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Fachvortrag Matthias Machnig, Minister des Thüringer Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Technologie / SPD

Lieber Bodo Ramelow, lieber Knut Korschewsky, liebe Frau Grönegres, meine sehr verehrten Damen und Herren: Zunächst herzlichen Dank für die Einladung. Ich freue mich, dass das Thema Tourismus aufgegriffen wird, denn, ich will das am Anfang einmal so sagen und dabei einen Satz von Gerhard Schröder: Es gibt keine linke und es gibt keine rechte Tourismuspolitik, sondern es gibt nur gute und schlechte Tourismuspolitik. Ich finde, darum sollten wir uns gemeinsam bemühen, was es eigentlich heißt, gute Tourismuspolitik für Thüringen zu machen. Darum bemühe ich mich und versuche, mit den Beteiligten im Parlament, mit den Akteuren, die im Bereich Tourismus tätig sind, wie die TTG, die DEHOGA und viele andere, gemeinsam daran zu arbeiten, dass wir im Tourismus vorankommen.

Wenn man sich einmal anschaut, worüber wir beim Thema Tourismus eigentlich reden, so wird man Folgendes feststellen: Wir reden über eine Jobmaschine, eine Beschäftigungsmaschine und das will ich mit ein paar Zahlen beleuchten. Die internationale Arbeitsagentur hat errechnet, dass weltweit im Tourismus 250 Millionen Menschen beschäftigt sind, 100 Millionen direkt, 150 Millionen indirekt, und dass wir inzwischen im Tourismus weltweit 650 Milliarden US-Dollar erwirtschaften. Man kann mit Fug und Recht sagen, es handelt sich hier um einen großen und sehr wichtigen Wirtschaftszweig. Wir haben bundesweit 380 Millionen Übernachtungen und das macht auch deutlich, wie groß und wichtig dieser Bereich ist. Ich will es mal so sagen: Vom weltweiten und vom deutschen Kuchen wollen wir uns ein großes Stück abschneiden. Der Kuchen muss in den nächsten Jahren wachsen, weil der Tourismus für Thüringen natürlich eine besondere Bedeutung hat.

Tourismus hat Tradition in diesem Land, Tourismus hat eine Geschichte. Ich will an eine erinnern, die ich neulich gelernt habe: Es gibt ein Hotel in Weimar, das ist das zweitälteste – Sterne gab es damals noch nicht – das zweitälteste Qualitätshotel, das es weltweit gab. Es gab eins früher, in Italien, ich weiß nicht genau, wo. Aber das zeigt, es gibt eine lange Tradition für Tourismus in Thüringen. Deswegen ist für mich eines wichtig: Wir wollen diesen Wirtschaftszweig in den nächsten Jahren entwickeln.

Dabei gibt es ein paar Grundsätze. Wir wollen nicht billiger sein, aber besser, weil eines ist entscheidend: Beim Thema Tourismus gewinnt man nur an der Qualitätsseite. Ich will eine Zahl sagen, die wir sehr ernst nehmen müssen. Ich habe eine repräsentative Befragung machen lassen zu der Frage, wie eigentlich die Rezeption Thüringens bei denjenigen ist, die einmal hier waren. Die Zahlen sollten uns zu denken geben. Von zehn, die hier waren, empfehlen zweieinhalb das Land weiter, siebeneinhalb sagen, eher nicht oder vielleicht. Das hat etwas zu tun, auch das ist ein Ergebnis dieser Befragung, dass viele sagen, das Preis-Leistungs-Verhältnis in Thüringen stimmt nicht. Nicht deswegen, weil die Preise so hoch wären, sondern weil die Ansprüche und Erwartungen an den Tourismusstandort höher sind. Viele Menschen sagen, z.B. aus der Frankfurter Region, ich bin genauso schnell in Mallorca wie in Thüringen. Die Frage ist, was tue ich dann und wo fahre ich eigentlich hin? Welche Angebote erwarte ich eigentlich? Auf diese Frage müssen wir uns also einstellen. Deswegen muss der Grundsatz lauten: nicht billiger, sondern besser.

