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Podiumsdiskussion

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Podiumsdiskussion:

  • Christine Zitzmann, Landrätin des Landkreises Sonneberg
  • Bärbel Grönegres, Geschäftsführerin der Thüringer Tourismus GmbH
  • Henryk Balkow, Journalist
  • Knut Korschewsky, Landesvorsitzender DIE LINKE und tourismus- und sportpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE. im Thüringer Landtag
  • Moderator: Albrecht Fröhlich
v.l.n.r.: Christine Zitzmann, Bärbel Grönegres, Albrecht Fröhlich, Henryk Balkow, Knut Korschewsky

Protokoll

Moderator:
Frau Zitzmann, Sie sind Politikerin in einem Landkreis, der auch viele Gegenden und Sehenswürdigkeiten hat, die für den Tourismus sehr lohnenswerte Ziele sind. Wie schätzen Sie im Moment die Situation in Ihrem Landkreis ein, welche Highlights gibt es? Welche Hemmnisse gibt es auch, die eventuell der weiteren Entwicklung im Wege stehen?

Christine Zitzmann:
Ich darf den Landkreis für alle, die ihn nicht kennen, kurz vorstellen. Wir sind der kleinste Landkreis des Freistaats Thüringen mit unter 60.000 Einwohnern. Wir sind der feinste seiner Art, denn wir liegen einzigartig. Wir liegen in der Mitte Deutschlands, wir haben die kürzesten Wege zu den Metropolen dieses deutschen Landes. Wir sind geprägt von einem Logo, dass wir in unseren Briefköpfen auch tragen - der Thüringer Wald ist unser Markenzeichen. Wir sind nicht nur in Wort, Bild und Schrift für unsere Heimat in Antretung. Das ist übrigens ein Wahnsinnspfund, wir kommen aus dem Kreis Sonneberg, aus der Stadt, aus der Gemeinde des Freistaats Thüringen und arbeiten natürlich überregional mit den oberfränkischen Nachbarn zusammen. Wir scheuen uns nicht davor zu sagen, 365 Tage kann ich im Landkreis Sonneberg Urlaub machen - in jeder Stadt, in jeder Gemeinde. Wir haben eine Struktur, die wie folgt aussieht: Gemeinden, Städte machen eigenständig, selbstständig ihre touristischen Attraktionen, sie bringen sie auf Vordermann, sie haben ihr Personal dazu, sie haben ihre Büros, sie haben auch Faltblättchen, alles, was dazugehört. Der Landkreis Sonneberg ist Koordinator, Berater, Informant und bedient alle Institutionen, Organisationen, wo man Mitglied sein sollte, Regionalverbund Thüringer Wald, dazu kommen andere Vereine, Organisationen, die im weitesten Sinne des Wortes mit Tourismus zu tun haben. Das geht an keinem Ministerium vorbei, das geht an keiner überregionalen Vereinigung vorbei, z.B. Grünes Band etc.

Dennoch ist eine Landrätin an der Spitze seit dem 1.7.2006, die sehr ungeduldig ist, die sehr unzufrieden ist und je nachdem, wie man sie reizt, wird sie das artikulieren. Die Frau Bürgermeisterin hat den Nagel auf den Kopf getroffen, daran krankt Thüringen seit Jahren. Wenn der Tourismus als Wirtschaftsfaktor anerkannt ist, weil er nämlich auch Profit bringen kann, dann sollte dieser Wirtschaftsfaktor nicht nur in Sonntagsreden, Plattitüden und auf Plakaten sichtbar sein, sondern er muss - nicht nur in der Werbung und im Marketing - auch verankert sein in einer gesetzlichen Grundlage. Dann hört endlich dieser Zank auf zwischen Gemeinden, Städten, Landkreisen, Institutionen, Organisationen, Ministerien usw. wer kriegt für was Geld.

Für mich ist der Gast in der ersten Linie der Ansprechpartner. Für ihn will ich meine Region attraktiv machen. Und wenn ich unterwegs bin, vermarkte ich mit meinem Wort, das kostet überhaupt kein Geld, den Landkreis Sonneberg. Jetzt kommt eines und dafür werde ich belächelt, ich nutze die private Hand, das sind die Leistungsträger, in erster Linie für meinen Landkreis, um

wirklich, weil ich kein Geld habe, mit wenigen Mitteln, mit wenigen Materialen den Tourismus, das touristische Highlight dieser Region voranzubringen. Es ist sehr richtig, 19 Museen haben wir im Landkreis Sonneberg, elf davon kommunal, alles freiwillige Aufgaben, aber wir haben Privatiers, die sind exzellent; sicherlich manchmal auch mit kommunaler Beteiligung, aber in der der Hauptsache ist hier unten ein Zusammengehen von Menschen, die genau wissen, die Spitze wird nur getragen von einem Fundament. Das Fundament sind alle Einrichtungen, die mit Tourismus, und wenn es nur der Hauch von Tourismus ist, zu tun haben.

Moderator:
Herr Balkow, Sie sind Journalist, beschäftigen sich auch mit dem Tourismus. Sie haben sowohl gute als auch nicht ganz so gute Erfahrungen gemacht. Erzählen Sie einmal davon.

Henryk Balkow:
Das kann ich beim besten Willen nicht alles erzählen. Ich möchte einmal so anfangen, ich finde Thüringen wunderschön. Wir haben einen Thüringentrailer gemacht mit 500 Euro. Ich komme ursprünglich aus Stützerbach, das ist im Thüringer Wald, die meisten werden es kennen, lebe jetzt aber in Erfurt, bin Journalist und Wissenschaftler. Als Journalist und PR-Berater habe ich viel mit Tourismus zu tun, als Wissenschaftler untersuche ich Netzwerke im Tourismus. Das ist das, was sicherlich für die meisten hier spannender ist. Ich habe vor ein paar Wochen mit dem Thüringer Mediennachwuchs, den ich ausbilde, einen Thüringentrailer produziert „Come closer". Für diesen haben wir 500 Euro ausgegeben und waren 2.100 Kilometer in ganz Thüringen unterwegs. Ich bin sehr überzeugt von diesem Land, ich bin hier geblieben, ich versuche viele andere junge Leute hier zu halten, auszubilden und ihnen Perspektiven zu schaffen. Ich möchte nicht sagen, dass alles schlecht ist. Die touristische Infrastruktur, die Hardware, hat sich hier in den letzten Jahren grandios verbessert. Wir haben unglaublich viel Potenzial und jetzt brauchen wir die richtige Software und da muss noch wesentlich mehr gemacht werden. Ich habe das benannt, habe mich an vielen Stellen unbeliebt gemacht. Das habe ich nicht gemacht, weil ich im Thüringer Tourismus den Terminator spielen will, sondern weil ich konkrete Ideen, Vorschläge habe. Ich bin von Berufswegen her sehr hartnäckig und das mache ich nicht aus persönlichen Gründen, sondern weil wir voller Ideen sind. Ich habe sehr viele junge Leute um mich, die wollen machen, die wollen tun und denen muss man den Weg manchmal auch mit einem dicken Kopf freimachen.

Moderator:
Jetzt aber zu ihren Erfahrungen. Ich weiß, sie haben ein Projekt angeschoben - vielleicht noch einmal zum ganzen Ablauf.

Henryk Balkow:
Der Hintergrund war, Joey Kelly, den Extremsportler und Musiker, herzuholen. Wir haben dort ein PR-Konzept entwickelt und es ging um eine Kofinanzierung, durch ein Sponsoring, durch das Wirtschaftsministerium oder die TTG. Ich hab da sehr schlechte Erfahrungen gemacht, darüber habe ich mich auch beschwert. Ich habe aber inzwischen die Einsicht, es gibt offensichtlich viele, die das hier teilen, dass Tourismus sehr viel mit Eigenverantwortung zu tun hat. Ich war am Anfang auch der Meinung, ich muss zuerst zum Wirtschaftsministerium und zur TTG und die überzeugen, dieses Konzept zu unterstützen. Diese Unterstützung habe ich nicht bekommen, den Umgang mit mir, mit meinen Ideen und meinem Team fand ich auch nicht o.k. Aber, ich habe inzwischen eingesehen, dass ich eher schauen muss, mit Netzwerkpartnern gerade aus der Wirtschaft enger zu kooperieren, und bin seit dem eher dabei, soziale Netzwerke im Tourismus zu knüpfen und zu schauen, wie können wir aus unternehmerischer Perspektive heraus Ideen voranbringen. Wir wollen Joey Kelly drei Tage über den gesamten Rennsteig schicken mit Cross-Roll-Ski, weil das erschwert ist. Für Joey Kelly wäre das sonst keine Herausforderung. Ich hab den Rennsteig in fünf Tagen gemacht, das war sehr anstrengend, aber für Joey Kelly wäre das nichts. Wir wollen ihn mit

Cross-Roll-Ski hinüberschicken, weil das ein mediales Ereignis ist. Da kann man Thüringen und den Rennsteig über drei Tage oder sogar mehr in die bundesweiten Medien bringen und wir halten an dieser Idee fest. Wir mussten das verschieben, weil es nicht finanzierbar war und jetzt sind wir kurz davor und können das wahrscheinlich im Juni 2012 mit neuem Fahrtwind angehen.

Moderator:
Also würden sie zusammenfassend sagen, Privatinitiative und Engagement sind sehr wichtig im Tourismus?

Henryk Balkow:
Definitiv, und ich glaube, was Thüringen unbedingt braucht, und da ist jeder gefragt, wir brauchen erst einmal so etwas wie ein soziales Netzwerk im Tourismus. Ich rede nicht von facebook oder xing, sondern ich rede davon - die meisten Bekanntschaften fangen am Stammtisch an - dass wir uns persönlich mehr begegnen über die Region hinaus, dass wir uns besser miteinander vernetzen von Mensch zu Mensch und dann kann man auch zusammen schauen, welche Ideen sind machbar, wer hat welche Ressourcen zur Verfügung, wie kann man vielleicht auch ohne viel Geld Dinge anschieben. Die Andrea, die vorhin einen Vortrag gehalten hat von Kinderinteressen, die kenne ich schon seit Ewigkeiten, ich kenne die vom Schullandheim in Heubach, die total engagiert sind. Wenn ich mit meinem Mediennachwuchs irgendwo hinfahre, dann fahre ich nicht nach Tschechien oder Ungarn, sondern ich kenne die Leute im Thüringer Wald. Die frage ich zuerst, dann macht Axel Müller mir einen guten Preis, weil wir uns kennen, und macht ein gutes Programm für meine Teilnehmer und dann ist uns allen geholfen. Das ist das, was wir brauchen, von Mensch zu Mensch. Wir müssen im Tourismus zusammenhalten und nicht alles über Gremien, Institutionen und Konzepte machen - das ist das eine und das ist eine Arbeit, die ist wichtig. Aber, die im Tourismus Akteure sind, müssen von Mensch zu Mensch netzwerken, an Stammtischen oder wo auch immer. Ich gehe auch gern, Frau Grönegres, mit Ihnen in die Arche in Erfurt und esse und trinke mit ihnen etwas und wir reden über touristische Ideen. Ich bin nicht der Typ für Leitprojektgruppen und auch nicht für Ärger, sondern ich habe ganz viele Ideen und ich möchte schauen, was man zusammen machen kann. Jeder hier im Raum, der mit Tourismus zu tun hat, daran auch Interesse hat, kann mich daraufhin ansprechen. Ich komme zu jedem Stammtisch, wenn ich Zeit habe. Ich bin Wissenschaftler in diesem Bereich. Ich weiß, wie man Netzwerke entwickelt, ich weiß, wie man Kooperationskultur aufbaut. Das habe ich beruflich gelernt, ich bin offen für alle Kooperationen, aber das muss auf beiden Seiten immer gewollt sein.

