sollten sich noch größere Verzahnungen ergeben. Auf der Wartburg war ein großer Empfang zu 20 Jahren Thüringer Verfassung. Der letzte Bus fuhr 16:30 Uhr dort hoch, aber es war auch nicht im Fokus des Thüringer Landtags, dass man Zubringer organisieren könnte über den Nahverkehr. Stattdessen war ausgeschildert, wie man mit dem PKW bis hoch kommt. Die Gesamtstrecke von der Bahn zur Sehenswürdigkeit, die ist eben noch nicht so sehr im Fokus des Betrachters.

Das Thema Infrastruktur ist von Ihnen in vielfältiger Form erwähnt worden. Bahnhöfe sollte eigentlich die Visitenkarte zur Stadt sein oder zur Gemeinde. Als ich gestern in Altenburg war, bin ich als Jenenserin neidisch geworden. Aber ob es Friedrichroda ist oder Kurorte sind, die Gäste empfangen wollen - wie sieht es dort aus? Bietet sich schon ein Einfallstor in meine Gemeinde? Hier sind die Synergien zwischen Bahn und Kommunen und auch dem Land noch zu verbessern. Schmölln bemüht sich seit längerer Zeit, den Bahnhof aus dem Verkaufspaket der Bahn wieder herauszulösen und in kommunale Eigenverantwortung zu nehmen. Es führt so gut wie kein Weg da rein.

Dann sind einige Fragen angesprochen worden, die den Tourismus betreffen, der nach Thüringen kommt. Über die Flughäfen kommen wenige, so hat uns das auch Markus Kopp vom Leipziger Flughafen bestätigt. Wodurch ist Thüringen im Ausland bekannt? Seiner Meinung nach ist das Weimar. Wenn ich mir jetzt die Verbindung angucke zukünftig von Weimar nach Leipzig - dann wird die nicht besser. Ich denke, hier muss man versuchen, dass man noch viele Mobilitätsketten mit aufweisen kann und bewirbt. Der Kollege von Landwirtschaft und Forsten hat seine Sicht auf die Waldbewirtschaftung und das Wandern im Wald dargelegt. Wir haben in Thüringen 3 Ministerien, Wirtschaft, Umwelt und Verkehr, die sich mit Thema beschäftigen. Gibt es in Thüringen ein Gesamtkonzept, dass den ÖPNV als Dienstleister dort mit einschließt? Die Verkehrsmittel sind endlich, das, was wir vom Bund bekommen, ich will das Ministerium, das es betrifft, nicht in Schutz nehmen, die werden zwar weiter gereicht, aber es ist noch sehr viel zu tun, um ein Tourismuskonzept, das ganzheitlich ist, zu unterstützen.

Es ist schon angesprochen worden: Haben wir einen Verkehrsverbund für Thüringen, der es ermöglicht, ein Ticket für Urlauber herauszugeben und zu nutzen? Wir haben mindestens 2 Verbände, in Südthüringen gab es den Versuch, einen 3. zu gründen, aber eigentlich sollte man versuchen, Kooperationsbeziehungen zu stützen. Ich denke, dann kann man solche Sachen wie im Allgäu oder die Möglichkeiten, die jetzt die Zusammenarbeit mit den Hotelverbänden, den Gaststättengewerbe bietet, mit einfließen lassen in so ein Ticket, was auch ermöglicht, dass man sich frei bewegen kann und man nicht darauf schauen muss, welchen Fahrschein ich erwerbe oder was ich an Umsteigebeziehungen zwischen Landkreisen leisten muss. Hier haben wir versucht, eine Vision, was zumindest die Schiene anbetrifft, in Gang zu setzen und zu gucken in Gesprächen mit den Initiativen, die schon lange auf dieser Strecke unterwegs sind, ob man Bahnverbindungen nicht nur erhalten, sondern möglicherweise wieder aufleben lassen kann.

Wo kann man Tourismus noch verstärkt nutzen? Der Ilmkreis hat einen derartigen Vorschlag gemacht, inzwischen ist es fast am Ende des Prüfens, dass auch die Erfurter Bahn dort hoch fahren kann. Jetzt ist die Frage, was wird auf dem Rennsteig angeboten? Welche Angebote verzahnen sich dort, damit Touristen nicht nur die Bahn als solche betrachten und mit der Dampflock fahren, sondern auch an den Wochenenden ein touristisches Ziel dort besuchen. Hier würde ich mir ganz persönlich als Vertreterin, die sich hauptsächlich für Verkehr und Verkehrsbeziehungen, Infrastruktur interessiert, wünschen, dass die örtliche Wirtschaft sich noch stärker verzahnt, denn die Mittel sind überall endlich. Auch im Bereich Umwelt, Wirtschaft und Verkehr - wenn man dort zusammenlegt, wenn man überlegt, wie kann man viele Bürgerinnen und Bürger für das System öffentlicher Nahverkehr interessieren? Ob es über Jobtickets, Semestertickets oder Tickets für Auszubildende geht, wo eine Finanzierungsgrundlage schon gegeben ist, wie kommt man dann hin zu einem ÖPNV-Ticket für Touristen, das nutzbar ist, für alle Wege erschließt und womit wir auch über Thüringen hinaus werben können. Der Tourist, der nach Thüringen kommt, man kann mich verbessern, aber das ist der, der wirklich das Ziel hat, die Weltkulturstätten mit zu besuchen, angefangen von Weimar bis zur Wartburg, der auch Natur kennenlernen möchte und sich bewegt. An der Stelle ist der ÖPNV sowohl ein touristisches Ziel für Thüringen mit den Dampflockfahrten, aber auch ein Fortbewegungsmittel, das wir noch stärker nutzbar machen sollten. Insofern bitte ich alle um Unterstützung, dass die Verzahnung noch besser gelingt, dass wir auch sehen können, dass nach 2015 nicht weitere Haltepunkte stillgelegt werden, sondern das Thüringen, die Einheimischen und die Touristen, sich auf der Schiene bewegen können.