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Bedeutung des Thüringen Meeres für den Tourismus und als Wirtschaftsfaktor in den Kreisen Saalfeld-Rudolstadt und Saale-Orla

Bodo Ramelow, Mitglied im Verein Thüringer Meer

Meine sehr verehrten Damen und Herren, wenn wir die Region der Saalekaskaden vergleichen mit touristischen Schwerpunkten in der Bundesrepublik, dann müssten wir es meines Erachtens nach vergleichen mit dem Altmühltal, mit dem Lahntourismus, also mit regionalen Dimensionen, die sich ähnlich auswirken und ähnliche Magnetwirkung haben. Wir reden über nahen Urlaub, über 2, 3, 4 Tage, oder vielleicht Familienurlaub 1, 2 Wochen. Wir reden über eine bestimmte Form von naturnahmen Tourismus in einer Region, die sich aus industriepolitischen Gesichtspunkten so entwickelt hat. Es ist eine Energieproduktion mitten im naturnahen Bereich, das Kuriose ist, dass die Menschen das nicht als Industrie ansehen.

Die Lahn ist früher über 5 Landkreis vermarktet worden und über 2 Bundesländer. Erst, als sie sich aufgemacht haben, ein Lahnentwicklungsprojekt, das über alle Landkreisgrenzen hinweg Tourismusangebote entwickelt hat und über die beiden Bundesländer hinweg, erst da hat sich die Anzahl an der Lahn vervielfacht. Ich könnte Ihnen jetzt viele Beispiele aus Thüringen erzählen, dir mir nicht gefallen, etwa das Beispiel Kahla, wo schon die Konkurrenz ist zwischen dem Tourismusbüro in Kahla und der Gemeinde Kahla. Schon die sind nicht aufeinander abgestimmt, ich hoffe, dass es sich mittlerweile verbessert habe. Als ich sie damals besucht habe, war nicht einmal das Hotelangebot von Kahla auf der Webseite des eigenen Anbieters, weil der damalige Bürgermeister gesagt hat, das ist bei uns auf der gemeindlichen Seite. Das funktioniert im Zeitalter von Internet nicht. Die Menschen entscheiden bei Tourismus, ob sie irgendwo ein Wassergebiet bekommen und Wasser ist mittlerweile nachweislich ein Hauptträger von touristischer Attraktion, die Kombination von Wasser, Wandern und einem entsprechendem Quartier sowie einem Service, bei dem man als Nutzer nicht viel darüber nachdenkt, ob ich von A nach B komme und von B wieder zurück nach A. Birgit Keller hat darauf hingewiesen, wenn man hier in der Region Urlaub machen will, ist die Quartiersuche eine besondere Kunst. Ich muss einen kennen, der einen kennt, damit ich eventuell noch adäquat ein Quartier finde. Jetzt überziehe ich absichtlich, aber es ging mir mehrfach so, wenn ich ein Ferienhaus hier suche, wo ich 3 Wochen in Ruhe meine Station machen kann, es ist ein größerer Akt. Entweder hast du ein Jahr vorher schon gebucht, weil du den gekannt hast, wo du dich wohlgefühlt hast oder du musst gucken, wie sich das entwickelt. Als das eine Häuschen verkauft war, wusste ich überhaupt nicht, also rief ich den Landrat an, aber ich glaube, der Landrat ist ungeeignet als Vermittler.

Tourismus funktioniert nicht, wenn der Tourist kundig sein muss. Er muss unkundig sein dürfen und wir müssen als Verantwortliche dafür sorgen, dass er geleitet und gelenkt wird. Die Region muss digitalisiert werden. Bei den Wanderwegen eben war es einer der zentralen Punkte. Wenn ich eine Digitalisierung bekommen und mit meinem Smartphone nutzen kann, dann nutze ich die und wenn ich dann noch über einen QR-Code mir den Nahverkehr sofort runterziehen kann, um zu gucken, ob ich am Ende der Wanderungen einen Bus finde, mit dem ich weiter fahren kann, dann bin ich zufrieden. Deswegen ist es für mich so unverständlich, dass wir hier in Thüringen eines der schönsten Wassergebiete Deutschlands haben, und wir alles dafür tun, dass es geheim bleibt. Ich habe die Erfahrung gemacht, eine überregionale Zeitung wollte über mich ein Porträt schreiben. Dann hab ich gesagt, dann fahrt ihr mit mir nach Paska und wir laufen nach Ziegenrück. Dann lief sie neben mir her und schimpfte "so ein Mist, wenn ich gewusst hätte, wie schön es hier ist, hätte ich den Fotografen bestellt". Wenn du von Paska nach Ziegenrück läufst, dann hast du das Gefühl, du bist sonst wo in Deutschland oder Europa. Wenn ich die Bilder auf Facebook stelle, fragen die mich, bist du an der Saarschleife? Aber wir haben nicht das touristische Angebot, insofern verstehe ich Frau Grönegres, wenn sie sagt "gebt mir ein Produkt, dann vermarkte ich es". Ihre Aufgabe ist es nicht, das Produkt zu entwickeln. Unsere Aufgabe muss es sein, die Wege zu ebnen, damit das Produkt entsteht. Deswegen ist mir die Debatte um die die Brücke zu wenig. Die Debatte, die ich gewillt bin zu führen, ist die Debatte um die gesamte Region der Saalekaskaden.