Der zweite Grundsatz muss lauten: Wir müssen interessanter, kreativer und innovativer sein – und zwar auf der Ebene von Produkten. Was erwartet ein Tourist, wenn er nach Thüringen kommt? Er erwartet ein Produkt. Und zwar ein Produkt, das ganz unterschiedlich sein kann. Das kann eine Kombination von Kulturtourismus und Sport sein, es kann eine Verbindung von Natur und Sport sein, es kann eine Verbindung von Gesundheit, Wellnessangeboten und Kultur sein. Es heißt, wir müssen uns auf den Weg machen, Produkte zu entwickeln, die uns ermöglichen, im Wettbewerb zu bestehen.

Der dritte Grundsatz lautet: Wir brauchen Kooperation. Das will ich mit großem Nachdruck sagen, weil ich jetzt seit zwei Jahren im Amt bin. Was ich festgestellt habe: Wir sind dominiert von regionalen Interessen. Jeder ist seines Glückes Schmied. Da gibt es so eine kleine Partei, die am diesem Wochenende einen Parteitag hatte, und jeder glaubte, das sei die Lösung „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Natürlich muss jeder auch in seiner Region schauen, was er tun kann. Aber die Frage muss doch lauten: Wie bündeln wir unsere Ressourcen, und ich sage ausdrücklich die begrenzten Ressourcen im Bereich Personal, im Bereich Marketing, im Bereich Auftritt so, dass es Synergien gibt, dass wir in der Lage sind, das Potenzial, das es in Thüringen gibt, zu heben? Dass das notwenig ist, will ich an einem Beispiel deutlich machen. Vor einigen Jahren ist die Zielzahl zehn Millionen Übernachtungen in Thüringen ausgegeben worden. Ich halte die Zielzahl für richtig. Wir müssen nur leider feststellen, dass wir sie nicht erreicht haben, sondern dass wir irgendwo zwischen 9,4 bis 9,6 Millionen Übernachtungen pro Jahr liegen, bei gut 3,2, bzw. 3,3 Millionen Besuchern. Das heißt, wir haben eine Verweildauer im Land von 2,7 Tagen im Schnitt. Die Frage doch muss lauten: Wie mache ich aus 2,7 Tagen 5 Tage oder 2 Wochen und was sind die notwendigen Voraussetzungen dafür, dass das gelingen kann? Auch wenn sich die Zahl der Ankünfte in Thüringen verbessert hat, unser bundesweiter Marktanteil ist rückläufig – ganz einfach deshalb, weil andere Regionen, andere Länder schneller wachsen. Das ist der Hintergrund und deswegen muss es darum gehen, eine gemeinsame Kraftanstrengung zu machen. Dazu will ich alle einladen. Ich will auch sagen, dass ich versucht habe, dazu auch Foren zu bauen. Es gibt einen Landestourismusbeirat. Wir machen einmal im Jahr einen Landestourismustag, wo wir alle Akteure einladen. Alle, die noch nicht da waren, sind herzlich eingeladen am 2. Juli 2012, wo wir mit allen Akteuren darüber sprechen wollen, was eigentlich die Aufgaben sind. Zudem haben wir einen Kulturtourismusbeirat aufgebaut. Auch da wollen wir die Kulturpolitiker oder diejenigen, die im Kulturtourismus besonders unterwegs sind, ansprechen. Wir haben drittens eine neue Tourismusmarke entwickelt, bei der es darum geht, Thüringen modern im Rahmen der Standortkampagne zu positionieren. Auch da eine kleine Erfahrung: Ich habe gesagt, ich verstehe, dass Erfurt ein eigenes Logo hat, dass Jena ein eigenes Logo hat, dass Oberhof ein eigenes Logo hat usw. und ich habe dann um die schlichte Kleinigkeit gebeten, gegenseitig ein paar Elemente zu übernehmen. Das war ein schwieriger Prozess, kann ich nur sagen, aber wir müssen erkennbar sein in einer medialen Umwelt, die uns viel abverlangt. Jeder von uns hat einige Tausend Werbekontakte pro Tag. Im Rahmen dieses Umfeldes muss dann Tourismus sichtbar sein und das setzt voraus, dass wir zumindest eine Grundwiedererkennbarkeit haben und nicht, dass jeder etwas anderes macht und wir eher auftreten wie eine Studentenverbindung als ein professioneller Akteur auf dem Markt. Last, but not least: Wir haben ein Landestourismusprogramm entwickelt und jetzt kommt das Entscheidende und das ist glaube ich der Unterschied und darauf lege ich großen Wert: Ein Landestourismuskonzept. Alle Jahre wieder wird es gemacht, und dann kann man zwei Wege gehen. Ich mache das Konzept, schicke es jedem, jeder nimmt es, Ablage P und wir machen genauso weiter wie zuvor. Oder wir verständigen uns darauf, wie wir gemeinsam versuchen, mit diesem Thema umzugehen.

