Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen

Die Bedeutung der Entwicklung ländlicher Räume für die Gesamtentwicklung des Tourismus in Thüringen

Bärbel Grönegres, Geschäftsführerin TTG

Ich verstehe meine Aufgabe heute so, Ihnen etwas über die grundsätzlichen Aspekte des Themas Tourismus im ländlichen Raum zu erzählen. Mein Vortrag ist gegliedert in aktuelle Trends, künftige Handlungsfelder, gute Beispiele und eine Zusammenfassung.

Ich beginne mit den Zahlen: Wir hatten im letzten Jahr eine leichte Steigerung bei den Gästeankünften und Übernachtungen, übrigens im sechsten oder siebten Jahr in Folge, immer eine leichte und kontinuierliche Steigerung. Was passiert etwa beim Thema Ferien auf dem Land, was natürlich nur ein kleines Segment des ländlichen Raumtourismus darstellt? Da sieht man, dass es noch eine relative kleine Größe ist und dass vor allem auch Thüringer dieses Angebot nutzen. Aber ein Wermutstropfen - das aktuelle Jahr, die Zahlen wurden gestern vom Landesamt für Statistik von Januar bis September veröffentlicht, ist mit -1,9 Prozent dabei. Das heißt, wir werden, wenn nicht noch ganz große Wunder passieren, erstmals seit langer Zeit wieder mit einem Minus rauskommen. Wenn man jetzt die einzelnen Regionen ansieht, dann ist das Eichsfeld mit dem stärksten Rückgang dabei, kleine Ereignisse können bei einem Landkreis einen riesigen Ausschlag geben. Aber was uns natürlich hier an dieser Stelle Sorge bereiten muss, das gesamte Reisegebiet Thüringer Wald und Saaleland sind ebenfalls beide im Minus. Jetzt muss man dazu sagen, dass wir ein schlechtes Frühjahr hatten, einen verregneten Mai und kurz bevor es richtig schön wurde, kam das Hochwasser. Auch wenn es gar nicht so sehr ganz Thüringen betroffen hat, aber von außen gesehen wird Thüringen letztlich immer als eins wahrgenommen mit Ostdeutschland, mit Sachsen und Sachsen Anhalt und wenn man jeden Tag Bilder sieht, dass in Ostdeutschland und halb Bayern alles unter Wasser steht, dann haben die Leute, die sich immer spontaner und kurzfristiger entscheiden, mit Sicherheit dreimal überlegt, ob sie nach Ostdeutschland fahren. Diesen Effekt haben wir deutlich verspürt. Wir haben im Moment eine negative Entwicklung, aber es gibt die Region, den Hainich, neben den Städten, bei denen es in den letzten Jahren immer eine Steigerung gegeben hat. Vielleicht ist es ein kleines Zeichen, dass das, was im Hainich, wie ich sehr finde sehr gut funktioniert, exemplarisch auch für andere Regionen funktionieren könnte und dass man einfach, wie es Herr Ramelow gesagt hat, an manche Sachen denken muss, wenn man eine touristische Entwicklung in einer Region vorantreiben will. Ich finde, dass hat man in Hainich sehr gut hinbekommen.

Wie sieht es denn aus mit dem Thema "Natur und aktiv", was natürlich im ländlichen Raum eine große Rolle spielt. Da sieht es gut aus in der Reiseanalyse, die aus dem Jahr 2011 datiert. Da haben wir erfragt, was das Interesse der Menschen an Urlaubsinhalten ist und da kam ganz häufig "Natur und aktiv". 27 Millionen Touristen interessieren sich dafür, 16 Millionen für Aktivurlaub. Wir haben die allerbesten Voraussetzungen hier in Thüringen, wir sind mittlerweile auf Rang 6 der beliebtesten Radreiseregionen. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Das ist auch zurückzuführen auf eine entsprechende Ausweitung der Infrastruktur, eine entsprechende Förderung. Man hat dem Rechnung getragen. Wir sind immer noch nicht am Ende, da gebe ich allen Bürgermeistern Recht, die Radwege bauen wollen und dabei sind, aber erst mal steigt die Nachfrage kontinuierlich nach Radreisen und dem ist in Thüringen Rechnung getragen. Dieses Ergebnis kann sich sehen lassen.

