Spielzeug, Kirche, Kulturkollektiv

Katinka Mitteldorf, kultur- und religionspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Thüringer Landtag, folgte einer Einladung von Knut Korschewsky in seinen Wahlkreis und verlebte einen informativen Tag im Süden Thüringens.

Sonneberg/Mupperg/Lauscha. Den ersten Termin für den Gast hatte Knut Korschewsky im Deutschen Spielzeugmuseum in Sonneberg vereinbart. Dort empfing Museumsleiterin Reinhild Schneider die Landtagsabgeordneten zu einer interessanten Reise durch die Spielzeuggeschichte. Und auch Landrätin Christine Zitzmann hatte sich extra zur Präsentation des „Schmuckkästchens“ eingefunden. Nach einer ausführlichen Einführung zur Historie und aktuellen Rolle des Museums ging es natürlich zur Schaugruppe „Thüringer Kirmes“, dem Aushängeschild des neu gestalteten Hauses in der Beethovenstraße. Alles Wissenswerte erfuhr der Gast aus Nordthüringen im Anschluss bei einem Rundgang und einem intensiven Austausch mit der Museumsleitung und dem Landkreisoberhaupt. Und wie zu erwarten, wurden natürlich auch die Probleme auf den Tisch gelegt, denen man aktuell und zukünftig begegnen will und muss. „Der erste Bauabschnitt von insgesamt fünf ist abgeschlossen. Nun muss es aber weitergehen, z.B. der Keller trockengelegt und das Dachgeschoss in Angriff genommen werden. Sonst können wir kaum neue Angebote ermöglichen. Für Sonderausstellungen haben wir auch noch keine geeigneten Räumlichkeiten, die fehlen uns ebenso wie Platz für Museumspädagogik“, verwies die Leiterin auf die notwendige Fortführung des geplanten Aus- und Umbaus. Christine Zitzmann zeigte auf, dass die Einrichtung aktuell als freiwillige Leistung vom Landkreis mitgestemmt wird. „Es sollte doch eigentlich im Interesse des Landes sein, ein einmaliges Haus wie das Deutsche Spielzeugmuseum zu fördern und zu erhalten“, wünschte sich die Landrätin mehr Engagement durch den Freistaat. Knut Korschewsky spannte diesen Bogen noch etwas weiter. „Wenn man von einer Einrichtung spricht, die den Titel Deutsches Spielzeugmuseum trägt, muss man auch mit dem Bund verhandeln ob seines Beitrags zum Erhalt eines Museums, das Aushängeschild nicht nur einer Region und eines Bundeslandes, sondern von ganz Deutschland ist.“ Museumsmitarbeiter Peter Schneider wies in dieser Debatte auf ein weiteres Problem hin, das man allerdings vor Ort lösen müsse. „Wir erhalten Anfragen für Besuche, denen wir auf Grund der angefragten Größenordnungen keine geeigneten Lokalitäten oder Übernachtungsmöglichkeiten nennen können. Ab einer gewissen Anzahl ist das in der Umgebung vorgehaltene gastronomische Angebot nicht mehr ausreichend. Dieser Fakt gehört nach unserem Ermessen ebenfalls zu einem Grundpfeiler, will man erfolgreich in Sachen Tourismus arbeiten.“

Im Sonneberger Unterland begrüßte Pfarrerin Christina Weigel die Gäste am frühen Nachmittag im Pfarrhaus. Im Mittelpunkt der unterhaltsamen Runde, an der auch Gemeindekirchenrätin Cathrin Jähnert teilnahm, standen die Arbeit im Kirchenkreis vor Ort, die damit verbunden Aufgaben in der Gesellschaft und die vielfältigen Erfahrungen in der Flüchtlingsbetreuung. Bei der Vorstellung der bisherigen Lebenswege fanden sich schnell örtliche Gemeinsamkeiten bei Katinka Mitteldorf und der Pfarrerin. Und nicht nur deshalb waren sich die Beiden einig, in Zukunft das ein oder andere Projekt gemeinsam auf die Beine zu stellen.

Auf vor allem im kulturellen Bereich engagierte Bürger traf das Politiker-Duo im Anschluss in Lauscha. In der ehemaligen Goethe-Schule empfingen die Aktiven vom örtlichen Kulturkollektiv die Gäste, u.a. auch Stadträte der Fraktion Die Linke/Freie Wähler Lauscha, mit Kaffee und selbstgebackenem Kuchen. Toni Köhler-Terz als „Chef vom Dienst“ berichtete kurz und knapp über das vor gut zwei Jahren gestartete Engagement und Tun im Haus, das in erster Linie auf ehrenamtlicher Basis erfolgt.

Jugendtreff, Lesungen, Diskussions- und Liederabende, Open-Air—Kino, Konzerte sorgten in der Vergangenheit für Leben in der Bude. Und je mehr Katinka Mitteldorf über das bunte Treiben in dem alten Gebäude erfuhr, desto mehr stellte sie fest: „ Kultur im ländlichen Raum at ist best.“ In den sozialen Netzwerken konnte man bei ihr später soagr noch folgendes Fazit zum Kulturkollektiv Lauscha lesen: Ich bin im siebten Himmel. Toll, was hier auf die Beine gestellt wird. Die leben meinen Traum!

Aktuell nutzen an die 40 Künstler und Kulturaktivisten die Goetheschule für ihre Zwecke. Der große Zuspruch innerhalb der zwei Jahre kommt allerdings nicht nur von Einheimischen, die schon länger Räumlichkeiten für ihr berufliches wie gesellschaftliches Engagement suchten. 

Auf die Zukunft angesprochen, stellten die Kulturkollektiver ihre Vorhaben für die nächste Zeit vor. „Wir wollen u.a. Workshops anbieten als Bindeglied zwischen kultureller Bildung und benachteiligtn Kindern und Jugendlichen. Das wird in Zusammenarbeit mit dem Jugendmigrationsdienst, dem Landratsamt, dem Domizil in Neuhaus am Rennweg und dem dortigen Miteinander e.V. umgesetzt, gefördert vom Bundesbildungsminsiterium. Neben den Stadträten sparte auch Knut Korschewsky nicht mit Lob bezüglich derartigen Engagements. „In so einer kurzen Zeit eine solch bemerkenswerte Entwicklung zu nehmen, schreit ja geradezu nach weiterer Förderung. Denn der Bedarf nach euren  Angeboten wird von den vielen Besuchern bestätigt. Kultur gehört zu den grundlegenden Dingen, mit denen man Menschen im ländlichen Raum halten kann. Und sie ist wichtig, um Kultur konsumierende Touristen anzulocken. Deshalb plädiere ich seit langem dafür, Kultur zur Pflichtaufgabe zu erklären“, fasste der Landtagsabgeordnete zusammen und versprach, sich gemeinsam mit Katinka Mitteldorf im künftigen Kulturfördergesetz für eine gleichberechtigte Unterstützung kulturellen Engagements in kleinen Städten und Gemeinden einzusetzen. „Für mich endet Kultur nicht an der A4.“

Zum Ende eines langen und erlebnisreichen Wahlkreistages gab es im Wahlkreisbüro in Sonneberg eine Gesprächsrunde mit engagierten Bürgern. Viele der Anwesenden nutzten die Gelegenheit, sich mit ihren Anliegen kultureller Art persönlich an die beiden Landtagsabgeordneten zu wenden.


Text und Bilder: SUW