Das Ergebnis dieser Landestourismuskonzeption, das will ich erörtern, ist ein Acht-Punkte-Programm für den Tourismus in Thüringen. Der erste Punkt lautet: Konzentration auf Hauptthemen, d.h. auch, Produkte anzubieten, die in diesen Hauptthemen liegen. Was sind die drei Hauptthemen, für die wir uns entschieden haben? Einerseits das Thema Kultur und Städte, im Übrigen der Bereich, in dem es die höchsten Wachstumsraten gibt, die deutlich größten Wachstumsraten in den letzten Jahren. Dieses wollen wir ausbauen, weil das ein wirklicher Leuchtturm ist für Thüringen. Das heißt, Städte wie Weimar und andere Städte haben für Touristen eine große Attraktion, weil es dort ein kulturelles Erbe gibt, das weit über die Grenzen hinaus wirkt. Das ist aber gar nicht bekannt. Ich will einmal aus einer Studie zitieren: 13 Prozent der Deutschen, die wir befragt haben, was die Hauptsstadt von Thüringen ist, 13 Prozent konnten Erfurt sagen. Wenn wir gefragt haben, wo liegt eigentlich Weimar, dass jeder kennt in Deutschland, wussten acht Prozent, dass das in Thüringen liegt. Bei der Wartburg sind es zwei Prozent. Dass die optische Industrie, um einmal ein Wirtschaftsthema zu nennen, in Thüringen geboren wurde, seine Wiege in Thüringen hat, wissen ein bis zwei Prozent. Das müssen wir verändern. Das sind Marken wie das Bauhaus, wie Weimar, die haben eben eine Dimension weit über Thüringen hinaus. Das will ich an einem Beispiel verdeutlichen. Ich war letzte Woche in Südkorea, eine Delegationsreise mit Wirtschaftsvertretern. Ich war beim Bürgermeister von Seoul, Zwölf-Millionen-Metropole, zweitwichtigster Mann. Er hat mich nach Weimar gefragt. Was ich damit sagen will: Die Koreaner mit ihrer hohen Affinität zu Deutschland wissen zum Teil mehr über die Geschichte Thüringens als mancher Westdeutscher, schlimm genug. Deswegen müssen wir uns darauf konzentrieren, unsere Hauptthemen, z.B. Kultur und Städte, nach vorn zu bringen.