Was spielt an Trends noch eine Rolle für den ländlichen Raum? Ein Trend ist die Mobilität, darüber haben wir heute schon viel gesprochen, und natürlich ist es immer das Dilemma, was können wir flächendeckend bereitstellen und was kann man finanzieren? Was muss passieren, damit ÖPNV stärker genutzt wird? Es gibt da sehr gute Ideen und ich glaube, dass wir mit dem neuen Regionalbudget, Tourismusbudget, bspw. im Ilmkreis ist eine solche Einbindung des ÖPNV exemplarisch in einer Region vorgesehen. Wir wollen uns also bewusst die Frage stellen, ähnlich wie mit dem System KONUS, was Frau Keller angedeutet hat, auch in Thüringen bei uns gelingen kann - so eine ÖPNV-Einbindung in eine Gästekarte hinzubekommen. Das ist eine spannende Frage, liegt mit Sicherheit nicht an der Gästekarte, sondern eher an den Strukturen des ÖPNV, denn die waren im Schwarzwald schon da. Das ist einfach das Problem, dass in Thüringen der ÖPNV an der ein oder anderen Stelle, so habe ich es mir sagen lassen, noch an der Kreisgrenze aufhört. Da müssen wir ran, das wissen wir.
Ein weiteres Thema ist: Wie kann man E-Mobilität einbinden? - neue Mobilitätsformen, Stichwort Carsharing. Wir haben hier in der Nähe ein Projekt mit der Leuchtenburg, das heißt, dass die Leute in Jena aussteigen und sich dann mit dem E-Car auf die Leuchtenburg bewegen können. Ich bin gerade von Frau Lukin gefragt worden, warum die Leute nur zu 20 Prozent mit der Bahn fahren - aus meiner Sicht, weil ihnen die Mobilität und Flexibilität vor Ort fehlt. Da müssen wir ran, da müssen wir überlegen, wie der Tourismus besser werden kann - bis hin zur Bereitstellung smarter Lösungen wie Apps. Da hat es sogar einen Innovationspreis gegeben an ein junges Unternehmen. All das gibt es, die suchen noch einen Sponsor und ich hoffe, dass es da weitergeht, dass sich vielleicht das Verkehrsministerium in die Presche begibt und es pilotmäßig ausprobiert.
Der zweite Megatrend ist die Urbanisierung. Das trifft nicht nur auf Thüringen zu, dass die Menschen den ländlichen Räumen meistens gezwungenermaßen den Rücken kehren. Das ist ein globaler Trend, dass wir also dahin kommen, dass im Jahr 2050 ungefähr 2/3 der Menschen in Städten leben werden. Das bedeutet aber für den ländlichen Raum andererseits auch wieder eine große Chance, denn natürlich werden die Menschen, die in den Megastädten leben, eine Sehnsucht haben nach ländlichen Räumen. Diese zu bedienen, ist ein Trend, den wir uns im Tourismus vor Augen führen sollten.
Individualisierung ist der dritte Trend, das kenne Sie alle in den verschiedensten Ausprägungen. Die Menschen suchen nach Räumen, in denen sie abschalten können. Wir als TTG waren im Kloster Volkenroda, die Nachfrage dort steigt und steigt. Das sind Drogenabhängige ebenso wie gestresste Manager, die einfach mal raus müssen, körperliches Ausarbeiten, Ruhe, ein Rückzugsraum - die sind nach 3 Wochen wie ausgewechselt. Dieses Thema Sinneserfahrung ist auch ein wichtiges für den ländlichen Raum. Wir können wir unseren Gästen helfen, wir können wir ihnen das ermöglichen? Hier gibt es in der Region genügend Angebote, wo man sich zurückziehen kann - ob wandern oder mit dem Rad. Es gibt auch Möglichkeiten, besondere Akzente zu setzen, denn Wandern, Radwandern, das kann man wieder überall. Ich komme da gleich noch einmal dazu.
Der vierte Trend ist die "Neo-Ökologie" - 95 Prozent der Zeit sind wir im geschlossenen Raum, es gibt eine Sehnsucht nach Natur. Natur ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können, hier haben wir die Freiräume, wo ich etwas erleben kann. Der Slogan "Zurück zur Natur" gewinnt hier ganz neuen Inhalt. Auch hier geht es wieder um Besonderheiten, wo wir sagen können, das ist typisch Thüringen, dafür steht Thüringen.
Der fünfte Trend sind die Nischenmärkte - eben nicht mit halbem Herzen immer alles für alle zu bieten, sondern zu gucken, wo ist man stark und was ist das Alleinstellungsmerkmal und was kann man gut. Das Thema "spiritueller Tourismus" hat immer mehr an Bedeutung gewonnen, auch hier haben wir eine Menge zu bieten … Dann Gesundheitstouristen, im Moment das Thema Entgiftung, da muss man sich auf die Trends einstellen … dann Hotels, in denen Kinder verboten sind. Das ging durch alle Medien, aber das ist im letzten Schritt die richtige Konsequenz, denn es heißt, dass sich die Gäste bewusst entscheiden für eine Ruhe- und Auszeit. Diese Angebote, die es nur vereinzelt gibt, werden von Leuten aufgesucht. Reisen für Trauernde ist ein weiteres Thema ebenso wie Reisen für gleichgeschlechtliche Paare. Man muss eben schauen und gucken, welche Nischen kann man besetzen, was ist interessant - eben einfach mal querdenken. Dazu möchte ich gern anregen.