Moderator:
Ich habe von Knut Korschewsky ein mittleres DHL-Paket an Unterlagen bekommen, die ich auch alle durchgelesen habe, das war sehr interessiert. Zwei Themen haben mir heute ein bisschen gefehlt. Thema Nummer 1 wäre für mich, Sie haben Kernthemen entwickelt und vieles andere mehr, was mir ein bisschen in der Diskussion gefehlt hat: Wie stellt man sich eigentlich auf den demografischen Wandel ein, d.h. unsere Urlauber, Touristen, die nach Thüringen kommen, werden in absehbarer Zeit älter werden, aber dabei muss man sehen, dass auch unsere Angestellten im Tourismus älter werden. Das hat einmal damit zu tun, dass viele junge Fachkräfte abwandern. Den Grund werden wir alle kennen, weil nun einmal die Bezahlung in Thüringen wahrscheinlich deutschlandweit nicht die Beste ist, da haben wir glaube ich keine Rekordmarken, aber die Gäste werden älter, das Personal wird älter - wie wird sich das in unserem Tourismus, in ihrer Arbeit widerspiegeln? Was kann man dagegen unternehmen, oder, wie kann man diese Situation zum Besten treiben?

Bärbel Grönegres:
Ja, danke erst einmal. Vielleicht darf ich auch noch ganz kurz auf Herrn Balkow antworten. Gerne, wir können uns gerne in der Arche oder sonst wo verabreden, wir können uns gern auch hier

verabreden. Es gibt nicht immer eine einfache Antwort auf alle Fragen, das ist auch im Tourismus ganz häufig so, und beispielsweise zu Projekten oder zu Ideen, da kann es auch schon einmal passieren, dass man sagt, interessant, aber vielleicht in dem Moment nicht so geeignet für die Strategie, wo wir hinwollen. Ich glaube, das haben wir ihnen auch ganz vernünftig und ganz ausführlich erklärt. Das war nicht abgebügelt, sondern auch mit der notwendigen Sorgfalt, zumindest glaube ich das, für uns sagen zu können. Aber wie gesagt, ich nehme den Ball gerne auf und nehme das Gesprächsangebot selbstverständlich gern an, das sollten wir auf jeden Fall machen.

Zum demografischen Wandel: Inzwischen haben wir ja sogar eine eigene Serviceagentur dort in Thüringen beim Bau- und Verkehrsministerium angesiedelt, die sich mit dem Thema demografischer Wandel auseinandersetzt. Damit sieht man schon, wie breit gefächert dieses Thema ist. Der Tourismus spielt da natürlich eine gewichtige, aber nicht die einzige Rolle. Das umfasst so viele Punkte, wie beispielsweise natürlich unsere Gäste immer älter werden. Wir haben bereits in Thüringen die ältesten Touristen deutschlandweit. Das kann man bedauern, man kann aber auch sagen, eigentlich sind wir dabei mit einer wachsenden Zielgruppe konfrontiert. Junge Leute wollen wir nicht ausschließen, das ist völlig klar, andererseits müssen wir uns auf die wachsende Zielgruppe einstellen, beispielsweise mit dem Thema Barrierefreiheit, was wir vorhin schon angesprochen haben, das ist ganz wichtig. Dann kenne ich natürlich die Sorgen und Nöte, und die Kollegin, die den ländlichen Raum angesprochen hat, hat das ja auch erwähnt, das ist auch das Problem - in Anführungszeichen - was machen wir in der Fläche? Wir haben beispielsweise immer wieder die Wünsche, wir haben über 200 Angebote auf unserer ThüringenCard, die eben touristische Sehenswürdigkeiten in ganz Thüringen umfasst, aber das Hauptproblem, was die Gäste damit haben: Wie komme ich denn von A nach B? Wie bekomme ich ÖPNV-Angebote darauf? Es wäre technisch nicht so schwierig, noch etwas auf die Karte zu nehmen. Wir haben Bahn dabei, wir haben ÖPNV, nur das Problem ist, dass die Angebote oftmals in der der Fläche nicht genügend miteinander vernetzt sind. Wir kennen das alle, dass an der Kreisgrenze plötzlich der Busfahrplan Schluss macht und man nicht weiterkommt. Zumindest sind das die Beschwerden, die wir sehr häufig bekommen. Auch darauf gibt es keine einzige, einfache Antwort, denn natürlich ist dies eine sehr kostspielige Sache und wir befinden uns dort in einem Prozess, wo der ländliche Raum durch die schon ein paar Mal beklagte Abwanderung entsprechend immer weiter ausdünnt, demzufolge auch weniger ÖPNV-Angebote angenommen werden usw. Nach wie vor ist es im Übrigen so, wir könnten es uns einfach machen und sagen, der Tourist kommt ohnehin mit dem Auto. Nach wie vor kommen 80 bis 90 Prozent unserer Urlauber mit dem Auto angereist. Auch da ist natürlich die Frage nach Ursache und Wirkung zu stellen. Klar, mit meinem eigenen Auto komme ich immer noch am schnellsten und bequemsten von der einen Stelle zur anderen.

Sie haben es angesprochen, der demografische Wandel hängt damit zusammen, dass der ländliche Raum zu wenig Arbeitsplätze schafft und, wenn diese Arbeitsplätze geschaffen werden, sie oftmals Teilzeitarbeitsplätze und nicht genügend ausgestaltet sind. Das ist natürlich ein Problem, was man mit den entsprechenden Verbänden besprechen muss, denn sie graben sich letztendlich das eigene Wasser damit ab, wenn sie die Leute nicht angemessen bezahlen und angemessen ausbilden. Auch das ist ein Thema, was wir mit dem Kompetenzzentrum Tourismus ansprechen wollen.

Henryk Balkow:
Thüringen liegt sehr zentral und ist aber trotzdem sehr idyllisch, für manche Leute langweilig. Ich hatte selbst mit 23 mein erstes Burnout und ich habe inzwischen mehrere Freunde, die Burnout hatten in München, Berlin, nach Thüringen eingeladen. Die mussten nicht mehrere Wochen nach Thailand, um sich zu erholen, sondern ich bin mit denen z.B. nach Schweinbach gefahren. Das ist im tiefsten Süden des Thüringer Wald und da können die abschalten. Dafür müssen sie nicht tagelang unterwegs sein, sondern man kann innerhalb drei Stunden und weniger von München oder Berlin hier sein - das ist ein ganz großes Potenzial. Manche Leute, die von Burnout gefährdet oder betroffen sind, möchten einfach mal herunterschalten und sagen, ja, ich bin jetzt im Hinterland. Das ist nur eine Sache der Vermarktung. Wir müssen viel mehr einzelne Zielgruppen identifizieren. Es gibt nicht den Gast oder die Gäste, sondern es gibt verschiedene Gäste mit ganz

unterschiedlichen Bedürfnissen, die wir unterschiedlich ansprechen müssen. Manche müssen wir eher über facebook kriegen, manche Leute brauchen noch klassisch das Callcenter und Broschüren. Wir müssen viel mehr in die Tiefe gehen und überlegen, was haben wir alles in Thüringen und welche Zielgruppen gibt es mit welchen Bedürfnissen und wie können wir die genau dort abholen, wo ihre Bedürfnisse sind, wie z.B. Burnout. Das ist ganz wichtig und da können wir noch viel herausholen.

Moderator:
Ich darf Knut Korschewsky das Mikrofon geben. Was mich berührt hat, ist die Antwort des Ministeriums für Wirtschaft auf die Große Anfrage zum Tourismus dabei. Ich habe mir das durchgelesen, viele Zahlen, Stellungnahmen. Wie ist der Eindruck, habt ihr damit für eure politische Arbeit, ich muss ja mal sagen, DIE LINKE. ist eine Partei, die politisch arbeitet, Schlüsse ziehen können, wie hat sich euer Tourismuskonzept dadurch verändert oder auch nicht?