Zweitens: Wir müssen den Bereich Natur und Sport voranbringen. Dazu bringen wir einfach enorm viel mit. Nur dazu müssen wir auch die Voraussetzungen schaffen. Ich sehe den Bürgermeister aus Oberhof und wir arbeiten gemeinsam seit zwei Jahren daran, dass in Oberhof endlich investiert wird und dass die kollektive Verantwortungslosigkeit endlich aufhört. Das setzt aber voraus, dass alle ihre Hausaufgaben machen – alle Ministerien, der Landkreis, die Kommune und die anliegenden Kommunen, sonst wird das nicht gehen und sonst verlieren wir auch z.B. wichtige Ereignisse, die auch Oberhof und Thüringen bekannt machen. Ohne massive Investitionen in die Infrastruktur wird hier kein Biathlon-Weltcup mehr stattfinden, denn es gibt einen internationalen Wettbewerb um die Austragung eines solch lukrativen und interessanten sportlichen Ereignisses. Im Übrigen das sportliche Ereignis, das Thüringen in die Welt katapultiert. Wir haben kein anderes. Deswegen brauchen wir Infrastrukturinvestitionen, deswegen nehmen wir 20 Millionen in die Hand, um in Oberhof zu investieren – das betrifft die Therme, die sportlichen Einrichtungen und Ähnliches. Das ist die Voraussetzung dafür, wettbewerbsfähig und in der Lage zu sein, das, was wir an Potenzial haben, zu nutzen.

Das Dritte: Wellness und Gesundheit. Auch da müssen wir in den nächsten Jahren investieren, weil unsere Angebote noch nicht wirklich entwickelt sind. Wir haben z.B. im Bereich von 3- und 4- Sterne-Gastronomie, die im Bereich Wellness unterwegs sind, nur ganz wenige Angebote. Wenn jemand einmal nach Thüringen kommen soll, dann kommt er natürlich wegen der tollen kulturellen Dinge oder wegen der Natur, aber der möchte dann auch ein bestimmtes Ambiente. Alles zusammen führt zu einem: Nur wenn wir die Angebotsseite verbessern, wird die Nachfrageseite gestärkt. Nur wenn wir auch als Land zeigen, dass wir bereit sind, als Land zu investieren, dann wird es auch private Investitionen geben. Auch da wieder das Beispiel Oberhof: Seitdem klar ist, dass wir investieren, gibt es Überlegungen, auch ein bestehendes Hotel auf 4- Sterne-Standard zu modernisieren. Das ist der Zusammenhang. Konzentration auf diese Hauptthemen, die müssen wir im Bereich der Produkte, im Bereich des Marketings, im Bereich des Auftrittes deutlich machen und dabei muss eines gelten: Das gewinnen wir nur auf der Qualitätsseite. Qualität heißt nicht nur, dass die Zimmer schön sind, sondern dass sie auch vernünftigen Service haben. Ich erzähle die Geschichte ab und zu, ich will so noch einmal erzählen: Manchmal bin ich auch als Minister privat in einem Restaurant unterwegs. Ich erwarte keine Sonderbehandlung, aber ich erwarte auch, dass ich nach einer halben Stunde das allererste Mal eine Karte sehe und nicht das Gefühl habe, ich muss mich beim Kellner dafür bedanken, dass er überhaupt mit mir spricht. Das kann nicht sein, auch da muss gelten: Wir brauchen Service- und Qualitätsorientierung, sonst wird der Kunde nicht kommen.

Zweitens, auch das gehört zum Acht-Punkte-Plan: Aufbau einer Marken- und Marketingstrategie. Damit haben wir begonnen und ich weiß nicht, ob Frau Grönegres schon Beispiele gezeigt hat, wie wir uns vermarkten wollen. Auch da gilt ein Grundsatz: Weniger ist mehr. Nicht Tausende von Broschüren, nicht Tausende von Anzeigen, nicht Tausende von Artikeln, sondern Konzentration auf die drei Schwerpunktthemen – und in den wichtigen Medien vertreten sein, die auch Reichweite haben. Das und natürlich Adaption bei den regionalen Akteuren sind die Voraussetzungen, nur so schaffen wir es, Wiedererkennbarkeit zu generieren.