Ein Vorschlag, der von uns unterbreitet wurde: Wir müssten einen Zweckverband für die ganze Region bilden, über ein Landkreisgrenze hinweg. Es gibt eine Notwendigkeit, aus der sich das im Moment sogar ergibt. International bietet Vattenfall zurzeit gerade seine ganze Sparte an Energieproduktion außerhalb Schwedens zum Kauf an, allerdings im Moment nur im Paket. Damit wollen sie auch alle ihre problematischen Teile, Kohlekraftwerke u.ä., los werden. Das bestreiten sie offiziell, aber ich weiß aus Gesprächen mit Investoren, dass die Region Hohenwarte, Bleiloch im Paket mit drin sind. Das einzige, was sie nicht abgeben wollen, ist Goldisthal. Aber wenn es gelingen würde, Hohenwarte und Bleiloch komplett von Vattenfall zu erwerben … Als wir 2009 das erste Mal öffentlich im Wahlkampf gesagt haben, EON Thüringer Energie AG muss kommunalisiert werden, hat man uns 2009 für Übertreiber gehalten. Jetzt haben wir 2013, EON Thüringer Energie AG ist Geschichte, das größte Kommunalwerk Deutschlands ist entstanden. Also die Frage, heute sich vorzustellen, dass Bleiloch und Hohenwarte, also der ganze Vattenfall-Bereich, den Eigentümer wechseln würde, damit die Energieproduktion weiter entwickelt wird; die Kombination Windstrom als Pumpstrom einzusetzen, um daraus ein höheres Maß an wirtschaftlichem Ertrag zu entwickeln für die Region, das ganze aber als Erfolgsmodell der Region zu entwickeln, sodass die Region auch Geld verdient. Es geht nicht darum, Vattenfall nett aus der Verantwortung zu entlassen, sondern es geht darum, mit dem Energie-Thema Geld zu verdienen und die Gemeinden in Thüringen brauchen deutlich Einnahmevolumina, die auch über die Energieproduktion eine Einnahmequelle für Gemeinden sind. Damit würde sich hier die Verbindung herstellen, dass Bleiloch und Hohenwarte aus den Kreisgrenzen in dem Entwicklungskonzept heraus gelöst werden. Jetzt kann man sagen, man kann abwarten, bis die große Gebietsreform erfolgt ist. Wir wissen es nicht so genau. Das ist dann wie mit der Wette auf die Brücke. Was aber in jedem Fall geht, ist, einen Zweckverband als Regionalverband zu gründen und darüber neue Wege zu gehen. Dann rundet sich das Bild ab, weil dann müssen wir endlich den Hochwasserschutz auf das abstellen, was er ist: nämlich Hochwasserschutz. Es hat mir noch niemand erklären können, warum Häuschen im Moment geräumt werden sollen, die oberhalb der Flutlinie liegen. Der zuständige Staatssekretär sagte mir, es hat eine Befliegung gegeben und es gibt keine Notwendigkeit, dass da aus Gründen des Hochwasserschutzes irgendwas geräumt wird. Also ich rede jetzt von den Hütten am Saalthal-Alter, aber Vattenfall hat ja mittlerweile weitere Räumungen angeordnet. Das heißt, der Unfriede in dem Bereich wird im Moment mit Briefen von Vattenfall betrieben. Wenn du dann in Saalthal-Alter Urlaub machst und von jedem erzählt bekommst, wie hier der Krieg ist und keiner sich was gönnt, dann sind wir auf der Ebene der unangenehmen Provinzpossen. In so einer Region möchte keiner Urlaub machen. Ich habe keine Lust mir erzählen zu lassen, warum der eine dem anderen die Bratwurst nicht gönnt.