Knut Korschewsky:
Zuerst muss ich einmal sagen, alleine diese Große Anfrage zu erarbeiten, hat sich über fast ein halbes Jahr hingezogen. Es waren insgesamt 181 Fragen, die wir der Landesregierung übergeben haben und die Seitenanzahl der Antworten hat die gleiche Anzahl der Fragen gehabt, auch über 180 Seiten. Ich glaube, dass sowohl uns als Fraktion Die LINKE. die Arbeit mit der Großen Anfrage, die nicht zu Ende ist, viel gegeben hat und ich hoffe auch, Herr Engel lächelt ein bisschen hier vorn in der ersten Reihe, auch der Landesregierung ein bisschen was gegeben hat, denn es war ein Haufen Arbeit. Wir haben ja nicht nur konkret nach Tourismus gefragt, sondern wir haben auch weitergehend gefragt nach Finanzierungen, nach ökonomischen Punkten etc. Ich kann so viel heute schon verraten, wir werden uns das gesamte nächste Jahr voraussichtlich weiter mit dieser Großen Anfrage beschäftigen und sie niemals eigentlich abschließen, weil der weitere Verfahrensweg sein wird, dass wir höchstwahrscheinlich im Januar, sofern der Thüringer Landtag mit seiner Tagesordnung dann will, diese Anfrage im Plenum des Thüringer Landtages beraten werden. Wir werden danach diese Plenumsdiskussion wieder weiter auswerten, wir werden natürlich auch heute diese Fachtagung auswerten. Unser Zielstellung ist, das kann ich hier an dieser Stelle schon einmal sagen, dass wir Mitte nächsten Jahres als Fraktion DIE LINKE. touristische Leitlinien erarbeiten wollen, die auf der Grundlage der jetzt vorgelegten Tourismuskonzeption des Landes sind. Wir wollen mit diesen Leitlinien an der weiteren Untersetzung dieser Tourismuskonzeption mitarbeiten, weil ich glaube, dass viele Gedanken auch dazu führen, dass wir eine qualitative Erweiterung bekommen und dass wir natürlich auch neue Ideen in die weitere Erarbeitung einfließen lassen können, u.a. in den Leitprojekten, weil ich ein bisschen enttäuscht bin als Politiker, das sage ich ganz deutlich, Minister Machnig hat es heute hervorgehoben, es gibt einen Tourismusbeirat im Land Thüringen, daran ist Politik zumindest in persona der einzelnen Fraktionen nicht beteiligt. Das ist meiner Meinung nach nicht gut; wenn wir als Politikerinnen und Politiker im Thüringer Landtag Entscheidungen treffen sollen, dann wäre es sinnvoll, dass wir in diesem Tourismusbeirat vertreten sind, um dann auch zu hören, was die Fachleute aus der Tourismusbranche, aus den Branchen, die in dem Beirat sind, aus der Wirtschaft etc. - da ist die IHK, glaube ich - was sie für Positionen haben, um das auch aufzunehmen. Ich sage immer, Politik ist nur so gut, wie man auch zuhören kann und wie man dann auch die Dinge aufnimmt, die aus den spezifischen Bereichen herauskommen, um sie dann wiederum umzusetzen. Ich hoffe, dass das vielleicht noch einmal im Thüringer Wirtschaftsministerium aufgenommen wird - eine Beteiligung der Politik, denn wir beraten im Wirtschaftsausschuss u.a. viele Dinge, die auch mit Tourismus im weitesten Sinne zu tun haben. Im Übrigen hat der Wirtschaftsausschuss sich erstmalig dazu entschieden, nicht die Hannover-Messe, sondern die ITB in Berlin zu besuchen. Ich finde, das ist zumindest ein Zeichen an die Touristikerinnen und Touristiker und an das Wirtschaftsministerium, dass wir Interesse daran haben, uns in die touristische Entwicklung des Landes Thüringen einzubringen.

Helmut Stammberger:
Mein Name ist Helmut Stammberger, ich komme aus Schalkau. Auf der Gemarkung von Schallgau, zwischen Neundorf und Mausendorf, liegt die Bleßberghöhle. Meine Frage, nebenbei gesagt, der Höhlenforscher Rolf Babucke ist unter uns: Ist es überhaupt einmal angedacht, diese Bleßberghöhle für die Bevölkerung zugänglich zu machen?

Christine Zitzmann:
Meine Antwort darauf: Hier braucht die Ehrlichkeit und die Wahrheit eine stärkere Lobby. Wer dieses in Angriff nimmt, sollte genau aufzeigen, wer was bezahlt. Es ist nicht ein Federstrich oder eine Verkündigung, ein Loch oder sonstige Zugänge zu suchen. Hier muss man Geld in die Hand nehmen und da sind wir eigentlich bei der Krux von Tourismus an sich, dass wir immer Finanzen brauchen. Der Freistaat Thüringen und die DB als Mitbesitzer und Verantwortlicher müssen ganz klare Aussagen treffen. Der Landkreis Sonneberg wird nie und nimmer einen Cent in so ein Vorhaben stecken können, nie. Das ist die Ehrlichkeit, und ich kann es auch keiner Gemeinde und keiner Stadt empfehlen. Das ist auch die Ehrlichkeit. Dass es gewünscht ist, das weiß ich. Dafür gibt es nicht nur die Fachleute in Form der Vereine etc., dafür gilt es nicht nur, das, was man entdeckt hat, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das kann ich auch tun. Ich könnte sagen, ich bin ab sofort dafür. Das tue ich aber nicht. Jedem, den ich hier Hoffnung mache, muss ich auch ehrlicherweise dazu sagen, wer es bezahlt, wer es betreibt und wer auch dafür sorgt, dass es über Jahrzehnte hinweg gesichert ist. Wir haben ja in unserem Freistaat Thüringen einen im wahrsten Sinne des Wortes großen Schatz, ich denke an die Morassiner als ein uns naheliegendes Beispiel. Wer vermarktet denn die Morassiner? Wenn es die Gemeinde und der Verein nicht täten, und da bin ich auch bei einem Punkt, Herr Korschewsky, deswegen auch Dankeschön. Der größte Teil des Tourismus wird ehrenamtlich vermarktet und deswegen wäre ich ganz vorsichtig. Ich weiß, dass ich damit alleine stehe. Wenn die entdeckte Höhle vermarktet werden soll, dann muss man redlich und ehrlich sagen, wer bezahlt die Erschließung, wer bezahlt das ganze Umfeld, was dazugehört. Wer wird sich dazu bekennen und sagen, ja, ich mache das. Wenn ich einen Millionär wüsste, in Amerika oder sonst wo, den könnte ich davon überzeugen. Ich weiß, wie bedauerlich das ist, weil ich das wunderbare Buch kenne, wo die fantastischen Fotografien darin sind, und ich war selbst in der Höhle und konnte mich davon überzeugen. Aber ein Landkreis kann es nicht, auf keinen Fall.

Rolf Babucke:
Mein Name ist Rolf Babucke, ich betreue seit 30 Jahren in Meschenbach die Zinselhöhle mit dem Erfolg, dass sie auch heute noch bekannt ist und immer mehr bekannt wird. Jetzt kommen langsam auch die Schulen wieder dahinter, dass das Thema Heimatkundeunterricht den Besuch der Zinselhöhle möglich macht. Mit der Entdeckung der Bleßberghöhle, ich war ja nun leider, kann ich inzwischen sagen, als Erster am 1. April darin. Inzwischen habe ich auch mit dem Tunnelbauleiter herzhaft darüber gelacht, dass es besser gewesen wäre, er hätte mir Schweigegeld von 500.000 Euro übergeben. Da hätte die Bahn nämlich fünfeinhalb Millionen Euro gespart. Ich bin trotzdem landauf, landab unterwegs mit dem Vortrag über die Bleßberghöhle, inzwischen zum Zorn aller Beteiligten, aber es geht weiter, denn es gibt Anfragen aus Erlangen, aus Stuttgart und aus ganz Thüringen und der Terminkalender wird langsam voll bis September 2012. Ich war ja in der Anfangseuphorie bei allen politischen Vertretern und das Thema wird einfach zwischen den politischen Fronten zerrieben, das ist meine Meinung. Das führt dazu, wenn ich mit den Vorträgen aufhöre, ist das Thema innerhalb von ein paar Monaten erledigt. So, dass ist mein Beitrag dazu.

Knut Korschewsky:
Wenn ich vielleicht, anschließend an Frau Zitzmann, noch ein paar Worte dazu sagen darf. Auch ich habe mir das natürlich angeschaut. Für mich ist es ein einzigartiges Naturschauspiel, was dort in dieser Höhle stattgefunden hat über Millionen von Jahren. In einem muss ich Frau Zitzmann natürlich recht geben, eine Kommune oder ein Landkreis kann das nicht stemmen. Ich glaube sogar, dass die touristische Erschließung dieser Höhle - und jetzt sage ich nicht nur touristische, sondern eine geschichtliche, eine Bildungsstätte, da kommen viele Dinge zusammen, dass das

noch nicht einmal durch das Land Thüringen zu stemmen wäre. Das ist meine ganz persönliche Meinung an der Stelle und ich bin kein Fachmann, sondern ich glaube einfach, durch diese umfassende Geschichte auch im Zusammenhang mit dem ICE-Bau ist dies eine Frage, die sicherlich von bundespolitischer Wertigkeit/Bedeutung wäre und eine Geschichte, die auch kein Ministerium alleine klären kann.

Das ist im Übrigen sowieso immer eine Frage, weil vieles ineinander überläuft. Tourismus hat gleichzeitig etwas mit dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst zu tun. Frau Schlütter hat heute angesprochen: die Rennsteigleitern. So eine Rennsteigleiter, bloß um das am Beispiel zu illustrieren, bei Wilhelmsthal; genau am Ende dieser Rennsteigleiter liegt das Schloss Wilhelmsthal. Das Schloss Wilhelmsthal fällt fast zusammen, zumindest die wichtigen Teile davon. Das hat aber wiederum nichts mit Tourismuserschließung zu tun. Das hat wieder etwas damit zu tun, dass es in einem ganz anderen Ministerium liegt. Da sind also viele Überschneidungen da, und auch teilweise, da gebe ich ihnen recht, das Abschieben des Schwarzen Peters. Es ist nicht Aufgabe der Opposition, die Regierung Thüringens hier in Schutz zu nehmen - beim besten Willen nicht - aber an dieser Stelle will ich sagen, mich würde es freuen, wenn wir gemeinsam dazu kommen würden, zumindest zu überlegen, ich sage bewusst zu überlegen, ob eine Erschließung der Bleßberghöhle ein Punkt wäre, womit man auch einmal einen bundespolitischen Vorstoß in dieser Richtung machen kann.

Ich weiß nicht, ob das überhaupt möglich ist, das wäre aber auch so ein Punkt, der mit dem Herrn Minister zu erörtern wäre bzw. mit dem entsprechenden Fachreferat von Herrn Engel, der diesem ja vorsteht, ob dies eine Variante wäre. Alleine ist es meiner Meinung nach nicht möglich, nicht zu stemmen - auch nicht aus Thüringer Sicht. Und jetzt sage ich einmal, der Finanzminister wird

nichts von den Einsparpotenzialen gerade in die Erschließung der Bleßberghöhle hineingeben - wenn 200 Millionen den Kommunen sowieso schon nicht zur Verfügung stehen, dann erst recht nicht an dieser Stelle. Das ist wieder ein Punkt, wenn es eine staatliche Pflichtaufgabe wäre, würde es auf einem ganz anderen Punkt stehen. Ich bitte einfach noch einmal, eine Überlegung mitzunehmen, Herr Engel, ob das nicht eine Frage wäre, die man zumindest überlegen kann - ob eine Möglichkeit bestünde, dort einen Vorstoß zu machen, dies mithilfe des Bundes zu tun. Ob es möglich ist, diese überhaupt touristisch zu erschließen, weiß ich nicht, kann ich nicht einschätzen.

