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Bedeutung des Thüringen Meeres für den Tourismus und als Wirtschaftsfaktor in den Kreisen Saalfeld-Rudolstadt und Saale-Orla

Hartmut Holzhey, Landrat Landkreis Saalfeld-Rudolstadt

Zunächst herzlichen Dank für die Einladung. Ich freue mich, dass DIE LINKE. ihre Konferenz in einem der schönsten Landkreise Thüringens abhält. Zum Thüringer Meer wird hin und wieder gesagt, ich sei der Namensgeber, aber das stimmt nicht. Das erste Mal wurde der Begriff 1932 geprägt, dann hat viele Jahre der Stauseeförderverein auch immer den Begriff verwendet, durch meine Aktivitäten und frühzeitig auch durch Bodo Ramelow wurde das Thüringer Meer ein bisschen bekannter. Das Thema wurde kontrovers diskutiert. Ich bin dadurch zu dieser Position jetzt gekommen, mich haben viele davor gewarnt, aber ich habe nicht darauf gehört.

Am 24. August 2011 waren auf Einladung der Stausee-Initiative und des Thüringer Meer-Vereins Minister Machnig und Uwe Höhn, also der alte und neue Minister,  am Thüringer Meer. Wir sind mit dem Hubschrauber die ganze Saale-Kaskade abgeflogen, waren dann auf dem Boot, haben diskutiert und wir haben uns dann verabschiedet, und irgendwas habe ich dann falsch gemacht. Jedenfalls hat Minister Machnig dann ein Problem gehabt, ich weiß bis heute nicht welches, selbst Uwe Höhn sagte dann, ich solle es nicht so verbissen sehen. Aber an diesem Tag hatte ich ein Buch, ein Bilderalbum vorbereitet, das habe ich dem Minister Machnig und dem heutigen Minister Uwe Höhn, überreicht und danach stand ich vor der Entscheidung, entweder, das Thüringer Meer kann mir den Buckel runter rutschen oder ich versuche einen anderen Ansatz.

Okay, jetzt zu dem Buch, also Thüringer Meer, und bewusst, das Thüringer Meer ist mehr als nur Wasser. Es ist die größte zusammenhängende Wasserfläche in Thüringen, es findet dort jetzt bereits Energieproduktion und -speicher statt. Ich bin bekennender Gegner der Art und Weise der Energiewende, wie sie durchgeführt wird, aber Fakt ist, wir waren und sind Bestandteil der Energieversorgung Deutschlands und mir war auch klar, dass wir weiter etwas dafür tun müssen. Deshalb habe ich dann das Thüringer Meer als Tourismus-Energieregion dargestellt. Ich habe immer gesagt, das Thüringer Meer ist das Aschenputtel im Thüringer Tourismus. Frau Grönegres hat das aber nicht so gefallen. Es ist so ein schöner landschaftlicher Flecken, selbst Saalfelder und Einheimische kennen bestimmte Ecken nicht, die sehr schön sind. Manche vergleichen es mit Fjorden in Norwegen. Zu DDR-Zeiten war da viel los am Stauseegebiet und wenn man heute hin sieht, diese berühmt berüchtigten Hütten, die da oben stehen, und die Kennzeichen, die man davor sieht, dann geht das schon recht international zu, also eher Weimar, Jena und die wollen teilweise unter sich bleiben. Deswegen Aschenputtel, auch Frau Lieberknecht habe ich mal ein Bild geschenkt, denn das Aschenputtel braucht endlich mal den Prinzen, der den goldenen Schuh passend macht oder so ähnlich.

1890 gab es die ersten Gedanken zum Ausbau der Saalekaskade, hat dann auch 25 Jahre gedauert, länger als gewollt. Der Vorstandsvorsitzende von Carl Zeiß Jena, Straubel, der brauchte für die Optikproduktion in Jena sauberen Strom, wollte weißen Strom von der Saalekaskade. Er war federführend während des Ersten Weltkrieges, dass die Saalekaskade ausgebaut wird. Der damalige Wirtschaftsminister Thüringens, Fröhlich, SPD, hat den ersten Bauabschnitt Bleilochtalsperre als Notstandsarbeit begonnen. Die Nationalsozialisten waren eigentlich dagegen, haben es dann aber als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme gesehen und die Kaskade wurde insgesamt mit 5 Sperren weitergebaut. Hauptaufgaben waren die Elbwasserregulierung, Energie kam mit Zeiß dazu und dann irgendwann der Tourismus.

Ich hatte Minister Machnig Pumpspeicherkapazitäten vorgeschlagen, er ist aber nicht darauf eingegangen. Diese Saalekaskade wurde komplett über die VEAG privatisiert, und das ist natürlich schwierig, weil Vattenfall andere Interessen hat. Professor Straubel hat schon verschiedene Pumpspeicherkapazitäten an der Saalekaskade bezeichnet. Wir haben hier also noch Möglichkeiten.

Infrastruktur ist ein Thema, ohne Infrastruktur funktioniert weder die Wirtschaft, noch der Tourismus. Das Straßennetz insbesondere um den Hohenwarte-Stausee ist schlicht eine Katastrophe gewesen, als ich angefangen habe 2009. Inzwischen wurde schon einiges in Ordnung gebracht, das ganze Generve hat schon etwas gebracht auf Seiten des Saale-Orla-Kreises, aber so richtig komme ich mit meiner Seite nicht weiter.