Drittens: Wir müssen auch über das Förderinstrumentarium nachdenken. Da sind wir dabei und ich habe zwar für das nächste Jahr eine Entscheidung schon getroffen. Im Rahmen der GRW, wo wir auch Infrastrukturmittel haben für touristische Infrastruktur, werden wir bestimmte Projekte im Bereich des Hotelbetriebes finanzieren, damit sind bestimmte Mittel reserviert. Das heißt, wir müssen auch zeigen, wir wollen private Investitionen, wir wollen mehr Anbieter hierherholen, um auf der Qualitätsseite voranzukommen. Ich sage ein zweites Beispiel: Ich werde Anfang des Jahres einen Wettbewerb ausrufen, an dem sich alle Regionen beteiligen können, wo eine Million Euro zur Verfügung stehen. Wir werden dann die besten Projekte prämieren, die dann auch in der Lage sind, einmal mit der Größenordnung von 200.000, 500.000 Euro z.B. bestimmte Dinge in der Region durchzusetzen – entweder im Thüringer Wald oder an anderer Stelle; ein Wettbewerb um Qualität und Konzepte und dann auch – weil ich weiß, dass viele Kommunen und viele Regionen dazu nicht in der Lage sind – dass sie dann eine Anschubfinanzierung von mir erhalten, um bestimmte Projekte auf den Weg zu bringen.

Viertens: Neuordnung der Organisationsstruktur. Dazu habe ich ein paar Dinge gesagt. Es wird ein neues Instrument geben, es wird Tourismusboard heißen, wo ich Vertreter aus der Branche und aus den Regionen einbinden will, um mit denjenigen, die Anbieter auf dem Markt sind, zusammenzukommen und darüber nachzudenken, was sind eigentlich Angebote, die wir machen müssen, was sind eigentlich Produkte, die wir auf den Weg bringen müssen?

Fünftens: Wir wollen die TTG reorganisieren. Die TTG soll nicht nur die zentrale Einheit für den Tourismus sein, sondern sie soll auch zu einem Kompetenzzentrum werden, d.h. sie soll auch Beratungs- und Schulungsangebote machen für diejenigen, die in der Region die Arbeit machen. Sie muss außerdem die zentrale Informationsplattform sein, denn man kann Frau Grönegres am Ende nicht den Vorwurf machen, dass sie nicht über alles berichtet, wenn sie darüber gar nichts weiß. Die Voraussetzung lautet Information. Information ist ein Geben und ein Nehmen, ist eine Bringschuld und eine Holschuld. Wir versuchen, zu bringen, aber andere müssen bereit sein, zu holen und bereit sein, mitzuwirken. Das ist die zentrale Frage.

Sechstens: Umsetzung der Landestourismuskonzeption in sechs Leitprojektgruppen. Das heißt, wir belassen es nicht dabei, dass es ein nettes Konzept gibt mit vielen schönen bunten Bildern, sondern wir versuchen, es in sechs Gruppen umzusetzen. Das ist eine Menge Arbeit. Diese sechs Gruppen sind: Schwerpunktthemen mit Kulturtourismus z.B., Markenstrategie, Förderinstrumentarium, Organisationsstrukturen, TTG sowie Wellness und Gesundheit. An diesen Themen wollen wir mit den Akteuren gemeinsam arbeiten, damit wir nicht nur darüber reden, sondern ein Umsetzungskonzept haben für die nächsten Jahre – und zwar abgestimmt zwischen den Beteiligten.

Siebtens: Einführung eines Thüringenjahres. Wir wollen bzw. sind dabei, im Kern zu zeigen und das auch zu einem zentralen Element unseres Tourismusmarketings zu machen: Was findet eigentlich von Januar bis Dezember statt? In jedem Monat gibt es hier ein Highlight und das wollen wir auch weiter entwickeln. Wenn es aus der Region Vorschläge gibt, dann will ich die gern aufnehmen. Wir wollen einen Weimarer Sommer kreieren. Das heißt, für Juli und August, der Hauptreisezeit, wollen wir ein besonderes kulturelles Angebot machen – das geht vom Straßenfest bis zur Hochkultur über acht Wochen. Da sind wir mit der Stadt Weimar und anderen im Gespräch. Wenn es aus der Region ähnliche Vorschläge gibt, wie man Dinge bündeln kann, wie man besondere, zusätzliche Angebote machen kann, will ich die gerne aufnehmen. Also dieses Instrument wollen wir nutzen.