Christine Zitzmann:
Ich würde gern ergänzen. Ich möchte nicht, dass dadurch eine Neidfrage entfacht wird. Die Anfrage war schon bei der Bundesregierung. Ich will nur darauf hinweisen, dass, wenn man so etwas angeht, immer danach fragen muss, hat man alle Hausaufgaben gemacht. Hausaufgaben bedeutet für mich auch, vorhandene Dinge wie zum Beispiel, Herr Babucke hat es ja selbst gesagt, unsere Höhlenlandschaft, die schon da ist, vielleicht auch ministeriell, und das ist unser Portfolio, finanziell nicht auf Antrag zum Antrag zum Antrag, sondern einfach in ein Portfolio aufzunehmen. Das stärkt die Vermarktung des ganzen Freistaates, unter dem Motto, das ist Thüringen - nämlich die Substanz in den 17 Landkreisen und sechs kreisfreien Städten, dazu die Perspektive in der Weitsicht, an solchen anderen Dingen, die noch etwas schlummern. Aber ich bleibe dabei, die Substanz muss erst gefördert sein und vor allen Dingen zukunftsträchtig gefördert sein, denn wir arbeiten in manchen Bereichen, egal ob es Museen betrifft oder andere Institutionen, von einem Jahr auf andere, manchmal von einem Monat auf den anderen.

Henryk Balkow:
Sie sprechen mir aus der Seele. Die Saalfelder Feengrotten gehören zu meinen Kunden und als ich vor ein paar Wochen mit diesem Thüringentrailer in Italien war, da haben wir ganz viele Menschen gefragt, ob sie Thüringen kennen und haben das auf Videoband aufgenommen. Sie kannten Thüringen natürlich nicht. Also haben wir ihnen den Trailer gezeigt, und das war teilweise in Florenz, eine der schönsten Städte der Welt, und da sagen die Leute WOW, was ist das für eine schöne Gegend, davon habe ich noch nie gehört, das kann doch gar nicht sein, dass es das gibt. Wir haben bereits extrem viele Hochkaräter in Thüringen, die wir noch nicht ausschöpfen. Das Geld, das wir für solche Maßnahmen brauchen, muss aus der Wirtschaft kommen, nämlich vom

Gast. Wenn ich nicht gewährleisten kann, dass die Substanz da ist, dass über die nächsten Jahre auch Gäste kommen, über die wieder Geld hereinkommt, dann kann ich nicht vom Staat Geld abzapfen und sagen, wir brauchen dafür Geld, sondern da muss ich Frau Lenz-Habermann, jetzt heißt sie Wagner, von den Saalefelder Feengrotten als Beispiel anführen. Sie macht das dort privatwirtschaftlich, das ist ein richtig dickes Brett, was sie dort zu bohren hat und sie hat einfach die Idee gehabt, die Saalfelder Feengrotten kennt jetzt jeder, wir sind schon so alt, hier war jeder schon, das reicht nicht. Es kommt aber niemand aus Köln wegen zwei Stunden Feengrotten. Was hat sie gemacht? Oben die Feenwäldchen gebaut, inzwischen noch das Grottoneum und sie hat Fördermittel bekommen, von der Thüringer Aufbaubank und vom Thüringer Wirtschaftsministerium. Sie hat Eigeninitiative an den Tag gelegt und das finanziert sich sicherlich nicht nur privatwirtschaftlich, aber wir brauchen solche Beispiele. Das Geld muss vom Gast kommen. Ich finde, wenn wir nicht geklärt haben, dass über die nächsten Jahre wirklich genug Leute herkommen, die dafür Geld bezahlen, können wir so etwas nicht angehen. Noch mehr in die Infrastruktur reininvestieren, noch mehr Millionen reinpumpen, ohne dass die Vermarktung klar ist, nein - das würde ich nicht mitmachen.

Rolf Babucke:
Ich muss trotzdem noch einmal etwas zu dem Thema Bleßberghöhle sagen. Die Fachleute, die darin waren und auch ich sind inzwischen der Überzeugung, dass es gefrevelt wäre, Leute in die Höhle hineinzulassen. Es wäre ein Verbrechen an der Natur, die in Jahrmillionen diese Sehenswürdigkeit geschaffen hat, denn wir würden sie innerhalb von ein paar Jahren zerstören. Es gibt inzwischen so viel Videomaterial, das während der Tage der Öffnung aufgezeichnet wurde, es muss nur zugänglich gemacht werden. Es muss die Barrikade des MDR gebrochen werden, die gesendeten Beiträge zum Zeigen in der Öffentlichkeit wieder freizugeben. Ich habe dort angefragt, es geht nicht. Ich bekomme sie nicht. Ich kann nicht das begründete Interesse nachweisen, dass ich diese Beiträge nutzen darf. Also kann ich nur mein Bildmaterial nutzen. Aber es gäbe die Möglichkeit, die TLUG hat es ja vorgemacht mit dieser ersten Grundwasserbohrung. Man könnte es auch so machen, dass man die Höhle an repräsentativen Stellen weiter anbohrt, Kameras dort installiert und in dem Informationszentrum das Ganze zeitnah oder aktuell zeigt. Damit wäre ein virtueller Durchgang durch die Höhle möglich und in dem Informationszentrum könnte der Besucher alle Informationen erlangen zum Erkennen der Höhle. Ich bin mit dem Landesbergamt in

Kontakt gewesen. Man ist der Meinung, dass das nur Nadelstiche sind und man könnte damit auch den abgetrennten Ostteil der Höhle wieder zeigen.

Frage aus dem Publikum:
Ich glaube, zum Tourismus gehören auch die Wanderwege. Leider ist das Ministerium nicht da, das die Frage eigentlich beantworten könnte. Der Forst macht manchmal sehr viel Arbeit auf dem Waldweg. Es gehört nicht nur der Rennsteig zu den Wanderwegen, sondern auch die Waldwege. Ich hätte gern einmal die Frage an den Forst gestellt, ob er die Kooperation mit den Tourismusvereinen in diesen Bereichen nicht ein bisschen ausbauen kann, damit man sich hier abspricht, wann, wo und weshalb überhaupt die Wege so kaputt gefahren werden müssen.

Dr. Erich Krauß:
Meine Name ist Krauß, Präsident vom Thüringer Gebirgs- und Wanderverein e.V. Wir haben gehört, dass Aktivtourismus in der Natur nach wie vor ein Standbein vom Thüringer Tourismus sein wird und der vollzieht sich nun mal im Wald. Uns Wanderer, die wir ja im Wald herumkommen, macht es sehr viel Sorgen, wie sich die Waldwirtschaft entwickelt. Wir haben immer mehr Technik, der Wald wird immer mehr zerstört und leider ist das Geld nicht da, dass man das, was dort passiert, dann auch wieder in Ordnung bringt. Das betrifft nicht nur die Waldwege, sondern es wird ja auch viel Unterholz dort abgelagert. Ich kann niemanden raten, manche Landschaften, die wunderschön waren, zu besuchen, nachdem der Forst drin war. Wenn das so weiter geht, denke ich, wird das für unseren Tourismus abträglich sein. Deswegen meine Frage auch im Zusammenhang mit den Strukturveränderungen im Forst, wie sich die Politik letztendlich dafür einsetzt, dass auch diese Seite als wichtige Voraussetzung für den Aktivtourismus bei uns in Thüringen in Ordnung gebracht wird.

Knut Korschewsky:
Wie man das mit dem Ministerium lösen kann, ist so ein Frage. Fakt ist eins, die Umstrukturierung ist ja noch gar nicht fertig. Danach wird man dann erst sehen, inwieweit Wirkungen und Gegenwirkungen oder was auch immer existieren. Ich gebe Ihnen völlig recht, dass natürlich zum Aktivtourismus dazugehört, dass die Wanderwege einen entsprechenden Stand haben, da sind wir wieder bei Qualität. Nicht die Masse macht es, sondern auch die Qualität, sowohl im Winter als auch im Sommer. Es hat ja auch in den vergangenen Jahren vielen Kritiken gegeben, was die Frage der Loipen, der Spuren betrifft. Da wird es in diesem Jahr sicherlich etwas besser werden. Die Spurgeräte sind mittlerweile alle übergeben. Die neuen Spurgeräte sind ja finanziert worden, auch über Fördermittel des Ministeriums. Mir selbst ist es auch so gegangen, die Wanderwege, wo man im Sommer manchmal, wenn der Forst gerückt hat, tatsächliche Probleme hat, überhaupt noch einen trockenen Fuß darüber zu setzen, wenn es ein bisschen regnet an der Stelle. Da muss aus meiner Sicht unbedingt auch etwas getan werden. Ich gebe aber zu, dass ich jetzt an der Stelle keine umfassende Antwort dazu geben kann. Wir können als Politiker immer wieder nur auf die bestehenden Unregelmäßigkeiten oder die Dinge, die verändert werden müssten, hinweisen und die Umsetzung kontrollieren oder uns anschauen, ob sich Veränderungen ergeben. Aber wie, das liegt, wie gesagt, nicht direkt in unserer Hand.

Christine Zitzmann:
Wir haben zwei Forstämter im Landkreis Sonneberg, eins in Neuhaus, ein in Sonneberg. Die Thematik der Instandsetzung von Wanderwegen, die als Fortwege kategorisiert sind, dauert seine Zeit. Ich mache das wie folgt, wenn solche Dinge an mich herankommen, und ich arbeite sehr gut mit den Kreistagmitgliedern zusammen. Ich gehe jeden Einzelfall wie folgt an: Wird mir das gemeldet, spreche ich mit den Forstamtsleitern. Erst einmal will ich herausbekommen, warum, wieso, weshalb. Dann ist es meistens der Holzeinschlag. Wenn ich zu hören bekomme, dass die Instandsetzung aufgrund des nicht ausreichenden Haushaltsbudgets etwa länger dauert, also erst im nächsten Jahr - besonders jetzt Gemarkung Steinach, Gemarkung Sonneberg fällt mir ein, Gemarkung Neuhaus fällt mir ein - dann gehe ich schon auch meine Wege ins Ministerium. Dort bekomme ich zwar immer gesagt, wir haben nur die und die Haushaltssumme, dann gehe ich auch als Abgeordnete ran. Also, ich gebe da nicht auf. Fakt ist, es sind zwei Seiten einer Medaille. Auf der einen Seite ist der Forstweg genau definiert, wie muss er beschaffen sein etc. Aber ich weiß, dass beide Amtsleiter Verständnis dafür haben, wenn man aufzeigt: Wann bringt ihr denn endlich euren Forstweg in Ordnung? - Darauf wollen die Leute laufen. Er wird nie geteert, aber er wird dann wieder in Ordnung gebracht, indem er schön geebnet wird, wie auch immer.

Steter Tropfen höhlt den Stein, Ursache, als ich noch Abgeordnete war, Hauptursache, und die ist heute leider auch noch da: Das Budget, das für die Forstämter eingesetzt ist, zur Instandsetzung, Verbreiterung, Erneuerung der Forstwege, reicht nicht aus. Es ist richtig, moderne Technik ist nicht nur eingezogen, Technik ist immer da, aber wenn ich jetzt Helmut Greiner-Petter höre, dann hat er mich schon wieder neugierig gemacht, welches Stück Weg es ist, und dann gehe ich natürlich direkt auf das Forstamt zu und wir versuchen, das zu klären. Ich kann mich natürlich nicht um alles kümmern, aber um meinen Landkreis Sonneberg kümmere ich mich.