Nun zu den Handlungsfeldern und Strategien: Keine gute touristische Arbeit in der Region ohne eine Vernetzung der Akteure und die dazu frei zu setzenden Synergien. Das Thema Waldwellness bspw. ist entstanden aus der Idee, rund um Tabarz, zu fragen: Was haben wir denn beim Thema Wellness, was andere nicht haben? Manchmal liegt es so nah - nämlich den Wald. Warum gehen wir also mit unseren Gästen in eine Nasszelle wie es sie überall gibt, und dann die Frage, warum gehen wir mit unseren Anwendungen nicht in den Wald? Dann ist man hingegangen, in Eigenarbeit, ohne Förderung, und hat gesagt, wir bauen uns eine Insel im Wald, mit Holz und Spanplatten und können den Leuten unter den Bäumen Massagen und sonstige Wellnessangebote anbieten, dort hören sie die Vögel, haben ein Sinnenerlebnis, das man mit nichts anderem vergleichen kann, was eben nicht austauschbar ist. Für mich eines der vielen guten Beispiele, wie man das machen kann.
Auch der Baumkronenpfad im Hainich, hier hat eine Förderung den Erfolg gezeitigt, da hat man gesagt, wir konzentrieren uns auf dieses Thema. Dort hat das Land die Voraussetzungen geschaffen. Aber das reicht ja nicht, sondern man muss es dann auch wirklich bespielen und das haben die Akteure im Hainich getan. Das ist ein gutes Beispiel und vielleicht spricht es auch dafür, dass die Zahlen steigen, weil man dort sagt, wir halten zusammen, wir profilieren uns als Hainich-Gastgeber, wir stehen für diese Region, wir machen u.a. Yoga auf dem Baumkronenpfad. Das sind auch Dinge, die man woanders so nicht findet.
Zweites Handlungsfeld sind die Organisationsstrukturen: Wir reden schon lange darüber, wie man es sinnvoll hinbekommen kann, dass nicht in jedem kleinen Ort eine Touristinformation ist mit einer halben Stelle, die überall das Gleiche macht. Spätestens in Zeiten des Smartphones ist es hirnrissig, weil jeder jede Information abrufen kann. Es gibt gerade eine interessante Diskussion auf den entsprechenden touristischen Foren, bspw. Destinet, mit der Fragen "Quo vadis Touristikinformation?". Machen wir uns nichts vor, denn die Leute kommen nicht mehr dahin und suchen ein Zimmer, so läuft es nicht mehr. Also was macht eine Touristinformation in Zukunft? Da gibt es Entwicklungslinien, die wir uns einfach anschauen müssen und schauen, wie können wir das für uns nutzen. Ich erzähle jetzt etwas, was noch keiner weiß, da das eine Idee ist, die wir erst vor 1, 2 Tagen ausgebrütet haben. Warum gehen wir nicht mal hin und sprechen mit der Plattform Destinet und sagen, wir machen das mal exemplarisch für Thüringen auf und sagen, wir suchen eine Touristinformation in einer Stadt wie Erfurt oder Weimar, wir nehmen uns eine exemplarisch in einem Kurort vor und eine aus dem ländlichen Raum und eine der Thüringer Tourismus GmbH, die das ganze Land abdeckt und gucken uns an: Was machen die jetzt, was machen sie gut und wo sind die Zukunftschancen? Das mal an den 4 Beispielen exemplarisch dargestellt, ist aus meiner Sicht eine spannende Geschichte, darüber würde ich gern mit der Leitprojektgruppe 3 ins Gespräch kommen. Da geht es um Organisationsstrukturen, es gibt ein entsprechendes Projekt, davon wurde gesprochen, Saaleland und das Schwarzatal mal exemplarisch zu nehmen und sich mal die Organisationsstrukturen anzuschauen. Von diesen Strukturen kommen wir, denke ich, automatisch auf das ganze Thema Handlungsfeld und Touristinformation. Das fände ich sehr schön, ist eben eine Baustelle, an der wir weiter arbeiten müssen.
Drittes Thema Infrastruktur, auch da kann ich mich Herrn Ramelow nur vollsten Herzens anschließen, die touristische Infrastruktur ist das Brot und die Butter. Ich brauche kein Restaurant aufmachen, wenn ich kein Brot und Butter in der Küche habe. Ich kann erst dann Werbung machen, wenn ich ein Produkt habe, das entsprechend funktioniert. Wir diskutieren schon seit ewigen Zeiten aus meiner Sicht um alle möglichen Scheinthemen, u.a. ob es Thüringer Meer heißt oder nicht. Das ist aus meiner Sicht nebensächlich. Wir brauchen ein funktionierendes Produkt, ein Produkt, das es dem Radfahrer erlaubt, eine bestimmte Strecken zu fahren, und dann wie auch immer, ob mit Fähre, Brücke oder egal, dann wieder über die Bleilochtalsperre zu kommen. Das muss erst mal da sein. Das kann aus meiner Sicht nicht so schwierig sein, das funktioniert woanders auch und da müssen wir einfach schauen, was können wir da tun. Deshalb habe ich auch gerade gesagt, ja, wenn es ein Wasserkraftmuseum in Ziegenrück ist mit einem Wildwasserpark, auch schön, gern, aber es muss etwas sein, was zur Region passt und was wir entsprechend vermarkten können. Ich würde Herrn Holzhey jetzt gar nicht widersprechen wollen bei all den Dingen, die er erzählt hat, wir müssen es nur machen und da hoffe ich, dass sich die Akteure wirklich mal zusammensetzen und wir helfen da gern dabei. Das bedeutet jetzt nicht, dass wir sagen, Produktentwicklung ist nicht unsere Aufgabe, sondern wir machen nur