Die Brücke Linkemühle: wo sich alles so ein bisschen dran reibt, die letzte bedeutendste Straßenbrücke Deutschlands, die sich noch im gesprengten Kriegszustand befindet, die Ruinen sind komplett noch da. Sie wurde in den letzten Tag von der Wehrmacht gesprengt, alle Saalebrücken wurden bis 1964 wieder gebaut. Die Brücke Linkemühle allerdings nicht, da die damalige Staatsgrenze in 13 Kilometern Luftlinie verlief. Dann kam die Wende, da sollte wieder gebaut werden, als Übergangslinie gab es eine Fähre und dabei ist es bis heute geblieben. Die fährt allerdings nur im Sommer, nur den  halben Tag, wenn das Wasser hoch genug ist und sie nicht kaputt ist. Das ist eine Lösung aus dem Mittelalter und nicht aus dem 21. Jahrhundert. Ich sage, es ist eine Sauerei, was da abläuft und was sich der Freistaat da raus nimmt. Na klar, gibt es genug andere Brücken, aber das ist auch eine Brücke, die noch da ist für mich, nur, dass sie eben kaputt ist. Mich macht immer stutzig, dass gesagt wird, die Brücke sei nicht notwendig. Wenn ich dann auf eine Karte zeige und man sieht, wie dicht das Brückennetz der Saale heute ist und man sieht die große Lücke, dann würde das bedeuten, wenn sie recht hätten, dass man jede zweite Brücke raussprengen könnte. Die Logik verstehe ich nicht. Ich bin heute nicht viel weiter, inzwischen gibt es zwar eine Aussage von Frau Lieberknecht, dass sie 3 Millionen mit fördern will. Wie ich auch immer, wir kommen mit dem Tourismus nicht voran, wenn wir die Infrastruktur nicht in den Griff bekommen und da gehört diese Brücke zwingend dazu.

Ich habe ein Radwegnetz um den Stausee Hohenwarte und Bleiloch, wo es denn geht, aufgeteilt wie Skigebiete, blaue, rote und schwarze Strecken. Um den Stausee Hohenwarte hätten wir eine Länge von 37 Kilometern, eine schöne familientaugliche Strecke. Der Wildwasserpark Ziegenrück bietet sich dort hervorragend an. Frau Grönegres sagt immer, bringen sie doch mal ein ordentliches Produkt, dann bewerbe ich es auch. Wir müssen halt mal irgendwo anfangen, das wäre vielleicht so ein Produkt. Es gibt Möglichkeiten, wo wir touristische Highlights zusätzlich etablieren können, wobei ich immer sage, dass eigentliche Highlight sind die Aussichten dieser Region.

Wir brauchen die durchgängige Wiederherstellung der Oberlandbahn, von Triptis bis Marksgrün, das ist die Oberlandbahn einschließlich Höllentalbahn, weil das ist eine erstklassige Strecke mit Viadukten. Inzwischen ist der Regionalverbund Thüringer Wald sehr aktiv, es reicht zwar noch lange nicht, aber ein wenig ist schon passiert. 2010 zum 65. Jahrestag der Brückensprengung haben wir eine Pontonbrücke über den Stausee gelegt, 4.000 Menschen waren da. Ich habe eine Wette abgeschlossen, dass bis 2015 zum 70. Jahrestag die Brücke wieder steht. Aber wie es aussieht, verliere ich die Wette. Anschließend waren wir im Landtag, das hatte Bodo eingefädelt, hat eine klasse Rede gehalten im Landtag, also manchmal habe ich den Eindruck, wir waren schon mal ein Stück weiter. Inzwischen sind wir auf einem guten Weg mit dem Saal-Orla-Kreis, die Vereinsstruktur insgesamt zu straffen, damit wir effizienter sind im Tourismus und dann wird der Thüringer Meer-Verein ganz sicher nicht mehr notwendig sein.

Als wir angefangen haben mit der Stausee-Initiative habe ich dann das Faust Zitat "Wenn ihr es nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen", hatte ich geklaut von der Leipziger Olympia-Bewerbung 2012 - denn wenn wir das nicht fühlen, was wir haben, werden wir es nie erjagen. Wir können noch so tolle Konzepte schreiben, wenn wir selbst nicht wissen, was wir haben und darauf stolz sind. Wir haben die Arbeitsgemeinschaft Kommunale Arbeitsgemeinschaft Thüringer Meer gegründet, von meiner Vorgängerin mit unterzeichnet worden, es gibt erste Ergebnisse. Ich kann mit solchen Konzepten, wo so wenig Blut drin ist, nicht viel anfangen. Aber dennoch ist es notwendig, wir sind dabei, dass die beiden Landkreise endlich mal richtig zusammenarbeiten. Wir sind noch lange nicht da, wo wir hin müssen, aber es geht weiter. Ich hatte auch mal die Idee einer Tourismusförderagentur, denn die öffentliche Hand kann eigentlich nur Rahmenbedingungen schaffen für einen erfolgreichen Tourismus. Es kann nicht sein, wie meine Vorgängerin oder auch der Herr aus dem Nachbarlandkreis, die haben immer gesagt, Tourismus funktioniert hier nicht, mit den Kneipern hier wird das nichts, die können das nicht. Ich habe immer zu denen gesagt, ob wir sie ins Erziehungslager stecken wollen, das geht es doch nicht. Aber wir können die nur in einem gesunden Wettbewerb beflügeln, müssen sie beraten und Wettbewerbsbedingungen herstellen, damit sich auch neue Akteure einbringen und da verlasse ich mich auf diese Marktwirtschaft. Das funktioniert, da kommen jene, die ein bisschen unter Druck kommen, schon wieder in die Gänge, und die, die es nicht schaffen, das ist dann der Preis, die gehen Pleite. Aber wir brauchen Bedingungen, wo Leute Mut bekommen, zu investieren in Gastronomie und Freizeiteinrichtungen. Das ist unsere Aufgabe und da sind wir ein Stück weiter, aber noch lange nicht da, wo wir sind.