Schließlich achtens: Bereitstellung der finanziellen und personellen Ressourcen. Dazu ein Wort, damit man weiß, worüber wir an der Stelle auch sprechen. Ein Unternehmen wie Media Markt hat pro Jahr ein Budget von 300 Millionen Euro, das geben die aus für Werbung. Ich rechne jetzt mal ganz hoch, dann komme ich zu folgendem Ergebnis – Frau Grönegres hat vielleicht zwei Millionen im Rahmen des TTG-Budgets. Ich habe für eine Standortkampagne zwei Millionen, das sind vier Millionen und wenn ich jetzt noch ein bisschen einsammele und unterstelle, es gibt in den Regionen noch etwas, kommen wir vielleicht auf ein Budget in Thüringen von sechs bis sieben Millionen. Das ist schon gut gerechnet, eher weniger. Das heißt, wir müssen auch darüber reden, wenn es ein Schwerpunktthema ist, wie statten wir eigentlich die Akteure so aus, dass sie überhaupt wahrgenommen werden? Wir konkurrieren mit 300 Millionen bei Media Markt. Jetzt könnte ich ja noch ein paar andere große Budgets hinzufügen – Telekom, Mercedes Benz, BMW usw. Wir konkurrieren ja um eines, wenn man über Marketing redet, wir konkurrieren um die Aufmerksamkeit von Menschen und jeder prüfe sich mal selbst, wenn er egal welche Zeitschrift liest, da sind Anzeigen darin. Werbe- und Marketingleute haben einmal gerechnet, dass man durchschnittlich zweieinhalb Sekunden in so einer Anzeige verbleibt. Damit man mal eine Vorstellung hat. Das heißt, wir brauchen auch Instrumente und personelle, finanzielle Ressourcen, um das überhaupt durchführen zu können. Auch das ist ein offenes Geheimnis: Die TTG ist von der Quantität her nicht gerade übermäßig gut mit Personal ausgestattet. Ich habe ein Tourismusreferat von vier oder fünf Leuten, die machen das ganze Tourismusgeschäft. Ich weiß, wie es in den Regionen aussieht. Wir müssen in den nächsten Jahren darüber reden, dass wir die Ressourcen dafür bereitstellen, weil am Ende der Grundsatz gilt: von nichts kommt nichts.

Das sind die acht Punkte, an denen wir arbeiten und wo ich gern einladen will, dort mitzuwirken, um das Ganze nach vorn zu bringen, weil das aus meiner Sicht die entscheidende Frage ist. Das setzt voraus, und da komme ich wieder zum Anfang, es ist nicht eine Frage von rechts und links. Das ist eine Frage von gut oder schlecht, das ist eine Frage von ausreichenden personellen Ressourcen oder nicht vorhandenen personellen Ressourcen, das ist eine Frage von ausreichenden finanziellen Mitteln oder nicht vorhandenen finanziellen Mitteln. Es ist eine Frage von Kooperationswilligkeit und Kooperationsfähigkeit oder weiterhin Kirchturmpolitik. Das sind die Alternativen. Ich plädiere eindeutig dafür, die Kooperation zu stärken und ich glaube, dass das gehen kann, wenn wir wirklich zusammenwirken und uns professionell verkaufen.