das Marketing – nein! Deswegen haben wir ja das Kompetenzzentrum in der TTG gegründet im vorletzten Jahr auf Initiative des Wirtschaftsministers, der gesagt hat, dann müsst ihr eben mal rein in die Region und gucken, was man tun kann. Wir sind da, rufen Sie uns. Wir sind gern bereits, an jeder Stelle zu helfen. Als Beispiel das Projekt Rennsteigliebe, was wir mit dem Regionalverbund aufgelegt haben: Der Rennsteig steht symbolisch für die Wanderwege in Deutschland, das muss man sich auch mal auf der Zunge zergehen lassen. Deswegen muss man den auch einfach inszenieren. Wir haben uns die Gastronomen eins zu eins vorgenommen und haben gesagt, wollt ihr oder wollt ihr nicht und es waren genügend dabei, die gesagt haben, wir machen den Rennsteig zu unserem Thema. Es gibt ein paar schöne Produkte, die Tour von Kamin zu Kamin bspw. Ich war am Samstag im Berg- und Jagdhotel Gabelbach, nur als kleiner Werbeblock, das ist so schön geworden, hat leider einen ganz schlechten Ruf aus den Jahren vorher. Da ist jemand mit Privatmittel hingegangen, hat 4 Millionen investiert, muss jetzt noch 2 Millionen reinschießen, um das auf Vordermann zu bekommen, aber es ist als Hotel wieder eröffnet, übrigens auch mit Kamin. Ich wünsche dem Engagierten wirklich von Herzen Erfolg, und was wir da tun können, um es zu vermarkten, das tun wir auch, weil das ist ein Beispiel, wie wir viel mehr brauchen würden - jemand, der mit 77 Jahren mit Herzblut hingeht und etwas für die Region tut. Das ist toll und das würde ich uns natürlich hier in der Region auch noch ganz häufig wünschen. Dazu einer meiner Lieblingssätze von Herrn Engel, der lange das Marketing in Südtirol verantwortet hat und jetzt übrigens bei der Firma ist, die unsere Marke "Thüringen-entdecken.de" entwickelt hat, der sagt "Es ist einfach so, kein schlechtes Produkt ist jemals durch eine Marketingkampagne auf Dauer zum Erfolg geworden - aber umgekehrt, wenn wir ein gutes Produkt haben, spricht es sich herum". Das genau ist unsere Aufgabe.
Weitere Handlungsfelder: Wir haben den Lutherweg, da schaffen wir jetzt gerade die Infrastruktur mit über 900 Kilometern und wenn das Eichsfeld, was die ganze Zeit nicht wollte, jetzt auch noch dazukommt, dann haben wir die 1.000 auf jeden Fall überschritten. Wir werden 2015 mit dem Lutherweg fertig sein und damit das größte zusammenhängende Lutherwegesystem in Deutschland haben. Jetzt brauchen wir auf diesem Lutherweg Inszenierungen, wir müssen dort etwas veranstalten. Wir können nicht einfach sagen, hier habt ihr den Weg, jetzt macht mal. Wir haben eine schöne Idee, wie ich finde, die wir auch schon vielen vorgestellt haben - nämlich eine virtuelle Inszenierung. Das nennt sich Luther 4D, das heißt, dass ich mir auf dem Lutherweg mit meinem Smartphone Filme vorspielen lassen kann, zum Beispiel zu Lutherstätten. Wie hat die vor 500 Jahren ausgesehen, wie haben die Leute gesprochen?- und vielleicht das dann in mehreren Sprachen oder noch mal barrierefrei entsprechend. Wir sind inzwischen so weit, weil wir gesagt haben, dass wir das nicht nur für Thüringen machen, das muss dann vielmehr für Gesamtdeutschland für die Lutherwege funktionieren, dass dann die Luthergedenkstättenstiftung in Wittenberg gesagt hat, wir setzen uns den Hut dafür auf. Wir machen eine Machbarkeitsstudie, um dem Bund das Projekt vorzuschlagen und das Geld konzentriert zu nutzen, statt überall irgendwelche Apps zu finanzieren.
Fachkräfte und Qualität - das ist denke ich auch jedem klar, dass dieses Thema eines der wichtigsten ist und dass wir dort in Thüringen ein Problem haben, wenn uns die guten Leute in die Schweiz oder nach Österreich abgeworben werden.
Das Thema Beratungsnetzwerk, unser neuester Coup, das Kompetenzzentrum mit dem Beratungsnetzwerk geht in die Fläche. Wir haben uns vorgenommen, mindestens 500 Häuser einzeln zu besuchen und zu beraten. Wir bitten wirklich ganz herzlich an der Stelle um Ihrer alle Mithilfe. Nur dann, wenn wir den Buchungsstellen, Gastronomen, aber auch den Touristinformationen vor Ort klarmachen, wie wichtig Qualität ist und wie wir helfen können, nur dann kann das Produkt insgesamt flächendeckend weiter nach vorn kommen. Ich habe leider schon die eine oder andere Stadt, ich sag jetzt nicht welche, gehört, die gesagt hat, Produkt oder Qualität sei nicht ihr Thema, da hätten sie gar kein Personal dazu. Aber den 2., 3. oder 4. Flyer oder Broschüre auflegen - das ist seltsamerweise immer noch irgendwo drin. Nur sich um die Basis, nämlich die Qualität, zu kümmern vor Ort wirklich direkt im Nachbarhaus oder Hotel, dazu fehlt es. Das kann es nicht sein. Da sind wir auch ganz hart und eisern und werden sagen, dass das sein muss und wir werden die Häuser, die die Mindestkriterien nicht erfüllen, auch nicht mehr vermarkten. Die werden sowohl bei der TTG als auch bei den über 30 Orten, die im Buchungssystem sind, rausfliegen, denn wir können es uns nicht leisten, dass wir schlechte Qualität anbieten.