Moderator:
Die Tourismuskonzeption 2015 ist ja ein großes Stück Papier - viele Ziele, viele Aufgaben. Sind diese zu bewältigen bis 2015?

Bärbel Grönegres:
Ja, das geht natürlich nur, wenn alle Akteure zusammenarbeiten. Das ist genau das, wofür wir immer wieder antreten, dass wir sagen, bitte wendet euch an uns, nutzt die Angebote, die wir machen. Ich lade auch noch einmal jeden ganz herzlich ein, dass wir entsprechend auch die Kooperationen besprechen. Wir bieten jedes Jahr, nachdem unsere Kooperationsangebote heraus sind, die sind jetzt gerade im Druck, die kann man sich dann bei uns bestellen oder im Internet anschauen, bitte nutzen Sie das, kommen Sie auf uns zu. Wir machen auch gerne das Angebot, dann ein Einzelgespräch zu führen und halten gemeinsam die Maßnahmen fest, die dann im ganz konkreten Fall zu erbringen sind. Es sind wie gesagt sehr viele Interessen, die wir bedienen müssen. Deswegen bitte auch manchmal die Enttäuschung zu verbergen versuchen, wenn nicht immer alles klappen kann und nicht immer alles gleich umgesetzt wird. Mit uns kann man reden und man kann die Angebote, die wir haben, nutzen und mit uns gemeinsam am Erreichen dieser Ziele arbeiten.

Marianne Reichelt:
Mir ist bei den wenigen Mitarbeitern bei der TTG und auch im Regionalverbund natürlich klar, dass es nicht einfach ist, jedes Städtchen, jede Gemeinde, jedes Fleckchen zu kennen, und ich weiß auch, es gibt ja viele Veranstaltungen, wo die Touristiker oder andere Personen eingeladen sind. Trotzdem kann ich mich manchmal des Gefühls nicht erwehren, dass es gut wäre, wenn die Mitarbeiter, ich nenne es einmal eine Kreisbereisung, oder wie auch immer, machen würden, weil nicht immer alles aus unserer Sicht auch so ist, dass man dann Dinge mit vermarktet - einfach aus den Gründen heraus, dass man sie nicht kennt. Ich hatte heute am Anfang die Geschichte Geißler erzählt. Wir haben im vorigen Jahr ein super Museum eröffnet. Jeder, der es gesehen hat, wird es bestätigen - ein Erlebnismuseum, für Kinder geeignet und Geißler ist auch eine Persönlichkeit, die viel zu wenige kennen, weil man sich eben mit den Dingen nicht so beschäftigt hat. Es war keiner da, obwohl eine Einladung verschickt wurde. Ich weiß, wo Sie waren, dass Sie nicht kommen konnten, aber das sind Dinge, die ich aus der Provinz etwas kritisiere, weil ich denke, zumindest einen groben Überblick kann man bekommen, wenn man vor Ort geht. Eine Kreisbereisung, die man gemeinsam mit dem Landkreis organisieren kann, wäre meiner Ansicht nach hilfreich auch für diejenigen, die in der Branche tätig sind, die uns mit vermarkten, um besser zu wissen, wovon man spricht. Das ist immer eine zweiseitige Sache, das will ich auch betonen, aber wir sind sehr interessiert.

Bärbel Grönegres:
Vielen Dank an Frau Reichelt für die Frage. Ein persönliches Wort von mir: Ich bin wirklich jemand, der versucht, bei jeder sich bietenden Gelegenheit - auch in der Freizeit - unterwegs zu sein. Ich gehe viel wandern, da hat man mich auch schon das ein oder andere Mal erwischt, in Anführungsstrichen und sagt dann immer, na sie sind doch die Frau Grönegres, die bei uns für den Tourismus zuständig ist. Dann rede ich nämlich mit ganz vielen, die sagen, da müsste man sich kümmern, das müsste man einmal machen. Im Übrigen, über den Zustand der Wanderwege habe ich mich auch schon so manches Mal aufgeregt und hab geschimpft, um nichts anderes zu sagen, geflucht, wenn ich mir fast den Fuß verknackst hätte, weil ich irgendwo in dem zerfahrenen Morast herumgesprungen bin. In anderen Ländern ist es schon manchmal eher so, ich weiß es von anderen Bundesländern, dass sie sagen, es wird mehr darauf geachtet. Das ist wieder nur eine subjektive Einschätzung. Man müsste sich in der Tat einmal die Mühe sich machen, im Einzelfall der Sache nachzugehen. Ich glaube, dass man manchmal auch ganz einfach schauen kann, wenn es sehr stark geregnet hat, muss es denn dann wirklich sein, dass sofort danach gefahren wird? Andererseits weiß ich, der Druck der Unternehmer ist da, der will dann arbeiten usw. Ganz langes und ganz elendes Thema und der Dr. Krauß kann bestätigen, dass ich schon viele seiner Wanderungen abgelaufen bin. Ich kenne mich schon so ein bisschen aus Thüringen, würde ich behaupten. Aber das ist natürlich keine Antwort auf ihre Frage.

Ich hatte es eben schon einmal angesprochen, wir hatten einfach bis dato immer das Problem, dass wir zu wenig Zeit und Leute hatten, um auch in den Regionen unterwegs zu sein. Wir haben das vor Jahren mal öfter gemacht mit solchen Regionalkonferenzen. Das wollen wir auch wieder aufleben lassen, allerdings muss ich da auch sagen, ohne den Ball immer wieder zurück spielen zu wollen: Es war manchmal sehr dünn, was da kam. Auch hier muss ich sagen, hier hat eine

große Partei in ganz Thüringen eingeladen und es hätte mehr sein können. Das können wir alle, die jetzt hier sind, so konstatieren. Es ist also manchmal auch das Interesse nicht so unbedingt da. Aber das hat ja nichts damit zu tun, dass man es immer wieder einmal probiert und wir versuchen schon, uns auch immer wieder die neuen Sachen anzugucken und dahin zu fahren. Wenn es nicht gleich am Tag der Eröffnung klappt, dann einfach bei der nächsten Gelegenheit.

Das dritte ist, dass man vielleicht auch einmal umgekehrt die Gelegenheit nutzt. Wir bieten das ja auch sehr gern an in unserer Touristinformation in Thüringen, die wir am Bahnhof in Erfurt haben. Da kann man sich auch einmal präsentieren. Wir hatten jetzt gerade die Wellnesswoche, wo sich also Bäder, Angebote aus dem ganzen Land eine Woche lang präsentiert haben - mit Kathi

Wilhelm sozusagen als Schirmherrin. Das hat den Vorteil, dass man sich ohne Kosten hinstellen und einfach testen kann, wie mein Angebot denn so bei den Leuten ankommt. Dazu möchte ich an der Stelle auch immer wieder herzlich einladen.

Henryk Balkow:
Ich habe mich mit dieser Landestourismuskonzeption auch sehr intensiv auseinandergesetzt. Ich finde die Ziele, die darin aufgestellt werden, sehr gut. Was mich bisher nicht überzeugt hat, zumindest mit den Informationen, die ich da herauslese, ist, wie das umgesetzt werden soll. Für mich sind zwei Dinge ganz wichtig, an denen wir arbeiten müssen. Wir müssen mehr Unternehmertum, wie das von Frau Worm, fördern. Nicht, indem wir Geld hineinpumpen, sondern indem wir, wenn gute Ideen dabei herausgekommen sind, diese belohnen mit einem Preis wie der „Servicequalität". Das finde ich sehr gut. Und wir müssen auch das Gefühl geben, dass es gewollt ist, dass mehr Unternehmertum stattfindet, dass vielleicht sogar kleinere Agenturen überall in Thüringen sich bestimmte Zielgruppen heraussuchen, für die sie die bestehenden Angebote vernetzen und richtig vermarkten. Das ist keine Aufgabe, die allein die TTG machen kann, sondern da braucht man einen Markt dafür, mehr Anbieter, die so etwas machen. Das ist das eine.

Das zweite ist: Ich freue mich sehr darüber, wenn es mehr Geld gibt für Mitarbeiter, die vor Ort sind. Sie hatten das vorhin in ihrem Vortrag gesagt, dass das so gedacht ist. Das finde ich sehr wichtig. Ein gutes Beispiel ist Bad Langensalza. Dort habe ich geforscht, da ist der Bürgermeister Herr Schönau, und als ich in seinem Büro saß zum Interview, hatte ich mich gewundert. Da steht kein PC, kein Laptop, nichts. Der Mann besucht einfach die Leute. Er sagt, ich brauche das nicht. Wenn ich etwas von den Leuten will, die sind alle eine Armlänge weg, dann gehe ich dahin oder die Leute kommen zu mir. Er pflegt einen sehr engen, sozialen Kontakt zu allen. Er hat auch ein bisschen die Statur von Helmut Kohl, so ich bin hier, ihr kriegt mich hier nicht weg. Wenn er irgendwo hinkommt und etwas will, dann hat er bestimmt ein anderes Durchsetzungsvermögen, schon rein optisch, keine Frage. Was ich damit eigentlich sagen möchte: Die Präsenz vor Ort ermöglicht ganz anderes: ein offenes Ohr, gemeinsame Lösungen, gemeinsame Ideen. Das Gefühl, das man zusammenarbeitet, ist erst da, wenn man auch miteinander zu tun hat, Vorurteile abbauen kann. Als ich die Rennsteigwanderung gemacht habe - was ich da alles gehört habe über die böse TTG, dieses Lied, was da jedes Mal angestimmt wird. Das hat auch viel damit zu tun, dass die Leute einfach keinen Nahkontakt haben. Ich glaube schon, wenn das Personal dafür da wäre, vor Ort mehr Präsenz zu zeigen, denen das Gefühl zu geben, man ist Partner, dann würde sich sehr viel auflösen und man könnte viel mehr Ideen voranbringen. Deswegen hoffe ich, dass bei der Umsetzung der Landestourismuskonzeption da wirklich eine Priorität gesetzt wird.