Zum Schluss eine kleine Geschichte aus dem wirklichen Leben eines Wirtschaftsministers: Im Februar 2010 war ich zum allerersten Mal auf der ITB und da gibt es einen Gemeinschaftsstand von Thüringen. Das ist jetzt kein Vorwurf an Beteiligte, weil ich weiß, wie mühsam das alles ist. Ich bin dort hingegangen und habe mir den Stand angeschaut. Ich war keine drei Minuten auf dem Stand und da habe ich eine Grundsatzentscheidung für mich getroffen. Entweder der Stand ist anders im nächsten Jahr oder ich fahre da nicht mehr hin. Wir haben uns dann entschieden, den Stand anders zu machen und deswegen war ich da, auch in diesem Jahr. Wir haben uns dafür entschieden, wohlweislich, denn dort sind die Topanbieter und da kann man sich nicht wie eine Pommesbude präsentieren. Da muss man sich professionell präsentieren. Das ist eine wichtige Erkenntnis. Wir werden auch danach beurteilt, wie gut unsere Produkte sind, wie sympathisch wir sind, und auch danach, wie professionell sind wir im Auftritt. Danach schauen doch Menschen. Und sie fragen sich: Wenn die noch nicht einmal einen ITB-Stand können, können die überhaupt ein Tourismusangebot machen?

Wir müssen bereit sein, neue Wege zu gehen. Wir müssen neue Zielfelder, Marketinglinien und Vertriebswege aufbauen. All das gehört dazu und dazu brauchen wir auch Lernpartnerschaften zwischen unterschiedlich Beteiligten, denn ich glaube, es gibt in den Regionen durchaus interessante Angebote, und diese Angebote sollte man so miteinander kombinieren, dass man sagen kann, schau her, von denen können wir etwas lernen. Wenn uns das gelingt, dann kann einiges mehr gelingen, weil – ich sage es noch einmal – wir setzten mittlerweile 3 Milliarden Euro im Bereich des Tourismus um. Das sind sieben, acht Prozent unseres Bruttoinlandsproduktes, also eine nicht zu unterschätzende Größenordnung. Das kann in den nächsten Jahren ausgebaut werden. Zum Schluss noch einmal herzlichen Dank für die Einladung. Ich hoffe auf produktive Gespräche, produktive Ergebnisse und neue und kreative Ideen, weil der Status quo uns nicht weiter hilft. Es hilft nur eines, sich auf den Weg zu machen, neue Antworten zu geben, neue Instrumente zu entwickeln, neue Kooperationsformen aufzubauen. Wenn uns das gelingt, haben wir einen großen Schritt getan. Dabei können sich alle auf eines verlassen, das ist auch ein Grund, warum ich hier bin: Solange ich Minister bin, wird es nicht nach der Devise gehen, wenn ein LINKER einen Vorschlag macht, ist er blöd, wenn einer von der CDU oder den Sozialdemokraten einen macht, ist er gut, sondern ich sage immer, meine Erfahrung in der Politik ist folgende: Manchmal gibt es blödsinnige sozialdemokratische Vorschläge, manchmal gibt es aber auch gute, es gibt viele gute, deshalb bin ich ja auch Mitglied. Manchmal gibt es blödsinnige linke Vorschläge, manchmal auch gute, manchmal gibt es auch gute Vorschläge, was man gar nicht vermutet, die sind von der FDP.

Ich in jedem Fall will für eines eintreten, das habe ich auch an vielen Punkten gezeigt, dass nicht nach Parteibuch entschieden wird, sondern nach der Qualität der Projekte. Das ist eine entscheidende Frage. Die Qualität der Projekte muss entscheiden darüber, ob eine Sache gefördert wird oder nicht. Das ist meine Maxime und da sage ich auch ganz klar, da verstehe ich mich und mein Haus auch als Dienstleister. Wir sind nur so gut, wie wir eben mit den Regionen, mit den Verantwortlichen zusammenarbeiten und auch im positiven Sinne Dienstleister sind – was nicht heißt, um das auch klarzustellen, dass jeder Wunsch und jedes Projekt realisiert wird. Diese finanziellen Mittel habe ich nicht. Aber ich kann zusagen: Ich werde ein fairer Streiter für gute Qualität sein, egal, von wem sie kommt. In diesem Sinne herzlichen Dank und Glück auf.