Mit meinen guten Beispielen bringe ich die Sachen jetzt auf den Punkt: Das Hainichland, ihr Höhengenuss auf dem Baumkronenpfad, das ist etwas, da macht die Region von sich reden, dass man für 500 Leute ein exzellentes Gourmetdinner auf dem Baumkronenpfad in 30 Meter Höhe veranstaltet. Das ist immer ganz lang ausverkauft, da muss man jetzt auch schon buchen. Es zeigt, dass die Region sich etwas hat einfallen lassen. Ein weiteres Beispiel der Genuss-Bus aus dem Eichsfeld, dann der kreative Landurlaub in Limbach mit Malkursen, hier wird eine Auszeit organisiert. Die Menschen wünschen sich Urlaub und Freizeit im ländlichen Raum, er ist attraktiv, wenn wir ihn attraktiv machen. Es muss nichts Exotisches sein, es reicht das, was wir haben in guter Qualität in einer entsprechenden Umgebung. Wir haben die besten Voraussetzungen, wir helfen Ihnen. Kommen Sie gern zu uns nach Erfurt, laden Sie uns in die Region ein, schauen Sie gern auf unsere Fachpublikumsseiten. Ganz kurzer Tipp, wir haben einen schönen Film gedreht "Steinle checkt ein".  Da wird gezeigt, wie ein Tourist sich nicht fühlen sollte, um den Touristikern, Hoteliers usw. auf eine charmante Weise die Augen zu öffnen und sie einzuladen, sich am Thema Weiterbildung und Qualität zu beteiligen, weil nur mit der gemeinsamen Unterstützung und Vernetzung aller Leistungsträger und der kleinen Anbieter kommen wir dahin, wo wir hin wollen, nämlich einer Verdrei- oder Vervierfachung unserer Tourismuszahlen. Vielen Dank.