Christine Zitzmann:
Ich würde gern aus meiner Sicht ein paar Ergänzungen machen. Ich habe diese zwei A4- Broschüren erst vorige Woche bekommen und quer gelesen. Ich möchte einen Hinweis geben, auch weil ich bei einer Fraktion im Thüringer Landtag, nämlich der Fraktion DIE LINKE. bin. Ich würde das auch bei meiner Fraktion machen, selbstredend und bei anderen auch. Wir haben in den zurückliegenden Jahren, und ich kann jetzt nur von den fünf Jahren reden, wo ich Landrätin bin, Konzeptionen erhalten, gemeinsam mit erarbeitet. Man muss eine Frage dringend beachten und auch für sich beantworten: Kontrolle. Ich sage nur Wintertourismuskonzeption, Sommertourismuskonzeption. Die Abarbeitung dieser fantastischen Inhalte, die wir alle über Jahre hinweg mitgetragen haben - wir sind in einer Region, wo eigentlich die Umsetzung noch krankt. Ich bin ganz freundlich, wo die Umsetzung noch krankt. Ich weiß, das hat seine Ursachen, vielleicht auch vor Ort. Aber man muss nach dem Erfüllungsstand fragen, man muss auch als TTG und als Regionalverbund Thüringer Wald immer nach dem Erfüllungsstand fragen. Jetzt haben wir wieder eine neue Konzeption, die aber nicht ganz neu ist, sie baut ja immer auf, und trotzdem muss man sich die Frage stellen, bevor ich diese bis 2015 umsetze, was habe ich von den Alten erledigt? Das ist Punkt eins, ohne Bewertung, ganz freundlich.

Was ich immer für Visionen mit mir herumtrage, und auch vorausgesetzt, Hausaufgaben werden vor Ort gemacht, weiter getragen, man bleibt in Kontaktpflege, das ist übrigens auch meines. Die Art und Weise, Kontaktpflege zu betreiben, ist folgende: Die Landkreise, die kreisfreien Städte in ihrer Gänze werden sicherlich vor Ort konzeptionell Tourismus aufzeigen, für jeden Gast, für jeden Besucher, immer in gleicher Augenhöhe mit den Leistungserbringern, mit den Gästen und natürlich auch Verantwortlichen in der Region. Darauf aufsetzend sind die Dachverbände, ich sage immer unser Dach. Vermarktung bedeutet für mich sehr wohl Vermarktung der Landkreise, der kreisfreien Städte oder der Regionen mit bekannten Persönlichkeiten. Jeder Landkreis, die Frau Bürgermeisterin hat den Geißler genannt, denn ich habe natürlich wie in Erfurt, wie in Weimar, wenn ich in die Kiste greife, unheimlich viel Potenzial. Ich schmücke mich in der Lutherdekade damit, dass er bei uns drei Mal echt gesprochen hat, drei Mal gepredigt und wir haben auch den Nachweis, das freut uns sehr. Aber jetzt komme ich dazu: Anerkennung von Freiwilligkeit in allen Bereichen, in der Bündelung des Innen- und Außenmarketings. Jetzt kommt es, wir sind die besten Touristiker überhaupt, denn wenn wir erzählen, wo wir herkommen, was wir alles haben, dann kommen auch die Menschen mit Interesse zu uns. Ich warte auf niemanden, der mich vermarktet. Es freut mich, wenn ich mich in einem bunten und wunderschön gestalteten Heft der TTG wiederfinde, oder beim Regionalverbund, aber wir sind die Macher der Region und wir sollten uns nicht davor scheuen, unsere Potenziale, die uns unsere Großväter, unsere Urgroßväter, Ururgroßväter in die Wiege gelegt haben, weiter nach Thüringen und in alle Länder, die vorhanden sind, zu bringen. Dennoch bleibe ich dabei, zu klären ist die Frage des Tourismus bei der Definition Freiwilligkeit oder Pflicht. Dann sind wir auf einem ganz anderen Level und können auch ganz anders agieren. Geklärt werden muss, wenn Förderung, dann vor allen Dingen kurz. Ich sage nur, immer bedenken, Frühling, Sommer, Herbst und Winter sind in dieser Region anders als in Erfurt. Ich muss ja auch das Geld umsetzen können, das kommt ja noch dazu. Gleichwertigkeit in diesem Land, davon leben wir. Städte, ländlicher Raum, Tradition, Brauchtum, Heimat - der Heimatgedanke kommt mir zu kurz. Das ist Thüringen. Kein Völkchen baut so auf seinen Wurzeln wir die Thüringer. Da müssen wir nicht nach Bayern gucken.

Knut Korschewsky:
Ich würde da gern noch einmal anschließen, weil Frau Zitzmann schon einige Dinge genannt hat, an die man wirklich noch einmal schön anknüpfen kann. Das hat Frau Grönegres schon gesagt, wir waren beide letzte Woche zum Deutschen Tourismustag in München. Dort hat es so ein schönes Beispiel gegeben, welches für mich wirklich noch einmal den Blick aus dem Allgäu geöffnet hat. In unserer Tourismuskonzeption, die wir jetzt haben, steht sicherlich Wichtiges, Wertvolles und Richtiges darin. Das eine ist die Frage der Kontrolle, die kommt aber erst hinterher, das andere überhaupt erst einmal die Umsetzung dessen, was da drin steht, dass es nicht nur ein Papier bleibt, auf dem es geschrieben ist und in der Schublade wieder verschwindet, wie es Minister Machnig auch gesagt hat. Für die Umsetzung dessen, glaube ich, ist es notwendig, dass wir alle etwas daran tun, sowohl die Orte als auch die Betriebe als auch die einzelnen Personen, um das ganz deutlich zu machen. Das ist das Beispiel, was mich faszinierte und jetzt komme ich auf dieses Beispiel vom Allgäu. Dort ist es gelungen, dass in kurzer Zeit, ich glaube, es waren eineinhalb oder zwei Jahre, acht Skiregionen, die einzeln waren, sich zusammengeschlossen haben mit einem Skipass. Also dass nicht der Einzelne nach dem Skiläufer buhlt, den er haben will usw. Es sind glaube ich 80 Hotels gewesen, die unter einem Dach sind. Es ist dort also gelungen, tatsächlich ein Netzwerk aufzubauen. Da bin ich ganz bei ihnen, Herr Balkow. Ich glaube, es ist ganz wichtig an dieser Stelle, dass eine gegenseitige Akzeptanz da ist. Eine Akzeptanz der Orte und der Betriebe gegenüber einem Dach der TTG z.B., wie auch die TTG die Akzeptanz haben muss, dass die Regionen natürlich in ihrer Selbstständigkeit und ihrer Einzigartigkeit auch selbst agieren. Aber die Marke Thüringen muss über die Regionen hinaus über die TTG vermarktet werden, damit es uns gelingt, dass hier ein Netzwerk zustande kommt, dass wir eben nicht mehr in diesem Schubkasten denken, hier ist der Südharz, hier ist der Kyffhäuser, hier ist das Thüringer Meer oder hier sind wir in Südthüringen. Wenn uns das gelingt, gemeinsam zu sagen, wir sind Thüringen und wir vermarkten Thüringen auch gemeinsam, dann sind wir glaube ich einen Schritt weiter.

Genau dieses muss kontrolliert werden, und da bin ich dann wieder bei ihnen, Frau Zitzmann, das ist nämlich der dritte Schritt. Erst die Umsetzung und dann als dritter Schritt die Kontrolle. Ich sage immer wieder, und das ist mein Credo, das weiß Frau Grönegres, wir unterhalten uns oft darüber: Ich bin jemand, der sagt, ein Gast, der in Weimar Urlaub macht, der sich dort einmietet in ein Hotel, dem muss es möglich sein, dass er auf seinem Hotelzimmer oder zumindest in seinem Hotel erfährt, dass auf der einen Seite 60 Kilometer weiter der Kyffhäuser ist und in die andere Richtung 60 Kilometer weiter das Thüringer Meer ist oder das 80 Kilometer weiter die Wasserfälle

von Trusetal sind, oder die Märchenhöhle von Waldorf, weil Thüringen nun einmal so klein ist, dass man innerhalb von einer Stunde, wenn man an der Autobahn irgendwo in einem Hotel ist, fast jeden Punkt erreichen kann. Das wäre eine große Chance, um auch die Bekanntheit der einzelnen Regionen eben nicht nur entlang der Autobahn weiter zu fördern und nach vorne zu bringen; auch im Wettbewerb und wir müssen ja immer deutlich sagen, wir stehen in einem knallharten Wettbewerb mit den anderen Destinationen wie Bayern. Wir haben es hier ja gerade in dem Bereich mit dem Henneberger Land usw. alles ganz heftig auf der Nase und das haben natürlich andere Regionen in Thüringen auch, wenn ich mir Niedersachsen oder Hessen anschaue, sogar grenzübergreifend.

Zweitens, was mir fehlt und wo ich einfach sage, da sind wir wirklich noch nicht weit genug, ist aus meiner Sicht, oder mir fehlt da das Wissen dazu, die tatsächliche grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Wir müssen hier auch über die Kreisgrenzen hinausdenken, weil beispielsweise Fahrradtouristen nicht bloß die 30 Kilometer im Landkreis Sonneberg fahren, sondern dann auch ein Stück weiter wollen.

Letzte Bemerkung, auch ein Stück aus dem Deutschen Tourismustag heraus. Vielleicht ist es auch möglich, weil mich das wirklich fasziniert, das gebe ich zu. Es wird jedes Jahr zum Deutschen Tourismustag ein Deutscher Tourismuspreis für Innovation, für Nachhaltigkeit etc. vergeben. Vielleicht wäre das auch etwas, dass man zum Thüringentag, der jedes Jahr in Thüringen durchgeführt wird, so einen Thüringer Tourismuspreis auslobt, um hier auch gute Beispiele a) zu fördern und b) natürlich auch bekannt zu machen, neben den von hier schon genannten Preisen. Da kommen so viele Dinge und allein, wenn man sich das überlegt, es waren 89 Bewerbungen, acht wurden dort vorgestellt auf dem Tag, davon drei mit Preisen ausgezeichnet. Das wäre eine Geschichte, die ich mit auf den Weg geben möchte.