Ich werbe für ein Ansiedlungsprojekt, eine Ansiedlungsentwicklung, bei der tatsächlich mehr Hotelbetten entstehen. Insoweit müssen wir über Bauprojekte am Wasser reden, über eine Marina am Wasser, über eine Weiterentwicklung der verschiedenen Angebote und das geht nur, wenn man es einvernehmlich miteinander macht. Da wäre ein Zweckverband der richtige Weg. Hartmut Holzhey hat mich irgendwann mal mit seinem Jeep auf alten Wegen durch das Gelände mitgenommen: Wenn man sieht, dass die ganzen Wege knapp über die Wasserlinie komplett durchgebaut sind, aber nicht befahrbar, wenn ich Radwandern will, dann will ich an einem Tag eine bestimmte Strecke absolvieren und entweder anschließend Pause machen können oder mit einem guten Radweg auch zurückkommen. Das bietet Bleiloch und Hohenwarte komplett. Es sind alle Einschnitte in der Natur vorhanden, nur zugewachsen. Sie müssten als komplette Radwege ausgebaut sein und dann sind wir am Ende bei der Brücke. Da hilft mir nämlich die Fähre nicht, wenn sie abends nicht fährt, du stehst da und das Gasthaus ist gegenüber. An der Stelle bin ich dann doch bei der Brücke, da wird es notwendig, weil auch an dieser Brücke die Panoramastraße hängt, die Aussichtspunkte und die guten Blicke über das ganze touristische Gebiet. Es ist kein Widerspruch, sondern rundet sich für mich ab, nur müssten wir dann den Mut haben, dass wir über die Landkreisgrenzen hinweg denken und handeln. Da mag es sein, dass jetzt 2 artverwandte Landräte  da sind. Für den einen ist es Herzenssache, ich behaupte, für den anderen ist es ein Randgebiet. Wenn ich mit denen, die am Wasser tätig sind, spreche, sagen die mir, dass eine ordentliche Beordnung vom anderen Kreis nicht erfolgt bzw. nicht zeitnah. An der Altmühl bin ich alles gefahren und gelaufen. Ich habe erlebt, dass man sich von allen Stationen zur nächsten Station bewegen kann. Das Ergebnis ist, dass die Altmühl im Sommer überfüllt ist, die müssen Zeiten schaffen, wann ein Paddelboot rein kann, so voll ist es da. Das ist eine attraktive Region für guten Naherholungsurlaub im Umkreis von 150 bis 200 Kilometern.

Wenn Erfurt das Drehkreuz wird, also in München weiß man nicht, wo Erfurt ist. Die Frage ist, schaffen wir Gründe, dass man in Erfurt aussteigt? Die müssen nicht wissen, was Erfurt ist. Wir müssen sie locken, dass sie hier aussteigen und deswegen muss die Region schienentechnisch so angebunden sein, dass man in Erfurt beim Umsteigen ohne Probleme in Saalfeld oder rund um Hohenwarte und Bleiloch landet. Deshalb haben wir ja vorhin von Oberland- und Höllentalbahn gehört. Das muss mit einbezogen werden. Die ganze Frage von touristischer Durchdringung hat auch etwas damit zu tun, ob wir die Chance von Erfurt nutzen und gemeinsam begreifen. Das heißt aber, sich über die Kleinstaaterei im Denken und Handeln kraftvoll hinwegzubewegen. Das wäre ein guter Schritt, hier hätten wir mehr zu gewinnen als zu verlieren. Eine Investition in diese Region wäre eine Investition in die Zukunft, wenn wir es schaffen, die Urlaubszahlen zu verdreifachen, zu vervierfachen, zu verfünffachen. Ich denke, das ist problemlos zu schaffen, weil Tourismus im Moment so unterdurchschnittlich entwickelt ist. Gastronomie wird nur für die eigene Region genutzt und für die, die es sich hier seit 20, 30, 40 Jahren gemütlich eingerichtet haben. Da gibt es einen Zielkonflikt. Wer seit 30 Jahren seine Ruhe an Hohenwarte und Bleiloch hatte, der wird sich gestört fühlen, wenn auf einmal alle 5 Minuten ein Radfahrer vorbeikommt. Das kann ich gut verstehen. Deswegen muss man auch über den Zielkonflikt reden. Ich weiß, der größte Gegner der Brücke, über die wir hier reden, ist der Campingplatzbesitzer auf der anderen Seite. Der sagt immer, dass es dann zu laut wird. Ich sage umgekehrt, wenn wir keine Bewegung rund um den See kriegen, dann gibt es keine Entwicklung, dann begnügen wir uns nur mit dem, was wir schon immer hatten. Ein Teil denkt immer noch, der FDGB-Feriendienst käme zurück. Der wird aber nie wieder kommen. Wir müssen uns darum schon selbst kümmern. Vielen Dank.