Präsentation zum Fachvortrag

Feedback und Fragen zum Fachvortrag:

Knut Korschewsky: Vielen Dank, so wie ich mir das gedacht habe, ist hier auch von der TTG gekommen, dass die Frage der ländlichen Räume auch von TTG eine entsprechende Beachtung findet. Zur Frage der Barrierefreiheit in ländlichen Bereichen: Wie sehen Sie da die Entwicklung, wie könnten Sie da auch unterstützen?

Bärbel Grönegres: Seitens der TTG machen wir Konzepte für barrierefreies Reisen in Thüringen und versuchen die Angebote auch selbst zu testen. Wir waren im letzten Jahr mit einer Gruppe Rollstuhlfahrern den Werratalradweg unterwegs, da ist natürlich alles noch nicht da, wo es mal hin muss. Aber die wichtigsten Arbeiten sind im Grunde genommen erledigt, sofern, dass wir eine Bestandsaufnahme haben über die barrierefreien Angebote. Wir haben auch die Fehlstellen identifiziert und wir müssen nun gemeinsam daran arbeiten, diese Fehlstellen zu beheben. Es gibt durchaus auch Angebote in ländlichen Räumen, bspw. in Heiligenstadt Führungen für Blinde und Gehörlose. Wenn wir bei den Gastronomen und Hoteliers vor Ort sind, werden wir uns anschauen, was kann man in Richtung Barrierefreiheit tun, denn häufig ist es so, dass das Zimmer barrierefrei ist, aber der Frühstücksraum nicht.