Roswitha Schlesinger:
Ich bin Roswitha Schlesinger, Dozentin für Touristik, seit 1976 im Tourismus tätig, kenne Thüringen seit 1990. Ich habe hier Reiseleiter und Gästeführer ausgebildet, war am Wochenende bei der Berufsschullehrertagung in Erfurt des DRV. Außerdem bin ich Referentin für Tourismuspolitik bei der Linksfraktion im Bundestag. Das Thema der heutigen Veranstaltung lautet im Untertitel

„Möglichkeiten und Chancen für Tourismus in Thüringen unter wirtschaftspolitischen Gesichtspunkten". Unter welchen Bedingungen kann die touristische Entwicklung Thüringens zur Entwicklung des Wirtschaftsstandortes beitragen? Diese Frage ist für mich von noch niemandem beantwortet worden. Es wurde vorhin die Tourismuskonzeption bis 2015 vorgestellt, es wurde gesagt, was die Ziele der Tourismuskonzeption sind. Unter Punkt fünf, als letzten Punkt, stand die Barrierefreiheit. Die Wirtschaftskraft der Barrierefreiheit, gerade unter dem Gesichtspunkt des demografischen Wandels, ist viel zu wenig oder gar nicht erkannt. Da ich die letzten Nächte in Erfurt im Hotel war und dort auch Zeitung gelesen habe, ist mir heute früh ein Artikel der TLZ in die Hände gefallen: „Sicher und bequem unterwegs auf dem Senioren-Highway". Da hat eine kleine Gemeinde, nämlich die Gemeinde Herbsleben, in der es anscheinend viele ältere Menschen gibt, gesagt, wir müssen etwas tun, und sie haben einen Gehweg, der mit Pflastersteinen belegt war, in der Mitte entpflastert, Asphalt gelegt und siehe da, plötzlich habe Menschen, die auf einen Rollator, auf einen Rollstuhl oder Kinderwagen angewiesen sind, eine gute Möglichkeit. Die Wertschöpfung, die gerade in der Barrierefreiheit liegt, wird viel zu wenig erkannt und ich würde gern dazu auch noch ein paar Ausführungen hören, wie Sie sich das vorstellen. Denn es werden immer nur Einzelne - der Ältere, der den Rollator hat, oder der Behinderte im Rollstuhl - gesehen, nicht aber die Familie. Was hinzukommt, ein anderes Thema, was hier aber unbedingt in die Wertschöpfung mit hineingehört: Fünf Prozent der Übernachtung bezahle ich in einem Großteil der Thüringer Städte und nicht nur hier als Kulturförderabgabe, als Bettensteuer, als Fremdenverkehrsabgabe, für die habe ich noch Verständnis, da weiß ich, wofür die ist. Aber darüber wurde heute kein Wort gesagt. Darüber hätte ich gern noch etwas gehört, danke.

Bärbel Grönegres:
Ich glaube, zum Thema Bettensteuer ist schon eine ganze Menge gesagt worden, wenn auch nicht in dieser Veranstaltung, aber dann hätten wir den Chef des Hotel- und Gaststättenverbandes da haben müssen - in Anführungszeichen. Da wären wir dann aber wahrscheinlich heute um Mitternacht noch dabei. Also das ist ein ganz heiß umkämpftes und umstrittenes Thema, auch auf dem Deutschen Tourismustag ist dazu einiges gesagt worden. Ich kann es an der Stelle kurz machen, wir sind nicht für Bettensteuererhebungen oder Kulturförderabgaben usw. Wenn sich also andere Städte dazu entschließen, ist man da als Touristiker natürlich zunächst einmal machtlos. Man kann dann in Anführungszeichen immer nur hoffen, dass das Geld dann wenigstens wieder dem Tourismus zugute geführt wird oder zumindest zum Teil, was häufig nicht der Fall ist. Wie gesagt, das ist ein so großes Thema, man wird es wahrscheinlich nicht mehr abschließend klären können. Außer dass man natürlich grundsätzlich sagen muss, dass das nicht erwünscht ist. Wir sehen es ja bei der Stadt Erfurt, dass es dort Rückgänge bei den Übernachtungszahlen gibt. Die Leute weichen dann ganz einfach auf die Hotels in der Umgebung aus. Das hat man dann damit erreicht.

Zum Thema Barrierefreiheit habe ich ja eingangs in meinem Vortrag schon gesagt, dass das ein Thema ist, dessen wir uns wirklich noch einmal ganz intensiv annehmen wollen. Wir tun das schon, wir arbeiten schon seit Jahren an dem Thema, aber wir haben zum Beispiel keine volle Stelle dafür gehabt. Wir haben eine Kollegin, die sich dort als Ansprechpartnerin für die Behindertenverbände profiliert hat, bei der das ganze Fachwissen zusammenläuft. Die kann sich da aber nicht Vollzeit darum kümmern. Mit der neuen Umstrukturierung hoffen wir, dass das dann so sein wird und dann sollte sich jemand komplett um dieses Thema kümmern, denn da kann ich ihnen nur Recht geben, das ist ein wichtiges Thema und es wird von Jahr zu Jahr wichtiger. Da geht es auch nicht nur darum, einem einzigen Rollstuhlfahrer irgendwo die Gelegenheit zu verschaffen, sondern um ein viel komplexeres Gewebe von Ansprüchen. Ich kann ihnen so viel sagen, dass bei allen Förderanträgen, da könnte Herr Engel natürlich eine Menge mehr dazu sagen, dass bei allen Dingen, die gefördert werden über das Land Thüringen, immer darauf Wert gelegt wird, dass diese barrierefrei sind. Aber Barrierefreiheit ist mehr - es geht auch um die Internetseiten. Unsere genügt den Anforderungen, die eben dort an Barrierefreiheit gestellt werden, und es gibt auch schon einige gute Beispiele in Thüringen selbst. Beispielsweise möchte ich nur ein Angebot im Eichsfeld hervorheben, wo es darum geht, dass Menschen mit ihren pflegebedürftigen Angehören gemeinsam Urlaub machen können. Da wird sich um den Pflegebedürftigen gekümmert und gleichzeitig haben die Angehören die Möglichkeit, auch einmal auszuspannen und sich um sich selbst zu kümmern. Solche Angebote muss man einfach fördern, die muss man suchen, die muss man pflegen und man muss die Leute ermutigen. Da sind wir dann wieder beim Unternehmertum, letztendlich muss sich natürlich jemand dafür bereit erklären. Das kann die Kommune sein, die vor Ort die Voraussetzungen dafür schafft, aber auch der Unternehmer, der das in sein Konzept miteinbezieht. Wir können als Land dort an der Stelle natürlich nur das Klima dafür schaffen, um alle Voraussetzungen zur Verfügung zu stellen, damit dieses so wichtige Thema weiter gefördert wird.

Knut Korschewsky:
Ich will mich um das Thema Bettensteuer überhaupt nicht herummogeln, auch als Politiker der Linksfraktion. Da gibt es sehr unterschiedliche Auffassungen auch bei uns dazu. Wenn ich meine Kolleginnen und Kollegen höre, die in den Kommunen Stadträte oder Kreistagsabgeordnete sind, die sagen mir, wir brauchen das schlicht und ergreifend als Einnahme. Ich sage aber ganz klar als Touristiker und vielleicht nicht nur als Touristiker, ich bin gegen eine Bettensteuer, gegen eine Kulturabgabe oder sonst etwas. Es wäre etwas anderes, wenn diese Dinge, das sind die fünf Prozent, auch zweckgebunden wieder dafür eingesetzt würden - ob es nun für die Instandsetzung von Kultur ist oder die Werterhaltung oder für die touristische Infrastrukturwerterhaltung. Ich bin aber dagegen, dass damit die schwarzen Löcher in den Haushalten gestopft werden. Das sage ich aus meiner Sicht ganz unumwunden.

Wortmeldung aus dem Publikum:
Ich habe einen Wunsch, an die Politik, an die Landesregierung, an Frau Grönegres und damit an die Branche. Der Minister hat daraufhin gewiesen, wenn wir die Blicke in Thüringen auf die Zukunft richten wollen, müssen wir neu über die Zielgruppen nachdenken. Da darf es nicht sein, dass wir uns über die Gold Ager und Silver Ager Gedanken machen, sondern über die Angebote für unsere Kinder und Jugendlichen. Da komme ich einmal zu Frau Worms, die etwas zu Überlegungen über unsere Gäste gesagt hat, und ich komme zu Frau Schramm, der ich sehr dankbar bin, dass sie das so aufgezeigt hat. Dass sie mit mehrfacher Betonung deutlich gemacht hat, wenn wir im kommunalen Bereich weiter kürzen, gehen die Angebote zurück. Was passiert mit denen, die aus ihrem kleinen Umfeld nicht herauskommen, was passiert mit denen? Deshalb ist mein Wunsch, dass alle Akteure im Tourismus bei ihren konzeptionellen Überlegungen Kinder- und Jugendreisen bitte mitdenken. Wer die Studien kennt, weiß, dass sich die Branche und die Wirtschaft mit den erwirtschafteten Zahlen aus dem Kinder- und Jugendreisebereich schmückt, weil die sehr hoch sind. Ich habe jetzt nicht die Millionen im Auge, da müsste ich noch einmal bei dem Bundesforum Kinder- und Jugendreisen nachschauen. Aber ich möchte gern, dass Kinder- und Jugendreisen mit gedacht werden. Jeder möge jetzt in sich hineinhorchen: Dort, wo ich als Kind gerne hingefahren bin, fahre ich auch als Erwachsener wieder gerne hin. Ich habe es erlebt auf der ITB. Ich habe mich nicht zu erkennen gegeben. Ich war einmal Referentin, was die Frau Schlesinger einmal in der Bundestagsfraktion war, auch für Tourismus, und habe mich unerkannt an die einzelnen Länderstände begeben und habe mir Angebote für Kinder- und Jugendreisen holen wollen, oder für Familien mit mehreren Kindern. Da musste ich mir sagen lassen, jetzt kommen sie auch noch - Hotelbesitzer - ich möchte keine Kinder in meinem Bereich haben, die sind mir zu laut und das lehne ich prinzipiell ab. Wer nach Bayern schaut, kann sehen, dass die Bayern in ihrem Bereich Teddybären an Hotels verleihen, die sehr kinderfreundlich sind. Mein Wunsch zum Schluss noch einmal, bitte in die Überlegungen mit einbeziehen, damit wir die Zukunft, die der Minister eingefordert hat, auch sichern. Danke.

Bärbel Grönegres:
Wir haben beim Bereich Kinder- und Jugendreisen in Thüringen zweifelsohne Nachholbedarf. Das liegt aber auch zum einen daran, dass wir ein relativ begrenztes Angebot haben. Es gibt recht wenig Hotels, die sich wirklich auf dieses Segment spezialisieren. Das hängt natürlich damit zusammen. Dann haben wir allerdings, was die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Jugendherbergswerk, speziell die Sektion Thüringen angeht, sehr gute Jugendherbergsangebote, die wir sehr gut miteinander vermarkten. Übrigens, das ist jetzt der Werbeblock, haben wir als Thüringen sogar einmal einen Preis gewonnen auf einer ITB für die besten Angebote im Kinder- und Jugendtourismus. An der Stelle darf man das vielleicht auch einmal sagen.

Dr. Ilja Seifert:
Vielleicht darf ich noch einmal kurz etwas zum Barrierefreiheitskonzept sagen. Ich finde, wir müssen davon wegkommen, zu sagen, das ist Gutmenschentum. Es geht da richtig um Wirtschaftsförderung, über die wir reden. Selbstverständlich ist der Nutzen dann bei vielen. Ich bringe immer das Beispiel, der größte Nutzen ist z.B. bei Damen, die mit Absatzschuhen unterwegs sind. Sie können über Kopfsteinpflaster im Prinzip nicht laufen, ohne sich die Beine zu brechen. Jedenfalls ist die Gefahr da. Wenn ich aber eine schöne, glatte Straße habe, kann man das. Wenn man ins Theater geht, will man nicht in Filzlatschen gehen, sondern dann geht man in Absatzschuhen. Es geht also überhaupt nicht nur um Rollstuhlfahrer, sondern um viel mehr.

