Sommertour-Halt in Sonneberg

Heike Werner, Thüringer Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familien (TMASGFF), informierte sich im SAZ und der Medinos-Klinik Sonneberg und kam am Abend mit den Bürgern ins Gespräch.

Sonneberg. Für den 19. August hatte sich die Ministerin zu einer Stippvisite im Thüringer Süden angekündigt. Als erster Termin stand in Begleitung von Knut Korschewesky am Nachmittag der Besuch des Sonneberger Ausbildungszentrums (SAZ) an. Das SAZ ist seit 1990 ein wichtiger Kooperationspartner bei der Umsetzung der beruflichen Erstausbildung, der Gestaltung von Weiterbildungsmaßnahmen sowie bei der Realisierung sozialpädagogisch orientierter Bildungsmaßnahmen und Teilnehmerbetreuung. Geschäftsleiter Ulrich Beck und Yvonne Fehn (u.a. tätig bei der Umsetzung des Projektes „Landesarbeitsmarktprogramm“ – LAP) standen den Gästen nicht nur Rede und Antwort, sondern nutzten die Gelegenheit, sich selbst umfassend zu informieren. Immerhin hatte die Ministerin fachspezifische Mitarbeiter aus Erfurt mitgebracht, zum einen Kurt Klinkhammer aus dem Referat Arbeitsmarkt- und Berufsbildungsförderung/ ESF des TMASGFF sowie Angela Lorenz, Leiterin des Referats Jugendpolitik im Bildungsministerium. Die Priorität der Gesprächsrunde im SAZ unterstrich Landrätin Christine Zitzmann mit ihrer Anwesenheit, die sich mit Andreas Karl (Geschäftsführer Jobcenter des Landkreises) und Wolfgang Gold, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Suhl, ebenfalls entsprechende Fachkompetenz an die Seite geholt hatte.

Einen Schwerpunkt der Gespräche legten die Beteiligten natürlich auf das Thema der Bekämpfung von Langzeitarbeitslosigkeit. „Uns geht es bei unseren Projekten vor allem um die Menschen, die mit den herkömmlichen Mitteln und Maßnahmen nicht zu greifen sind“, erklärte Yvonne Fehn. Man habe deshalb einmal mehr ein entsprechendes Projekt in Vorbereitung. „Wir müssen mit niederschwelligen Maßnahmen ansetzen, vor allem für psychisch belastete Menschen. Unser Konzept sieht ein langfristiges Angebot vor, mit einer Dauer von ein bis zwei Jahren mit der entsprechenden Nachbetreuung. Das hat den Vorteil einer langen Verweildauer unter ‚Aufsicht‘ durch feste Betreuer“, schilderte Fehn im Hinblick auf die zwingend notwendigen Veränderungen zu den aktuellen Angeboten, die in der Regel lediglich aus Maßnahmen von bis zu sechs Monaten bestünden. Es sei nicht machbar, in dieser kurzen Zeit psychisch beeinträchtige Menschen wieder fit zu machen für den ersten Arbeitsmarkt. „Deshalb brauchen wie langfristige Angebote, die uns ein komplexes Herangehen an das Problem des Einzelnen und seines Umfeldes ermöglichen“, unterstrich Yvonne Fehn die aus der Praxis seit längerem geforderten Anpassungen an die realen Verhältnisse in diesem Bereich.

Nach der sehr konstruktiven Gesprächsrunde führte Ulrich Beck die Gäste durch das Haus. Ministerin Heike Werner kam dabei auch mit Auszubildenden ins Gespräch und ließ sich umfassend zu deren beruflichen Werdegängen und den ausgezeichneten Bedingungen vor Ort informieren.

Fruchtbare Gespräche prägten im Anschluss ebenso die Zusammenkunft in der Medinos-Klinik Sonneberg. Dort stellte Joachim Bovelet, Geschäftsführer des Klinikverbundes Regiomed, die Vorteile des kommunalen Klinikverbundes in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. „Wir hoffen deshalb weiter auf politische Rückgratstärkung für die kommunalen Häuser, Frau Ministerin“, richtete Bovelet seine eindringliche Bitte an den Gast aus Erfurt. „Sie rennen da bei mir offene Türen ein“, erklärte die Angesprochene umgehend. Gerade im Hinblick auf die anstehenden Krankenhausplanungen bekannte sich Ministerin Werner zu Häusern in kommunaler Trägerschaft. Übereinstimmung bekräftigte sie ebenso bei den Wünschen nach Unterstützung durch die Politik, z.b. bei der Förderung länderübergreifender ärztlicher Weiterbildungsmöglichkeiten und einer Diskussion um die aktuell gültigen Zulassungsbeschränkungen zum Medizinstudium. „Es gibt viele Abiturienten, die den erforderlichen Notendurchschnitt nicht erreicht haben, aufgrund anderer Qualitäten aber ebenso geeignet sind, Mediziner zu werden. Angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels ist ein Umdenken dringend erforderlich. Wir brauchen nicht nur Einser-Kandidaten“ so Bovelet. Landrätin Christine Zitzmann regte neue Wege in der Krankenhausbezuschussung an. „Ich wünsche mir mehr Mut seitens der Politik, Krankenhausstandorte bei einzelnen Projekten zielgerichtet zu unterstützen, unabhängig von Patientenzahlen.“

Gemeinsam mit Krankenhausdirektor Hauke Schild, Pflegedirektor Andreas Havlik, Chefarzt Dr. Arndt Reister und Andreas Müller (Betriebsratsvorsitzender) ging Ministerin Werner anschließend auf Rundgang durch die Klinik.

Für den Abend hatte der Kreisverband DIE LINKE Sonneberg eine öffentliche Veranstaltung mit Ministerin Heike Werner organisiert. In der sehr gut besuchten Runde stellte die Ministerin unter anderem das Programm "Öffentlich geförderte und gemeinwohlorientierte Beschäftigung" vor und beantwortete im Anschluss die vielen Fragen der Gäste.

 

Text und Bilder: SUW