Knut Korschewsky: Welchen Beitrag leisten Veranstaltungen wie das Gipfeltreffen auf dem Schneekopf oder Sportveranstaltungen bis hin zu Motorsportveranstaltungen, die auf dem Thüringer Meer stattfinden, für das Image von Thüringen?

Bärbel Grönegres: Grundsätzlich ist der Spitzensport ein super Imageträger, gerade eine Veranstaltung wie der Biathlon-Weltcup, der weltweit im Fernsehen übertragen wird. Wie bekommt man nun die Lücke geschlossen zwischen dem, was die Spitzensportler machen können und dem, was der normale Alltagssportler macht? Ein gutes Loipensystem rund um den Rennsteig ist da aus meiner Sicht die Basis und was man auch öfter machen sollte: ganz normale Winterwanderwege. Viele wollen gar keinen Sport machen, sondern vielmehr sich auf ihrem Niveau bewegen und dem sollten wir Rechnung tragen. Ich persönlich habe Bedenken bei allzu lauten Veranstaltungen rund um Motorsport. Ob es nun ein Rennen ist, wo es leider auch noch zu Todesfällen gekommen ist, an der B19 im Wartburgkreis oder das Quadfahren im Thüringer Wald - die sind dann auf den entsprechenden Flächen, aber es gibt auch Leute, die eben in den Wald fahren und ich weiß nicht, ob solche Rennen eine gute Idee sind, um hier die idyllische Natur in den Saalestauseen zu vermarkten.

Knut Korschewsky: Wie sieht die Entwicklung im Tagungs-Tourismus aus? Welche Möglichkeiten gibt und sind wir gut ausgestattet, brauchen wir noch etwas? Ich spiele hier auch auf Eisenach an, da weiß ich von der Oberbürgermeisterin, dass es viele Anfragen für Tagungen gibt.

Bärbel Grönegres: Wir haben bereits darüber gesprochen, der Ausbau ICE-Drehkreuz Erfurt und damit wird Thüringen als Tagungsstandort einen Aufwind bekommen. Das wird nicht nur Erfurt betreffen. Wenn die entsprechende Vertaktung klappt, und davon gehe ich aus, das hat die Thüringer Landesregierung auf dem Schirm und muss dafür sorgen, dass die entsprechenden schnellen Verkehrsverbindungen existieren, zusammen mit der Deutschen Bahn, dann wird der Tagungsstandort Erfurt ausstrahlen auf den gesamten Standort Thüringen. Auch dort haben wir bereits ein Qualitätsmanagement eingeführt. In den nächsten Tag kommt unser neuer Tagungsplaner raus, wo alle auf Herz und Nieren geprüft sind. Die können sich jetzt schon sehen lassen, aber sie werden über diese neuen Verbindungen noch einmal einen ganz neuen Aufwind bekommen.

Knut Korschewsky: Letzte Frage, ein bisschen provokativ: Wann wird das Thüringer Meer das erste Mal auf der ITB auf dem Stand der TTG vorhanden sein?

Bärbel Grönegres: Darüber haben wir auch schon ganz ganz viel gesprochen. Es ist nicht die Frage, also man soll natürlich eine gestellte Frage beantworten, aber das, was wir als Produkt haben und was wir hier vom Thüringer Meer haben, das ist auch jetzt schon auf der ITB. Ich lade Sie noch mal ein, schauen Sie sich mal das Material an, das ich mitgebracht habe. Wir nehmen das auf jede Messe mit, auch auf die ITB, aber wir werden das, was wir hier haben, nur entsprechend erfolgreich vermarkten können, wenn wir an dem Produkt weiter arbeiten.