Was ich eigentlich sagen will, ist Folgendes: Was wir in diesem Zusammenhang wirklich bräuchten, wäre ein Wirtschaftsförderprogramm, ein Konjunkturprogramm zur Barrierenbeseitigung. Das muss vom Bund genauso gemacht werden wie vom Land. Eine Milliarde für zehn Jahre lang, also jedes Jahr eine Milliarde vom Bund, nur zur Barrierenbeseitigung, dazu vielleicht noch ein Co-Programm vom Land, auch noch einmal 100 Millionen dazu, das würde richtig etwas bringen. Das wäre nachhaltig und es wäre Wirtschaftsförderung für den Baubetrieb in der Nachbarschaft. So etwas braucht man nicht europaweit auszuschreiben, das macht der Baubetrieb aus dem Kreis. Das ist sofort Wirtschaftsbelebung, Arbeitsplatzschaffung. Das Ergebnis ist, wir haben für die Touristinnen und Touristen und für die Einheimischen bessere Lebensbedingungen. Wenn wir denn endlich aus der Ecke heraus kommen, wir tun was Gutes für die paar Behinderten. Ich finde, das muss man auch machen. Aber wenn wir davon wegkommen und sagen, der Nutzen liegt ganz woanders, dann haben wir viel größere Chancen, wirklich etwas zu erreichen. Das ist eine Aufgabe von Politik, lieber Knut, da kannst du deine Minister alle ärgern oder drängeln oder wie auch immer. Wenn sie es dann machen, können wir sie sogar loben.

Moderator:
Fazit der heutigen Veranstaltung. Es war eine Fachtagung Tourismus, initiiert von der Fraktion im Thüringer Landtag DIE LINKE. Wir haben eine sehr interessante Podiumsdiskussion erlebt und deshalb wollen wir diese auch abschließen. Frau Zitzmann, ich fange mal mit Ihnen an: ganz kurz aus ihrer Sicht ein Fazit für den heutigen Nachmittag.

Christine Zitzmann:
Viel altbekanntes, viel Neues in der Mischung, besonders für den vor Ort Betroffenen oder auch für den vor Ort Handelnden. Ich danke ganz herzlich. Das Thema ist ein unendliches, das ist nicht negativ gemeint, sondern es muss immer auf der Agenda bleiben. Ich gehe aber trotzdem voller Optimismus davon aus, dass das, was heute gesagt wird, sich nicht in den nächsten Foren wiederholt, denn man muss immer aufbauen. Ich hasse es, wenn ich in solche Runden gehe und es kommt wieder der Urschleim, weil wir auf einer Ebene sind, wo es eigentlich nur vorwärtsgehen kann. Wir haben dem Ehrenamt im Tourismus viel zu danken. Das kam heute auch zum Ausdruck, aber natürlich muss man die Verantwortlichkeit dort belassen, wo sie hingehört.

Moderator:
Frau Grönegres, auf ihren Schultern lastet ja nun vieles, was den Tourismus betrifft. Auch in Zukunft - ihr Fazit heute?

Bärbel Grönegres:
Es gibt kaum eine schönere Aufgabe, die man sich vorstellen kann. Wenn man Tourismus in Thüringen macht, dann weiß man, dass es immer sehr viel zu tun geben wird. Das ist auch das Schöne daran. Das wird niemals zu Ende sein, es wird immer wieder neue Aspekte geben, es ändert sich immer viel, es ändert sich der Markt, es ändern sich die Zielgruppen, aber letztlich bleibt eines erhalten, nämlich, das ist heute auch angeklungen, dass es auf jeden Einzelnen ankommt, die Basis, die Grundlage dafür zu schaffen, dass wir alle gemeinsam erfolgreich sein können.

Moderator:
Herr Balkow, ihr Fazit für den heutigen Nachmittag, Tourismusfachtagung?

Henryk Balkow:
Ich fahre mit dem guten Gefühl nach Erfurt zurück, dass viele im Raum verstanden haben oder schon verstanden hatten, dass wir alle gute Ideen haben und ein bisschen näher zusammenrücken müssen, um diese Ideen auch umzusetzen zu können, damit es den Touristikern, das sind ja alles Menschen, Existenzen, in den nächsten Jahren wieder besser geht und sich die Zahlen auch drehen.

Wenn ich mich recht erinnere, ich bin mit Frau Grönegres zum Gespräch verabredet, idealerweise in der Arche.

Moderator:
Danke schön Herr Balkow. Und jetzt werden Sie sagen, ach deshalb hat er hier angefangen, weil das Schlusswort hat sowieso Knut Korschewsky. Also dann: natürlich auch dein Fazit.

Knut Korschewsky:

Mein Fazit an der Stelle und ich verbinde das auch gleich mit dem Schlusswort, sodass unser Moderator hier auch abschließen kann - bei dem ich mich ganz herzlich bedanken möchte - Albrecht Fröhlich. Er ist nämlich heute noch nicht vorgestellt worden, das mache ich jetzt zum Schluss.

Mein Fazit ist, dass es gut und richtig ist, dass wir uns mit dieser Frage der touristischen Entwicklung in Thüringen über Parteigrenzen hinweg beschäftigen, dass es auch richtig ist, dass wir mit unserer Großen Anfrage sicherlich auch in das ein oder andere, ich sage es einmal ganz vorsichtig - Wespennest - hineingestochen haben, wo wir auch weiter dran bleiben wollen; wo wir aber niemals dran bleiben wollen, um den Tourismus nicht voranzubringen oder nur, um aufzuzeigen, wo es schlecht ist, sondern es geht uns darum, nach vorn zu blicken und gemeinsam an den anstehenden Dingen zu arbeiten. Das nämlich in den nächsten Jahren der Tourismus, und da komme ich noch einmal auf die Wertschöpfung zurück an der Stelle, die Entwicklung des Tourismus Thüringen dazu beiträgt, dass wir ein Stück gegen die Abwanderung tun. Nämlich dass bei einer weiteren touristischen Entwicklung im Land Menschen gebraucht werden, die im Tourismus arbeiten. Tourismus ist eben nicht nur das Hotelgewerbe, Tourismus ist so viel - bis hin in die Gastronomie, bis hin in die Busgewerbe. Man kann da so vieles nennen an der Stelle. Wenn es gelingt, hier die touristische Infrastruktur weiter zu entwickeln, mehr Menschen nach Thüringen zu holen, die hier Urlaub machen, dann wird es auch gelingen und möglich sein, dass noch mehr junge Leute hier Arbeitsplätze finden, dass wir unsere Entwicklung der Regionen weiter voranbringen, dass die Betriebe, wenn sie mehr Gäste haben, auch den jungen Menschen, wenn sie da sind, Existenz sichernde Löhne zahlen können. Das gehört auch dazu, und dass sie nicht 30 Kilometer weiter ins Hennebergische gehen zum Arbeiten.

Ich möchte mich ganz herzlich bedanken bei meinen Diskutanten, die heute hier mit dabei waren, bei Frau Grönegres, bei Frau Zitzmann, bei Herrn Balkow und natürlich Frau Schlütter, bei unserer Bürgermeisterin als Gastgeberin, beim Ministerium, beim Wirtschaftsministerium muss ich eingrenzend an dieser Stelle sagen, und natürlich auch bei allen Gästen, die heute da waren. An Ilja Seifert ganz besonderen Dank.

Ich würde mir wünschen, wenn wir genau daran arbeiten können, was Frau Zitzmann gesagt hat, dass wir uns zu einem Zeitpunkt X, den ich heute nicht definieren kann, möglicherweise wiedertreffen und dann sehen, sind wir ein Stück weiter gekommen, was haben wir gemeinsam geleistet, um den Tourismus weiter voranzubringen und wo gibt es auch Schwachpunkte, und die wird es weitergeben, weil niemand die Weisheit, wie man so schön sagt, mit Löffeln gefressen hat, sondern das geht nur, wenn man in einem gemeinsamen Diskurs ist. Vielleicht gelingt uns das zukünftig noch ein Stück weit besser.

Letzte Bemerkung: Ich würde mir natürlich wünschen, dass Politik, und das sage ich jetzt auch einmal ein bisschen auch an meine eigene Kaste gerichtet, die Touristiker und Touristikerinnen nicht immer als Urlauber verstehen, sondern dass das wirklich auch eine harte Arbeit ist, daran zu gehen, hier auch die wirtschaftliche Weiterentwicklung weiterzubringen, dass Tourismus auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist und wir nicht, wenn wir zu solchen Tagungen sind, irgendwohin in den Urlaub fahren oder uns einen Bunten machen, sondern für die gesamte Entwicklung auch etwas tun wollen, damit sie weitergeht.

Ich wünsche mir für meinen eigenen Landkreis Sonneberg, dass uns die anfangenden Projekte, und jetzt sage ich ein Beispiel, die Skiarena Silbersattel, ich will es wenigstens zum Schluss noch einmal deutlich sagen, dass der Ausbau der Skiarena Silbersattel wirklich beginnt und vorangeht, weil ich glaube, wir brauchen das ganz einfach auch, um zumindest in dem kleinen Teilbereich auch des Alpinen Skisports hier ein Stück weiterzukommen. Es geht ja nicht nur um Alpinen Skisport, es soll ja auch ein Ganzjahresangebot sein, auch da war ich ja nun schon mehrfach und habe mir das selbst angeschaut.

Ich bedanke mich bei allen, die heute hier waren. All diejenigen, die hier waren und ihre Adressen hinterlassen haben, werden auch eine Dokumentation dieser Veranstaltung erhalten. Deshalb bitte ich Frau Grönegres, uns ihre Präsentation zu überlassen, die sie heute hier gezeigt hat, damit wir diese in die Dokumentation mit einarbeiten können.

Ich wünsche mir auch, dass wir, wenn wir solche Tagungen veranstalten, nicht hauptsächlich nur Gäste aus einer Region haben, sondern dass auch einmal Gäste aus anderen Regionen kommen, um sich das auch einmal anzuhören. Danke.

Moderator:
Schönen Dank, ich glaube, wir wollen nicht vergessen, uns bei Frau Worm und ihren Mitarbeitern zu bedanken. Ich meine, die Verpflegung war erstklassig. Wenn sie den Applaus nicht bis Erlangen hört, wir nehmen ihn ins Protokoll. Danke schön, ihnen einen guten Heimweg und bis zum nächsten Mal, auf Wiedersehen.